Bauer sucht Dame - und nur die Liebe zählt

Das Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz hat Gaetano Donizettis Oper "Der Liebestrank" als turbulent-minimalistisches Spektakel inszeniert.

Annaberg-Buchholz.

"L'elisir d'amore" "Der Liebestrank", die komische Oper von Gaetano Donizetti, die am Sonntag am Eduard-von-Winterstein-Theater zur Premiere einlud, nimmt eine Sonderstellung im Werk des Vielschreibers ein. Donizetti schuf dieses Werk 1832 binnen nur 14 Tagen aufgrund eines Auftrags des Mailänder Teatro alla Canobbiana. Der Schnellschuss zum Libretto Felice Romanis wurde seine berühmteste Oper, die europa- und später weltweit auf die Spielpläne der großen Opernhäuser gelangte. Nun gehört sie auch zum Repertoire des Winterstein-Theaters.

Unter Regie von Birgit Eckenweber wird der eher banale Stoff zum spannungsgeladenen Schnelldurchlauf der Ereignisse. Die Akteure erinnern an Puppen, die sich auf einer rotierenden Bühnenwelt entsprechend bewegen. Zum minimalistischen Bühnenbild, wählte Ausstatterin Kristina Böcher Puppenkleider mit Rüschen, Petticoats und Gummistiefel in unterschiedlichen Farben für ihre Geschöpfe. Ob dieser Schlichtheit kann sich der Zuschauer voll und ganz auf Handlung und Musik konzentrieren. Da ist die schöne, kluge und wohlhabende Gutsbesitzerin Adina, gesungen von der erfahrenen Sopranistin Madelaine Vogt, und der mittellose, ungebildete Bauer Nemorino, besetzt mit dem Tenor Jason Lee. Unterschiedlicher könnten die Charaktere nicht sein. Adina, die ihr Leben voll im Griff hat, ist der Inbegriff der emanzipierten Frau. Nemorino, was übersetzt "kleiner Niemand" bedeutet, ist einfach ein Nobody mit gutem Herzen, das wirklich lieben kann, nämlich die für ihn kaum erreichbare Adina. Dann kommt Sergeant Belcore (Jason-Nandor Tomory) mit seinen Soldaten ins Spiel. Belcore weiß um sein Ansehen, seine Macht, ist jedoch ein echter Fiesling. Die Fäden der Handlung hält der Quacksalber Dr. Dulcamara, (László Varga), zusammen. Mit seinem mephistophelischen Aussehen zieht er von Dorf zu Dorf, um Mittelchen zu verkaufen, die Leib und Seele gesund werden lassen, ja, Wunder bewirken sollten. Die Chöre unter der Leitung von Jens Olaf Buhrow zeigten hinsichtlich Gesang und Spiel wahre Meisterschaft. Und die Erzgebirgische Philharmonie dirigiert von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi überzeugt wie immer. Nun dreht sich das Karussell. Alles muss sehr schnell gehen. Nemorino gesteht Adina seine Liebe, wird ausgelacht und kauft für sein letztes Geld bei Dr. Dulcamara den Liebestrank, um die Angebetete für sich zu gewinnen. Dass es sich bei dem Gebräu lediglich um eine Flasche Rotwein handelte, weiß er natürlich nicht. Da er jedoch dem Alkohol nicht frönt, glaubt er beim Genuss bereits an dessen Wirkung, die aber laut Auskunft des Quacksalbers erst nach 24 Stunden einsetzen soll. Belcore macht Adina einen Heiratsantrag, den diese, um den armen Nemorino zu ärgern, auch annimmt. Dieser wird an den Rand der Verzweiflung getrieben. All das begleiten die Duett- und Sologesänge der Hauptdarsteller, teils auch a cappella. Madelaine Vogt und Jason Lee zeigen sich in Höchstform. Das Publikum dankt mit Szenenapplaus. Eine besondere Darbietung gelingt Nemorino mit der Darbietung des Opern-Poems "Una furtiva lagrima - Eine verstohlene Träne".

Dass die Liebe siegt, ist vorauszusehen. Am Ende stehen Adina und Nemorino mit ihren Schachfiguren Dame und Bauer als Liebespaar im Kreis, was bedeuten könnte, dass bei großen Gefühlen die soziale Herkunft nicht von Bedeutung ist. Die Künstler vollbrachten am Premiere-Abend großartige Leistungen, die Musik spritzig und mitreißend. Das Theater wagt mit dieser modernen Inszenierung etwas, und es wird belohnt - mit lang anhaltendem Applaus.

Weitere Vorstellungen von "Der Liebestrank" am 22. Januar, 8. und 23. Februar sowie am 1., 8. und 20. März.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...