Bewegende russische Musik im Vogtland

Der MDR-Rundfunkchor gastiert in Adorf mit Rachmaninow-Werken

Adorf.

Musikalisch tüchtig durch Berg und Tal ging es Samstagabend in der gut gefüllten Adorfer Michaeliskirche. Zarte Wegstrecken wechselten abrupt mit drohend lauten, strahlende Höhen mit ungeahnten Tiefen, und auch zwischen Hellem und Dunklem, Hochgefühl und Demut lag öfter weniger als nichts. Hinzu kam: Diese Musik hatte etwas Unnahbares, Raues, schien aus einer anderen Zeit und Welt zu stammen.

In der Vogtlandstadt war der MDR-Rundfunkchor aus Leipzig zu Gast, und die gut 70 Sängerinnen und Sänger interpretierten unter Leitung ihres Chefdirigenten Risto Joost Sergej Rachmaninows Vesper op. 37, "Das Große Abend- und Morgenlob", das 1915 entstandene, letzte, Moderne und Tradition genial verschmelzende kirchenmusikalische Werk des Komponisten. Das Stück war am Vorabend schon in der Leipziger Peterskirche erklungen. Der seit 2015 an die Spitze des größten und ältesten deutschen Rundfunkchors berufene Joost scheint - darauf ließ das Adorfer Konzert schließen - in der Messestadt eine neue Ära einzuläuten.

Der 36-jährige Este steht für ein bewegliches, im besten Sinne großzügiges Dirigat, das seinem Ensemble bei sensiblen Einsätzen oder Übergängen ein gewisses Maß an Initiative überträgt, das die Musik ungebremst pulsieren lassen möchte, das auf eine neue, ungestüme Dynamik aus ist und Ausdruck, innere Dramatik und Geschlossenheit letztlich wohl doch ein wenig höher stellt als das vielerorts favorisierte Ideal eines schlanken, lupenreinen, bis ins Letzte kontrollierten Klangs. Dass dabei Maß zu halten ist, auch leicht zu viel des Guten geschehen kann, versteht sich. Bei Rachmaninow bewährte sich die Herangehensweise ohne Wenn und Aber. Das war bewegende, ins Ohr gehende Chormusik. Da waren - vornan die wuchtig loslegenden Bässe - glutvoll musizierende Register zu bewundern! Auch die beiden aus den eigenen Reihen kommenden Solisten, die über ein feines russisches Kolorit verfügende Altistin Klaudia Zeiner und der sorgsam gestaltende Tenor Falk Hoffmann, konnten sich hören lassen.

Der Abend war dem Verein Klassische Musik Adorf zu danken, der seit Jahren Kontakt zu den Ensembles des MDR hält und der am Samstag ein Chorpodest, das 80 Mitwirkenden Platz bietet, einweihen konnte.

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