Böse Banken und Böhmermann

Drei deutsche TV-Serien erhalten den Grimme-Preis. Und eines wird bei den Ausgezeichneten deutlich: Qualität im Fernsehen liefern nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen, sondern immer mehr auch die Privaten.

Essen.

Reich wird man mit dem Grimme-Preis nicht. Doch begehrt ist die Trophäe auch ohne Preisgeld. Am Dienstag teilte das Grimme-Institut in Essen mit, welche 16 Produktionen 2019 die Auszeichnung erhalten. 13 mal geht der Preis an öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und dreimal an private Anbieter.

Mit der Serie "Bad Banks" wird das ZDF ausgezeichnet. Der Sechsteiler zeigte in fesselnder Art und Weise, mit welchen Machenschaften Banken weltweit ihren Geschäften nachgehen und Menschen in deren grenzenloser Profitgier manipuliert und ausgenutzt werden. Diese Produktion erhielt erst vor wenigen Wochen den Deutschen Fernsehpreis.

Die beiden anderen Serien-Preisträger kommen von den "Privaten". Der Bezahlsender TNT erhält für das Cybercrime-Drama "Hackerville" den Grimme-Preis. Zum ersten Mal gehört auch der Streamingdienst Amazon-Prime-Video zu den Ausgezeichneten: Die Serie "Beat" über den organisierten Organhandel wurde ebenfalls als außergewöhnlich von der Jury eingestuft.

Insgesamt werden in diesem Jahr in den vier Kategorien Fiktion, Unterhaltung, Information und Kultur sowie Kinder und Jugend die Preise vergeben. Und irgendwie gibt es in letzter Zeit keine Grimme-Auszeichnung ohne Jan Böhmermann: Der Moderator und Fernsehmacher sowie sein Team bekommen für ihre Sendung "Lass dich überwachen! - Die Prism Is A Dancer Show" den Preis. Im Sender ZDF-neo reflektierten sie den Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Böhmermann hatte bereits in den vergangenen drei Jahren Grimme-Preise erhalten.

Der Dokumentarfilm "Kulenkampffs Schuhe" (SWR/HR) zählt zu den Preisträgern in der Kategorie Information und Kultur. Regisseurin Regina Schilling zeichnet darin am Beispiel beliebter TV-Shows die Nachkriegszeit und ihre eigene Familiengeschichte nach. In der Kategorie Kinder und Jugend wird unter anderem der Filmemacher Marco Giacopuzzi für seine Beiträge zu der Reihe "Schau in meine Welt" (HR/Kika) ausgezeichnet.

Einen besonderen Fokus auf Gegenwartsthemen stellte Instituts-Direktorin Frauke Gerlach in diesem Jahr bei der Bekanntgabe der Grimme-Preisträger fest. Es habe sich in allen Kategorien beobachten lassen, "wie aktuelle Diskurse um Cyberkriminalität, Rechtspopulismus oder soziale Ungerechtigkeit durch mitreißend inszenierte, umfassend recherchierte, aber auch humoristische Geschichten transportiert werden". Die Auszeichnungen werden am 5. April überreicht.

Enttäuscht dürfte das Internet-Portal Youtube sein. Zwar war die Plattform erstmals unter den 70 Nominierten, doch geklappt hat es mit der begehrten Auszeichnung nicht. Private Sender mischten mit zehn Nominierungen in diesem Jahr vergleichsweise stark mit. 850 Vorschläge hatten die Jury im Vorfeld erreicht. Was dem Grimme-Institut ein bisschen fehlte, waren qualitativ hochwertige Beiträge in der Kategorie Unterhaltung. Lediglich elf nominierte Produktionen gab es. Die von Luke Mockridge entwickelte Show "Catch!" ist nun Grimme-Preisträger und am 22. März in neuer Form im TV zu sehen. mit dpa

Die Auszeichnung

Der undotierte Grimme-Preis zeichnet Fernsehsendungen und -leistungen aus, die als vorbildlich und modellhaft bewertet wurden. Er gilt als der wichtigste Preis für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Namensgeber ist Adolf Grimme, der 1889 in Goslar im Harz geboren wurde und als erster Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks den Bildungs- auftrag der öffentlichen Sender etablierte. Stifter des Preises ist der Deutsche Volkshochschul-Verband. Die Auszeichnung wird seit 1964 jährlich verliehen. Jeder Zuschauer kann ebenso wie Fernsehanstalten und Produzenten Sendungen vorschlagen. dpa

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Distelblüte
    27.02.2019

    Hier im Artikel nicht erwähnt, aber ebenfalls hochverdient hat die Radio-Bremen-Produktion "Kroymann" einen Grimme-Preis erhalten. Die Sketche sid wohldurchdacht und zuweilen bissig. Einer der besten heißt "Rätselhafte Krankheit" und ist auf dem Facebook-Account von Das Erste und auch bei YouTube zu sehen.

  • 3
    0
    Freigeist14
    27.02.2019

    ..und eins wird noch deutlich : Das die Krimiserien vom Fließband im öffentlich-rechtlichen TV zur Prime-Time nicht Grimme-Preis würdig sind . Erst nach 22:00 Uhr setzt Qualität im Fernseh-Hauptprogramm ein .



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