Der etwas andere Held ist doch müde geworden

Nun muss Markus Cheng noch einen Fall lösen, seinen allerletzten?

Obwohl "Batmans Schönheit" eigentlich Markus Chengs letzter Fall sein sollte, lässt ihn Heinrich Steinfest nun doch noch einen vermutlich dann wirklich allerletzten Fall lösen. Schade eigentlich, denn der einarmige Privatdetektiv hatte inzwischen eine begeisterte Fangemeinde gefunden.

Der immer elegant gekleidete Mittfünfziger, der seine chinesische Herkunft verleugnet, ermittelte vier Romane hindurch in mehr oder weniger kuriosen Fällen mit unkonventionellen Methoden. Inzwischen ist er müde geworden, leidet an Schlaflosigkeit, nimmt Aufträge nur noch widerwillig an und reist ungern. Dennoch macht er spontan Urlaub auf Mallorca. Dort trifft er zufällig Peter Polnitz, den Synchronsprecher des englischen Filmstars Andrew Wake. Sie unterhalten sich zwanglos und gehen auseinander ohne die Absicht, sich je wiederzusehen.

Ein Jahr später erfährt Cheng, dass Polnitz des Mordes an Andrew Wake angeklagt und verurteilt wurde. Cheng nimmt dies eher beiläufig zur Kenntnis. Kurz darauf steht jedoch Polnitz' Tochter in seinem Büro und bittet Cheng, Beweise für die Unschuld ihres Vaters zu erbringen. Zunächst lehnt er ab, lässt sich dann aber doch überreden und übernimmt den Fall, unterstützt von seiner Sekretärin, der resoluten und in Fragen des Ermittelns begabten Frau Wolf.

Schon nimmt die Handlung deutlich mehr Fahrt auf. Cheng muss wieder reisen, denn seine Nachforschungen führen ihn weg von Wien. Zuerst gelangt er nach Frankfurt am Main, etwas später nach London, nach Island auf einen "verstopften" Berg und schließlich sogar bis nach Grönland. In London, im berüchtigten Gefängnis The Ville, wo Polnitz einsitzt, erfährt Cheng Ungeheuerliches aus dessen früherem Leben, was einen Racheakt der Geschädigten vermuten lässt. Aber was hat das mit dem Geheimdienst MI5 zu tun? Allmählich steigt die Spannung und man erkennt, wie die Handlungsstränge miteinander verknüpft sind.

In die Handlung fügt der Autor gleichsam retardierende Momente wie Betrachtungen zur Literatur oder Philosophie ein. Auf amüsante Weise verbindet er Reales mit Phantastischem, was mitunter absurd erscheint, beispielsweise wird Chengs verstorbener Hund Lauscher von anderen gesehen, von ihm jedoch nicht. Auch Zeichen wie eine weiße Tulpe namens White Parrot spielen eine Rolle.

Heinrich Steinfests Krimihandlungen sind nicht blutrünstig oder gruselig, sie sind mehr skurril und kurios, stets gewürzt mit einer Portion Humor, an dem es dem Wiener, der nun schon lange Zeit in Stuttgart lebt, nicht mangelt. Mehrfach bekam Steinfest den Deutschen Krimipreis.

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