Die Uhr tickt: Es droht der Gau

Der Verlag hat es so angekündigt, und die Vorhersage dürfte sich als wahr erweisen: Der am Montag erscheinende Roman "Ultimatum" von Christian v. Ditfurth ist der Politthriller dieses Jahres.

Dies ist tatsächlich ein echter Albtraum, den sich wohl niemand wirklich vorzustellen vermag: Unbekannte hacken sich in die Software eines deutschen Atomkraftwerkes; sie drohen damit, eine verheerende Kernschmelze herbeizuführen und einen Gau zu verursachen, der tausenden Menschen das Leben kosten würde und eine Umweltkatastrophe von bislang unbekanntem Ausmaß zur Folge hätte, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Das ist das Ultimatum, um das es in dem gleichnamigen Roman von Christian v. Ditfurth geht. Und niemand hat bis fast zur letzten Seite auch nur den Hauch einer Ahnung: Sind es Terroristen, finstere Geheimdienstmächte oder ganz normale Verbrecher, die dahinterstecken?

Bloß keine Panik, damit ist sicher nicht zu viel vom Plot verraten, denn der 66-jährige Sohn des Fernsehmoderators und Schriftstellers Hoimar von Ditfurth (1921 - 1989) erweist sich einmal mehr als ein wahrer Meister darin, mehrere höchst komplexe Spannungs- und Zeitebenen engmaschig miteinander zu verknüpfen und in einem atemberaubenden Tempo am Leser vorbeiziehen zu lassen, sodass man auch konzentriert mitdenken muss, um die Fäden, die sich mit der Zeit miteinander verknüpfen, nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht neu, aber ein fesselnd aufgehendes Rezept: Kurze Kapitel mit Cliffhängern am Ende, die Suchtpotenzial haben.

Unter den deutschen Autoren von spannenden Krimis und Thrillern gehört Christian v. Ditfurth seit der Jahrtausendwende zu den erfolgreichsten. Waren es zuerst historische Stoffe wie in "Der 21. Juli", die er in einen höchst spannenden Plot packte, erfand er dann mit Josef Maria Stachelmann, der ebenso am Leben wie an seiner Habilitation als Historiker zu scheitern droht, einen etwas anderen Ermittler, denn er eiert mehr durch die zu lösenden Fälle, als dass er detektivischen Sachverstand an den Tag legt. "Mann ohne Makel" war 2002 der erste Band, und mit "Böse Schatten" ist im vergangenen Jahr der siebte in dieser Reihe erschienen.

Mit "Ultimatum" legt Christian v. Ditfurth nun den fünften Thriller mit dem Berliner Hauptkommissar Eugen de Bodt in der Hauptrolle vor. Und dieser Ermittler ist, was die Romane in dieser Reihe neben der Spannung auch höchst unterhaltsam macht, ein ganz besonderer Ermittler. Denn der Mann ist nicht nur genauso scharfsinnig wie er vor allem seinem Bauchgefühl vertraut, er ist darüber hinaus auch witzig, geistreich und philosophisch, weshalb seine Zitate von Hegel, Nietzsche oder Schopenhauer nicht altklug und aufdringlich wirken, sondern eher geistreich belebend sind. Dass der Protagonist sich um Regeln und Vorschriften nicht kümmert und den Chefs gern mal die Meinung geigt, macht ihn noch sympathischer, auch weil er trotzdem ein ausgeprägter Teamplayer ist und sich auf seine Mitstreiter stets verlassen kann. Ob de Bodt diesen Plot auch überlebt, darf sich der Leser bis zum Ende fragen; und ist dann höchst überrascht.

Soviel sei zur Handlung verraten, es sind die Eckpunkte, um die alles kreist: Der Mann der Bundeskanzlerin wird entführt und verstümmelt, um den Forderungen der Erpresser mehr Nachdruck zu verleihen; das Gleiche passiert kurze Zeit später der Frau des französischen Staatspräsidenten, womit die Bedrohung zu einer kontinentalen wird und Eugen de Bodts freundschaftlich verbundene Polizisten in Frankreich mit im Boot sind. Alle fragen sich: Warum fordern die Entführer etwas, das niemals realisiert werden kann, ein Ding der Unmöglichkeit ist? Der Chef des Atomkraftwerkes Gundremmingen muss sich entscheiden, ob er tut, was die Entführer seiner Familie von ihm verlangen, und die Software manipuliert, oder die Polizei informiert, während seine Frau und sein Sohn auf einer einsamen Insel gefangen gehalten werden und darüber grübeln, ob man Kidnapper einfach mal so töten darf. Gleichzeitig sterben zuerst in Deutschland und dann in ganz Europa russische Diplomaten bei nur scheinbaren Unfällen und Giftanschlägen. Und auf einmal ist dann auch der russische Präsident eine unbekannte, vermutlich eine gefährliche Größe in dem Spiel, das ein Ende findet, mit dem dann garantiert niemand gerechnet hat. Und der Gau? Ja, er ...

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