Ganz schön viel Action in Rambo-Manier

Mit einem neuen Thriller "Killer's Choice" besiegelt Louis Begley seinen künstlerischen Abstieg.

Erste Schritte als Kriminalschriftsteller wagte Louis Begley 2015 mit "Zeig dich, Mörder". Für diese Story über den selbst ernannten Ermittler Jack Dana kassierte er nur Verrisse, doch das negative Echo hinderte ihn keineswegs daran, die Serie um den amerikanischen Ex-Offizier weiter zu spinnen. Bereits 2016 publizierte er eine Fortsetzung unter dem Titel "Ein Leben für ein Leben". Wiederum hagelte es negative Rezensionen. Begley gönnte sich mehr Zeit für den dritten Band, der zeitgleich in den USA und Deutschland auf den Markt kam. Ein Ruhmesblatt verkörpert dieses Opus trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: Es besiegelt den künstlerischen Abstieg eines Autors, der im Alter von 57 mit dem glänzenden Roman "Lügen in Zeiten des Krieges" debütierte und dafür den Hemingway Award erhielt.

Begley tritt in seinem Thriller fast in jedes Fettnäpfchen, das sich für Kritiker denken lässt. Das beginnt schon beim Thema Politik. Der Autor lässt keinen Zweifel daran, dass er den US-Präsidenten verachtet: "Trump, Trump, Trump. Ich war es müde, von ihm zu lesen und zu hören. Er machte mich depressiv und krank. Eine Menge anderer Amerikaner machte er genauso depressiv und krank, dessen war ich sicher, und ebenso gute Leute überall auf der Welt." Natürlich sind viele Positionen Trumps zweifelhaft und dubios, natürlich provoziert er die Weltgemeinschaft. Aber warum jubeln ihm so viele Menschen zu? Warum haben sie ihn gewählt? Sind das tatsächlich nur biedere Populisten? Vernünftige Antworten auf diese brisanten Fragen bietet Begley nicht.

Doch sogar wenn man dieses verminte Gelände meidet, stößt man als Kritiker auf jede Menge streitbares Material. Nur ein Beispiel: Jack Dana hat sich in die selbstredend bildhübsche Tochter eines schwerreichen jüdischen Unternehmers verliebt, der eine gigantische Villa besitzt. Als der Magnat ihn zu einem Gespräch dorthin einlädt, erklärt er sich kurzerhand zum Sklaven der attraktiven jungen Frau: "Ich gehöre ihr, ganz gleich auf welcher Basis sie mich haben und wie lange sie mich behalten möchte. Für immer wäre am besten."

Woraufhin sich der Schwiegervater in spe mit einem Seidentuch die Tränen aus den Augen wischt. Hedwig Courths-Mahler und Rosamunde Pilcher lassen grüßen. Der Kitschverdacht ist indes nur ein Makel, der sich im Laufe der Lektüre erhärtet. Parallel dazu entfaltet sich ein Heroenkult. Jack Dana gefällt sich in der Rolle des Hardboiled Detective, wie man ihn aus Geschichten von Dashiell Hammett oder Raymond Chandler kennt. Er gebärdet sich rund um die Uhr cool und wehrt zwei potenzielle Mörder in einem New Yorker Park ab. Einmal sticht er dem Gegner in die Lunge, dann wieder killt er den Hund des Angreifers, indem er dem Tier in Rambo-Manier die Kehle aufschlitzt. An solch brutalen Action-Szenen mangelt es dem Buch nicht, sie offenbaren eine makabere Fantasie. Völlig einfallslos entpuppt sich der Verfasser dagegen in Sachen Erotik. Jeder Gymnasiast dürfte in punkto Sex über mehr Ideenreichtum verfügen als er.

Insgesamt erweist sich der Roman als Mischung aus Pageturner und Räuberpistole. Witzig erscheint für den ersten Augenblick das Arrangement zwischen der Hauptfigur Jack Dana und seinem Diener Feng. Der ehemalige Hongkonger Polizist beschützt seinen Chef nicht nur vortrefflich, sondern unterwirft sich ihm wie ein Vasall. Die Schilderung seines kriecherischen Benehmens mutet unerträglich an, weil sie eine latente Diskriminierung in sich birgt: Hier der omnipotente weiße Mann, dort der Asiat als Bittsteller. Doch derartige Details erweisen sich als belanglos, wenn man die Erzählperspektive betrachtet, die Begley verwendet. Sein Text wirkt linear, stilistisch dürftig, ja billig, aber immerhin ist er so konstruiert, dass der Spannungsbogen nicht abreißt.

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