Wer von den Freunden hat das Geheimnis verraten?

Kanae Minato vertraut in ihrem Krimi "Schuldig" auf die leisen Töne

Krimis aus Japan überraschen immer wieder durch ihren ganz besonderen Touch. So erhielt beispielsweise Hideo Yokoyama mit seinem in jeder Beziehung überragenden Roman "64" das Prädikat "Bester japanischer Kriminalroman". Auch Kanae Minato wurde für ihr Debüt "Geständnisse" hochgelobt und legt jetzt mit "Schuldig" wieder einen exzellent konstruierten Kriminalroman nach.

Fünf Studenten beschließen zusammen ein Wochenende im Chalet der Eltern in Nagano zu verbringen. Doch ausgerechnet Murai, dessen Eltern das Haus gehört, kann nicht mitkommen. Die vier machen sich trotzdem auf den Weg. Sie haben ihre Reise genau geplant. Fukase, der eher still ist und als Außenseiter der Gruppe gilt, hat ein wunderbares Restaurant mit Buchweizennudeln ausgeguckt. Schade, dass der stille Hirosawa ein Currygericht vorzieht. Für wen kauft er das Souvenir-Armbändchen?

Als ihn die Freunde hänseln, erklärt er, dass es für seine Schwester ist. Auf der Hütte angekommen, wird das erste Bier geöffnet und als der Anruf von Murai kommt, dass man ihn, da ein Taifun aufzieht, bitte am Bahnhof abholen soll, ist keiner, der einen Führerschein besitzt wirklich nüchtern. Hirosawa, der nur wenig getrunken hat, aber erst seit kurzem den Führerschein besitzt fährt zum Bahnhof und verunglückt tödlich.

Drei Jahre später erhalten die Freunde plötzlich anonyme Briefe. Sie haben niemandem erzählt, dass sie damals alle getrunken hatten. Wer weiß Bescheid? Hat einer das Geheimnis ausgeplaudert?

Fukase beginnt dann das Leben des toten Hirosawa genauer zu erforschen. Eigentlich, das merkt er nach den vergangenen Jahren, war der Tote sein wirklich einziger Freund. Der stille Fukase ist fest davon überzeugt "der Wert eines Menschen bemaß sich nach der Anzahl seiner Freunde." Hatte Hirosawa eine Freundin? Eine Schwester hatte er ganz sicher nicht. Wie mit einer Lupe betrachtet Fukase alle Ereignisse auf der verhängnisvollen Reise damals noch einmal Schritt für Schritt und kommt zu sehr überraschenden Entdeckungen.

Die 1973 geborene Japanerin Kanae Minato schreibt aber keine gewalttätigen Thriller. Bei ihr gibt es einen ganz unspektakulären Todesfall ohne viel Blutvergießen. Es kommt bei ihr auf die leisen Töne an, die der japanischen Mentalität offenbar viel mehr entsprechen. Die Konstruktion ist unglaublich raffiniert gestrickt, und tatsächlich weiß man erst auf der allerletzten Seite, was wirklich geschehen ist. Ein Krimi, den man nur ungern aus der Hand legt und man versteht, dass "Beziehungen zwischen Menschen nicht eingleisig verlaufen, sondern auf komplexe Weise ineinander verflochten sind".

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