Wie Frauen lange ihre Geheimnisse bewahren

Lara Prescott bietet in ihrem Debütroman spannende Unterhaltung

Lara Prescott, 1982 in Pennsylvania geboren, widmet ihr Debüt dem weltberühmten Roman "Doktor Schiwago", für den Boris Pasternak der Nobelpreis verliehen wurde, den er jedoch aus politischen Gründen nicht annehmen durfte. Diese Ehre hatte Jahre später erst sein Sohn. In einem Interview verrät die Autorin, dass sie ihre Eltern tatsächlich nach der berühmten Lara in "Doktor Schiwago" genannt haben. Bei ihr löste dies schon früh eine Faszination für dieses Buch aus.

Ihr neuer Roman gliedert sich in zwei Stränge: Zum einen der Westen, die USA, die mit ihrer Agency, dem Geheimdienst, in der Zeit des Kalten Krieges jede Schwäche der Sowjetunion für sich nutzen. Ein Roman, man glaubt es heute kaum, kann tatsächlich zu einer Waffe werden. Es wird aus der Sicht der Stenotypistinnen der Firma erzählt, die oft ganz hervorragend informiert sind, und zwei von ihnen werden als Spioninnen eingesetzt.

Der zweite Strang spielt im Osten in der Sowjetunion, in Moskau und im Dorf Peredelkino, hier befindet sich die Datscha Boris Pasternaks. Erzählt wird seine Geschichte aus der Sicht seiner Geliebten Olga Iwinskaja, die zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt wurde, weil sie angeblich "antisowjetische Ansichten" hat. Die wichtigste Frage bei ihren Verhören: Was steht im neuen Roman Pasternaks? Bis zu seinem Tod betreut sie seine Schriften.

Dass er allerdings das Manuskript von "Doktor Schiwago" an einen Vertreter des italienischen Verlegers Fetrinelli gibt, das versteht Olga nicht. Mit allen Mitteln versucht sie, den Roman im Ausland zu stoppen, denn sie befürchtet, dass sie beide dafür verhaftet werden. Ein aussichtsloses Unterfangen.

Es liest sich wie ein Krimi, wie "Doktor Schiwago" zuerst in Italien veröffentlicht wird, wie der Roman auf der Weltausstellung in Brüssel an russische Besucher heimlich verteilt wird und diese ihn über die Grenze nach Hause schmuggeln.

Lara Prescott hat auch exemplarisch ganz unterschiedliche Frauenleben in Ost und West gezeichnet. Amerikanische Frauen in den 1950er Jahren, die als Erste in ihrer Familie studiert haben und dann als Stenotypistin ihren Lebensunterhalt verdienten. Im Gegensatz dazu das reglementierte Leben von Olga in Russland. Und natürlich, wie im Vorbild "Doktor Schiwago" spielt die Liebe eine große Rolle.

Im Original erschien das Buch mit dem Titel "The Secrets we kept". Dieser ist viel passender als der deutsche Titel, denn es sind die Frauen, die die Geheimnisse bewahren - im Westen wie im Osten. Wer sich für Literatur und die Geschichten hinter den Büchern interessiert, der kommt bei diesem gut recherchierten Debüt von Lara Prescott voll auf seine Kosten. Eine klare Leseempfehlung.

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