Bürgerentscheid zur Kulturhauptstadtbewerbung

Die Zittauer stimmen am 26. Mai auch darüber ab, ob sich ihre Stadt mit der Dreiländer-Region um den Titel als Kulturhauptstadt bewerben soll. Vorher ist die Meinung der Schüler gefragt.

Zittau (dpa/sn) - Zittau hat die Wahl: Gemeinsam mit der Europa- und Kommunalwahl werden die Oberlausitzer am 26. Mai über die Bewerbung zur «Europäischen Kulturhauptstadt 2025» entscheiden. «Wenn uns die Zittauer ihr Votum geben, haben wir ein Pfund auf unserer Seite. Soviel Bürgerbeteiligung hat noch niemand gemacht. In allen Vorbereitungsrunden ging es immer wieder darum, die Menschen einzubeziehen, um sich mit ihren Ideen in ihre Kulturhauptstadt einzubringen», sagte der Projektverantwortliche Kai Grebasch.

Neben Zittau wollen in Sachsen Chemnitz und Dresden für die Kulturhauptstadt 2025 ins Rennen gehen. Deutschlandweit sind direkte Konkurrenten Magdeburg, Nürnberg, Hannover, Hildesheim und Koblenz.

Als Logo haben sich die «Kulturherzstadtmacher», wie sich die Projektgruppe um Grebasch nennt, ein Herz gewählt. Schließlich ist die Bewerbung eine Herzensangelegenheit. Ins Rennen will Deutschlands Stadt im Dreiländereck aber nicht allein gehen. Die gesamte Region soll mitgenommen werden. Unterstützungserklärungen liegen aus Bautzen, Kamenz, Löbau, Görlitz, den Landkreisen Görlitz und Bautzen sowie vom polnischen Nachbarn Zielona Góra sowie der tschechischen Stadt Liberec und der Verwaltungsregion Liberec kraj vor. Schließlich geht es von Zittau aus innerhalb von zehn Minuten über die polnische und tschechische Grenze.

Dieses Miteinander in der Mitte Europas ist die Kulturhauptstadtvision von Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos). «Unsere Chance liegt im europäischen Denken. Dieses Europa der Menschen ist die Basis - und ich wüsste nicht, welcher Bewerber das so gut darstellen kann wie wir. Wir müssen als starke Region gemeinsam unterwegs sein.» Wer eine solche Region in absoluter Grenzlage und mit Strukturproblemen ab den 1990er Jahren entwickeln will, müsse neue Wege gehen. Ein solcher sei auch der Bürgerentscheid.

Gleichzeitig soll auch die nächste Generation mit ins Boot genommen werden, die 2025 die «Nutznießer und die Gestalter» der Kulturhauptstadt Zittau sein könnten, sagt Grebasch. So werden vom 20. bis zum 24. Mai Zittaus Schüler an die Wahlurne gebeten. Am Juniorentscheid beteiligen sich alle fünf Grundschulen, die drei Oberschulen und das Gymnasium. Das Votum der Schüler soll dem neugewählten Stadtrat als Hilfe dienen.

Schließlich kann es sein, dass nicht genügend Bürger zum Bürgerentscheid gehen. Beim Bürgerentscheid gilt das Prinzip «Mehrheit entscheidet». Diese Mehrheit der abgegebenen Stimmen muss mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten umfassen. Das sind in Zittau etwa 5000. Bei einem positiven Votum ohne rechtliche Bindung ist dann der Stadtrat gefragt.

Die «Kulturherzstadtmacher» wollen im Endspurt vor dem Bürgerentscheid die letzten Zweifler mit einer «Kulturhauptstadt auf Probe» überzeugen. Zwischen dem 17. und 26. Mai ist eine Aktionswoche geplant. Geboten werden die Lesenacht «Zittau liest fürs Herz», Talkrunden, Konzerte, Diskussionen, Kunstprojekte, das trinationale Theaterfestival »J-O-S» mit Produktionen aus Polen, Tschechien und Deutschland und am 25. Mai ein kleines Fest auf dem Hauptmarkt unter dem Motto «Herzklopfen». «Da spürt man vielleicht schon ein bisschen Kulturhauptstadt», sagte Grebasch.

Sollten die Zittauer mit Ja für die Kulturhauptstadtbewerbung votieren, braucht die Projektgruppe Puste für den nächsten Sprint. «Wir müssen dann schnell eine schlagkräftige Bewerbung vorbereiten, die im September abgegeben werden muss», sagt der Projektverantwortliche. Zahlreiche Ideen dafür wurden bereits bei unterschiedlichen Mitmach-Formaten in den vergangenen Monaten zusammengetragen.

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