Bunte Ernte auf dem Kunstacker

19. Bildhauer-Pleinair in Garbisdorf: Späne fliegen auch für den guten Zweck

Garbisdorf.

Zwei Wochen Arbeit bei teils drückender Hitze haben die 14 Künstlerinnen und Künstler hinter sich - "das war manchmal grenzwertig", sagt Siegfried Otto-Hüttengrund. Am Samstag wurde zum Abschluss des 19. Holzbildhauer-Pleinairs im ostthüringischen Garbisdorf die Ernte auf dem "Kunstacker" eingefahren, wie Mitorganisator Günter Lichtenstein die Wiese mit den Dutzenden Holzobjekten nennt.

Die Arbeit hat sich gelohnt. Nicht nur, weil die Finissage des Pleinairs zum festen Termin im Kalender einiger hundert Kunstfreunde aus der ganzen Region zwischen Chemnitz, Zwickau und Altenburg geworden ist. Nicht nur, weil die entstandenen Kunstwerke in ihrer Vielgestaltigkeit reizvoll sind. Peter Geist, Frank-Michael Müller, Siegfried Otto-Hüttengrund, Peter Zaumseil und Thomas Suchomel sind seit vielen Jahren dabei, erforschen das zur Verfügung gestellte Holz jedes Mal neu. Aber längst hat sich das Pleinair geöffnet, kommen auch junge Künstler und solche mit weiterer Anreise gern in den zur Galerie mit Übernachtungsmöglichkeiten ausgebauten Quellenhof nach Garbisdorf. Die eigentlich als Grafikerin bekannte Susanne Werdin aus Leipzig hat auch im Holz eine Ausdrucksmöglichkeit für ihre konkrete Kunst gefunden. Der Schweizer Markus Meyle steuert unkonventionelle Figuren bei, die wie Gummibärchen die Welt kommentieren. Nora Leschinsky aus Bernsdorf bringt frischen Wind und Farben in den Skulpturenwald und hat ihre Arche pittoresk im Kornfeld platziert. Friedrich Höfer konzentriert sich auf Details, denen er größere Dimensionen gibt, Volker Beyer und Otto Berndt Steffen arbeiten gern abstrakt, lassen das Material für sich sprechen.

Aber nicht dies allein macht das Pleinair zu etwas Besonderem. Dazu gehört auch die Versteigerung der "guten Geister", Holzobjekte, die Günter Lichtenstein wortgewandt und witzig ans interessierte Publikum bringt. Die Einnahmen werden zwischen Künstler und Heimatverein als Organisator geteilt. Dazu gehört auch das Rahmenprogramm mit Musik der Dresdner Gruppe Krambambuli, die durch den Nachmittag und Abend swingt und jazzt.

Vor allem ist das Garbisdorfer Pleinair ein lebendiges Beispiel dafür, wie gemeinsames Engagement und Toleranz vieler kulturelles Leben auf dem Lande möglich und attraktiv machen. Die Mitglieder des Heimatvereins Göpfersdorf als Veranstalter ebenso wie die Nachbarn des Pleinair-Geländes, die zwei Wochen lang Kettensägenlärm ertragen, und treues Publikum. Sie alle tragen damit, neben staatlichen Fördermitteln, auch zum Erhalt des Quellenhofs bei, eines Anwesens, dessen Chronik bis 1717 zurückreicht. Und gestalten ein Stück Heimat lebenswert , das den Blick in die Welt, nicht nur die der Kunst, gestattet, und diese Welt auch ins Dorf holt.

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