Das Gunzenhauser feiert Geburtstag: "Danke für Alles"

Vor zehn Jahren bekam Chemnitz ein neues Museum - es zieht Gäste aus der ganzen Welt an und muss um die Einheimischen kämpfen.

Chemnitz.

"Der Weg zu diesem Ausstellungsort hat sich gelohnt - jeder einzelne Kilometer. Wir wünschen der Stiftung guten Erfolg und werden das Haus weiterempfehlen", schrieb ein Besucher aus Berlin ins Gästebuch des Museums Gunzenhauser. Nicht nur, weil das Haus gestern seinen zehnten Geburtstag feierte (den es heute mit einem ganztägigen Fest begeht), kommen die lobenden Worte gerade recht. Und sie stehen nicht allein. Obwohl es ein Zufall sein mag, passt selbst die aktuelle Ausstellung mit Arbeiten der 1977 in Dresden geborenen Grit Richter zum Jubiläum des Hauses. "Danke für Alles" heißt die Schau, die Gemälde und Installationen mit hohem Abstraktionsgrad, aber nicht ganz fern vom Gegenständlichen vereint. Wie das Chemnitzer Museum selbst strahlt die Ausstellung nach außen: Eines der Lichtobjekte ist im Fenster angebracht und leuchtet hinaus. Wie ein Zeichen: Hier ist Leben, hier ist Kunst.

Als das Museum am 1. Dezember 2007 eröffnet wurde, war es das erste Sammlermuseum in den neuen Bundesländern. Der preisgekrönte Umbau der ehemaligen Sparkasse zu einem Haus der Kunst hatte sich ebenso gelohnt wie das Engagement der Chemnitzer Stadtführung und nicht zuletzt das der Generaldirektorin der Kunstsammlungen Ingrid Mössinger. Der Münchner Galerist und Sammler Alfred Gunzenhauser (1926-2015) hatte auch über andere Standorte nachgedacht, war aber am Ende vom Chemnitzer "Gesamtpaket" für die dauerhafte Präsentation seiner Sammlung überzeugt. Und die Stadt war um ein Museum reicher, dessen Sammlungskern gerade die Kunst ausmacht, aus der Chemnitz seinen Stolz als "Stadt der Moderne" schöpft. Allein das Herzstück des Konvoluts, 290 Arbeiten von Otto Dix, die weltweit drittgrößte Kollektion mit Werken von Alexej Jawlensky, Arbeiten der "Brücke"-Künstler Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, Werke von Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker und Max Beckmann machen das Gunzenhauser zu einem der bedeutendsten Museen der klassischen Moderne über Deutschland hinaus. Dies ist vielleicht Fluch und Segen zugleich für das Haus. Zum einen lockt es viele auswärtige Besucher nach Chemnitz. Auch davon zeugt das aktuelle Gästebuch. Steve Olson aus Hollywood, Kalifornien, kam eigens wegen der Werke von Otto Dix und der deutschen Expressionisten nach Chemnitz und dankt für die "Sammlung atemberaubender Kunst". Eine Münchnerin schreibt, sie sei erst skeptisch gewesen, habe aber nun Verständnis und Hochachtung für den Schritt des Stifters nach Chemnitz: "Ein großartiges Werk der Moderne hat er der Öffentlichkeit geschenkt bzw. zurückgegeben." "Fantastic museum and collection", schwärmt Aida O'Rourke aus dem englischen Manchester. Und die Künstlerin Anna Genger aus Hamburg, deren Arbeiten gerade in einer Gemeinschaftsausstellung in den Kunstsammlungen zu sehen sind, ist von der Sonderausstellung zu Johannes Grützke begeistert: "Ab heute mein Lieblingsmaler!" Auch Einträge aus Australien und Ungarn finden sich. Doch so beliebt das Museum bei Gästen der Stadt ist, so selten gehen offensichtlich die Chemnitzer selbst in das Museum. Das mag auch daran liegen, dass trotz großartiger Sonder- und Einzelausstellungen schon unter dem ersten Leiter des Museums, Thomas Bauer-Friedrich, und hoch gelobter Führungen die Ausstellungstätigkeit anfangs eng an die Sammlung geknüpft war und mancher da vielleicht kaum etwas Neues erwartete. Doch dies beginnt sich zu ändern. Seit der von Anja Richter begründeten Reihe mit Arbeiten junger sächsischer Kunst begann ein Dialog zwischen klassischer und zeitgenössischer Moderne, der nicht nur überregional für Aufmerksamkeit sorgt, sondern auch den Einheimischen öfter einen Grund zum Museumsbesuch gibt. Zumal für viele einzelne Arbeiten gilt, was Grit Richter einem ihrer Bilder zuschrieb: "Manchmal bleibst du mir ein Rätsel." Aus der Seele des Museums selbst an die Chemnitzer gerichtet, könnte ihr Bildtitel seufzen: "So still hier ohne dich". Für kommendes Jahr ist eine große Dix-Ausstellung geplant - dann wird es wohl mit der Ruhe vorbei sein.

Die Ausstellung "Grit Richter. Danke für Alles" im Chemnitzer Museum Gunzenhauser, Stollberger Str. 2, wird bis zum 7. Januar 2018 gezeigt, Di.-So., Feiertag 11-18 Uhr, am 24. und 31. Dezember ist geschlossen.

kunstsammlungen-chemnitz.de

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