Das Leuchten der geschundenen Erde

Anlässlich seines 65. Geburtstages zeigt die Albrecht-Mugler-Stiftung einen Querschnitt durch das Lebenswerk des Chemnitzer Künstlers Christian Lang - an einem ganz besonderen Ort.

Gersdorf.

In Christian Langs Bildern ist ein Leuchten, das manchmal auf den ersten Blick darüber hinwegtäuscht, dass es um gewaltige Kräfte geht, die er in Gemälden und Grafiken gebändigt hat. Da sind die Eindrücke einer grandiosen, gefährdeten Natur an entlegenen Orten der Welt - Island, Australien - die den passionierten Fossiliensammler und kundigen Weltbeobachter faszinieren. Goldene Himmel wölben sich spannungsreich über strapazierten Landschaften. Die Erde bebt und lebt in seinen Bildern als ein scheinbar ewiger, gigantischer Organismus, dessen Bestand in der Hand des Menschen liegt.

Menschen jedoch kommen in den Bildern kaum vor, aber sie haben ihre Spuren auf der Erde hinterlassen, oft in Form von Wunden, Verletzungen. Obwohl und weil sie auch selbst verletzt sind. Wenn Christian Lang Menschen in seine Bilder aufnimmt, dann meist in archetypischen Situationen: Während der "Überfahrt" des Lebens, 2000 gemalt, inzwischen aber auch ein Symbol der Fluchten in klapprigen Booten übers Mittelmeer; am "Kreuz", auf dem "Traumpfad", als unsichtbarer "Engel". Oder als Kolonne, die in die "Nacht" des mörderischen Ghettos geht, eine der Illustrationen, die Lang zu den Romanen des großartigen jüdischen Erzählers Edgar Hilsenrath geschaffen hat und die ihn auch überregional bekannt gemacht haben.

Der Künstler Christian Lang, geboren 1953, hat eigentlich Werkzeugmacher gelernt und auch als solcher gearbeitet. Ein Beruf, der handwerkliche Fähigkeiten, Genauigkeit, technisches Verständnis erfordert. All dies hat er sich auch für seine Kunst bewahrt. Gleichzeitig mit der Berufsausbildung beschäftigte sich Lang autodidaktisch mit der Kunst, mit Malerei und Grafik. Anlässlich seines 65. Geburtstages zeigt die Albrecht-Mugler-Stiftung in Gersdorf eine repräsentative Auswahl der Werke des Chemnitzers Christian Lang. Angefangen von ersten, noch eher gegenständlichen, Landschaften, die aber auch schon auf den Eingriff des Menschen hinweisen, bis zu jüngsten allegorischen Bildern, die den Zauber einer fragilen Welt zum Leuchten bringen.

Der Ausstellungsort, die Villa Richter in Gersdorf, ist ebenfalls ungewöhnlich. Die Albrecht-Mugler-Stiftung wurde 2001 vom Namensgeber, Albrecht Mugler, gegründet, einem Telekommunikationsunternehmer, wie Ines Rudolph, künstlerische Mitarbeiterin der Galerie, erklärt. Die Stiftung habe sich der Förderung von Wissenschaft, Kunst und Bildung verschrieben, zunächst vor allem Universitäts- und Hochschulstipendien vergeben. Albrecht Mugler sammelt aber auch Kunst, meist sächsischer Künstler. Seit 2016 nutzt die Stiftung die stilvoll restaurierte Villa Richter für eigene, professionell gestaltete Ausstellungen, die auch Schulen der Umgebung gern für besuche nutzen. Hier waren schon Werke von Max Uhlig, Siegfried Otto-Hüttengrund und Jean Kirsten zu sehen.

Für 2019 ist eine Ausstellung mit Arbeiten von Günther Hornig geplant. Die Künstler deuten auf das Spektrum der Sammlung - vom Konkreter Kunst bis zum Gegenständlich-Figürlichen. So leuchten nicht nur die Bilder Christian Langs in der Villa, sondern auch die Stiftung selbst als ein kultureller Leuchtturm abseits der großen Städte.

Die Ausstellung mit Werken von Christian Lang ist noch bis Dezember im Haus der Albrecht-Mugler-Stiftung, Stollberger Straße 13 in Gersdorf zu sehen. Öffnungszeiten auf Anfrage unter 03723 7472442 und am 28. Oktober zum Tag der offenen Tür.

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