David Hasselhoff in Leipzig: The Hoff stirbt zuletzt

David Hasselhoff präsentiert sich in Leipzig tatsächlich als die ironische Popikone. Und zwar fast schon cool.

Leipzig.

Im Arena-Foyer steht K.I.T.T., das legendäre, sprechende Auto aus "Knight Rider". Wer "Knight Rider" sagt, muss natürlich auch "Baywatch" sagen und "Looking for Freedom" sowieso. "30 Years Looking for Freedom" heißt David Hasselhoffs aktuelle Tour, die ihn vor allem in Städte wie Neubrandenburg, Wetzlar, Jena, Ludwigsburg, Suhl und Lingen führt. Ein 65-jähriger Ex-Star mit leerem Konto auf absteigendem Ast also? Vielleicht.

Hasselhoff wird seit Jahren von vielen jüngeren Menschen als (Trash-)Popikone verehrt, weil er in K.I.T.T. oder roten Badehosen ihr Held der Kindheit war, weil er sich nach alkoholfundierten Peinlichkeiten in der Öffentlichkeit selbstironisch aufgerappelt hat ("Don't hassel the Hoff") - und weil seine vor 80er- und 90er-Jahre triefenden Musik- und Filmbeiträge Youtube-Hits wurden. Und so sind am Dienstag viele der nur rund 1600 Zuschauer und Zuschauerinnen in der Arena Leipzig jünger als Hasselhoffs Wendezeit-Hit. Gerade sie dürften die drei Todsünden des Live-Konzerts verwundern: Stühle statt Dancefloor, kein Alkohol im Bier und - am allerschlimmsten - eine Pause mitten in der Show.

Diese beginnt grandios. Das nur als kleines Häppchen hingeworfene Knight-Rider-Thema sorgt sofort für Stimmung. Rote Lichtbänder blinken, dann kurz die Baywatch-Melodie, "Crazy for You" und "Limbo Dance" in fettem Sound vom Band zu großem Lichtspektakel. Dann endlich: Er kommt. Kein Computer, kein Auto, ein Mann. Ein Mann und seine Band kämpfen gegen das Unrecht - bzw. für den Frieden. "The Hoff" bewegt sich hüftsteifer denn je, dass es eine Freude ist. Seine Stimme klingt gut. In "Jump in my Car" saust der junge Hasselhoff erstmals als Michael Knight über die großen Leinwände auf der Bühne. Man kriegt auch nach 'ner Viertelstunde den Mund noch nicht zu. Das kann doch alles nicht wahr sein, alte Filmschnipsel in einer verspiegelten Pilotensonnenbrille auf der Leinwand, davor der alte Hasselhoff in so was wie Bestform. Ist das ein Traum? Oder doch ein Alptraum?

Hasselhoff holt es zwischendurch immer mal raus, dieses zugleich sympathische und verlogene Überlächeln, das nur er und Cristiano Ronaldo beherrschen. Er erzählt, dass er 1990 in Leipzig war, als es hier noch grau und spooky war. "Now Leipzig is the Shit, is cool - I love Leipzig you know." Das schlimmste Musikvideo der Welt habe er 1997 für "Hooked on a Feeling" gedreht. Wer nicht zu den 13 Millionen Menschen gehört, die es schon kennen, sieht es jetzt auf der Bühne - und hört den, nun ja, entsprechend zu bewertenden Song live dazu. Selbst hier ist Hasselhoff nicht peinlich. Klar, der Song und das Video von damals sind es, aber wie er jetzt damit umgeht, ist fast schon cool. Der Großteil des Publikums tänzelt und schwenkt die Arme vor seinem Sitz, ganz vorn tanzt ein Pärchen Discofox.

Nach der Pause flaut die Sache leider etwas ab, wechseln sich Powerballaden mit Schlagerhaftem ab, dazu Oldiecover wie "Country Roads" und "Sweet Caroline". Hasselhoff nutzt diesen Konzertteil, um fan-nah durch die Halle zu wandeln oder in "Baby you've lost that loving Feeling" eine junge Frau anzusingen und auf die Wange zu küssen. Dann ist er kurz weg, um wenig später - natürlich in Zeitlupe - mit Rettungsschwimmerjacke, Sonnenbrille und Boje zurückzukehren und den Baywatch-Song zu singen. Wasserbälle hüpfen über dem Publikum vergnügt um die Wette. Die erste Zugabe, "Wir zwei allein", klingt original wie ein Duett von Howard Carpendale und Annett Louisan. Aber mal ehrlich: 80 Euro hat man für all das nicht bezahlt. Die hat man ausgegeben, um ein bisschen "Looking for Freedom" auf der Berliner Mauer abzubekommen.

Und so hört man in den Reihen auch ein "Jetze!", als zwei Grenztürme auf den Leinwänden erscheinen. "We are still looking for Freedom and we can be Heroes for one Day", sagt Hasselhoff. Und er tut es wirklich, er singt Bowies "Heroes". Das mag jetzt unglaubwürdig klingen, aber es ist viel weniger schlimm, als es Ihnen jetzt erscheinen mag. Hasselhoff dreht noch 'ne kurze Runde hinter der Bühne, und dann steht er da im nicht existierenden Wind, mit dem Klaviaturschal wie 1989: "One morning in June / some twenty years ago ..." Alle looken mit ihm for Freedom. Konfetti, Nebel, Heiterkeit.

Hasselhoff moderiert sich selbst ab - und singt den schon einsetzenden Rausschmeißer vom Band ein paar Zeilen lang mit: "Du bist alles / was ich habe auf der Welt / Du bist alles / was ich will ..." Man nimmt ihm ab, dass er damit das Publikum meinen könnte.

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