Der Blick auf das Ausgegrabene - Fünf Jahre Smac

Wie sich das heutige Sachsen in den letzten 300.000 Jahren verändert hat - das zeigt das Landesmuseum für Archäologie in Chemnitz. Vor fünf Jahren hat es eröffnet. Welches Interesse zeigen die Sachsen daran?

Chemnitz.

Der Totenkopf machte was her: Er bestand über und über aus Blumen. Angelehnt an Traditionen Mexikos, wo mit bunten Festen der Toten gedacht wird. Das Bild des Blumenschädels hatte das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz (Smac) für seine Sonderausstellung "Tod & Ritual" genutzt und damit für die Schau geworben. Nicht umsonst: Mit gut 19.400 Besuchen gilt sie als bisher erfolgreichste Sonderausstellung des Hauses. Das könnte, sagt Sprecherin Jutta Böhme, eben auch dem Marketing geschuldet gewesen sein: einprägsamer Titel, einprägsamer Schädel. Und ein Thema, mit dem jeder zu tun hat. So gut läuft es nicht immer. Vor fünf Jahren wurde das Smac eröffnet. Die jährliche Gesamtbesucherzahl lag zuletzt bei rund 60.000, sagt Jens Beutmann, stellvertretender Leiter des Museums. In den ersten zwölf Monaten hingegen kamen über 90.000 Besucher; Museumsdirektorin Sabine Wolfram sagte damals, diese Zahl habe die Erwartungen deutlich übertroffen.

Das Museum ist eine Einrichtung des sächsischen Landesamtes für Archäologie. Gezeigt werden vor allem in Sachsen gefundene archäologische Objekte. Vor der Eröffnung des Museums in Chemnitz wurden solche Stücke im Japanischen Palais in Dresden gezeigt. Im Schnitt 15.000 Besucher seien damals pro Sonderausstellung gekommen, so Beutmann; das Haus verfügte nicht über eine Dauerausstellung und war nur rund neun Monate im Jahr geöffnet.

Für das Smac gab der Freistaat Sachsen als Träger die jährliche Besucher-Zielmarke von 60.000 aus, die aber auf 55.000 korrigiert wurde. Rutsche man darunter, erhöhe sich der Erklärungsbedarf, so Beutmann. Ausgegebene Zielmarken beruhten generell auf Erfahrungswerten von Ausstellungen der Vergangenheit, heißt es beim zuständigen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden. Berücksichtigt werden müsse, dass zur Eröffnung eines Museums der Besucherandrang meist höher sei als später. Die Zielmarke von 55.000 Besuchern schätze man jetzt für das Smac als realistisch ein.

In den ersten zwölf Monaten von Mai 2014 bis 2015 waren insgesamt die über 90.000 Besucher gezählt worden, allein für das Jahr 2015 waren es rund 73.000. Danach sank die Zahl im Jahr 2016 auf rund 57.900, im Jahr 2017 auf rund 53.400 Besucher. Im vergangenen Jahr kamen wieder mehr Interessierte: 61.300. Derzeit testet das Museum, ob sich eine Sonderausstellung im Sommer lohnt: Kürzlich wurde die Schau "2 Millionen Jahre Migration" eröffnet, die das Smac vom Neanderthal-Museum in Mettmann übernommen hat. Generell sei Ziel, eine jährlich im Herbst startende, mehrere Monate dauernde und eigen konzipierte Sonderausstellung zu eröffnen. Bisher gab es fünf Sonderschauen: "Salz-Berg-Werk" mit rund 13.800, "Geld" mit 14.900 und "Vietnam" mit 18.900 Besuchen, besagte "Tod & Ritual"-Ausstellung sowie "Sachsen Böhmen 7000" - sie blieb mit 10.800 Besuchen hinter den Erwartungen zurück. Warum manche Schau weniger gut laufe, lasse sich schwer sagen und professionelle Erhebungen dazu seien teuer, so Beutmann. Gerade für die Sachsen-Böhmen-Ausstellung habe es im Vorfeld viel bekundetes Interesse gegeben. Eine Vermutung sei, dass das Marketing dazu im Gegensatz zu "Tod & Ritual" letztlich doch nicht zündete, so Sprecherin Böhme. Mitunter werde von Besuchern auch die generelle Kritik geäußert, dass es direkt am Museum keinen Parkplatz gibt - das stimmt zwar, aber es gibt Parkplätze drumherum. Und mitunter hieße es auch, dass immer noch etliche Sachsen nichts von der Existenz des Smac wüssten. Was aber offenbar nicht für die nähere Umgebung gilt: 75 Prozent der Besucher, so Direktorin Wolfram, kämen aus Chemnitz und einem Umkreis von etwa 30 Kilometern. Die nächste Sonderausstellung jedenfalls ist schon geplant: Sie wird sich mit der Archäologie am Toten Meer befassen und diesen Herbst öffnen. Sonderausstellungen sind wichtig für Museen, um immer wieder Besucher ins Haus zu holen. Denn die eigentliche Dauerausstellung verändert sich in aller Regel wenig - wer sie gesehen hat, hat nicht gleich Grund, sie ein zweites Mal anzuschauen.

Und wie sieht das Interesse an Archäologie anderswo aus? Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, eine Einrichtung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, gibt es jährlich durchschnittlich rund 100.000 Besucher, aber in der Dauerausstellung auch ein sehr bekanntes Objekt: die Himmelsscheibe von Nebra. "Sie fasziniert die Menschen, weil sie die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung ist und sie mit Gold und Bronze auch einen ästhetischen Wert besitzt", sagt Georg Schafferer von der Pressestelle des Museums. Seit mehreren Jahren wird die rund 4000 Jahre alte Scheibe ausgestellt, die Besucherzahl sei da nach oben gegangen. Das hänge aber auch mit der ebenso vor Jahren neu konzipierten Ausstellung des Hauses zusammen. Generell gelte für Museen wie das in Halle oder das Smac eine jährliche Gesamtbesucherzahl ab 50.000 als gut, so Schafferer. Aber auch in Halle setze man mit Sonderausstellungen immer wieder auf Neues, zudem werde die Dauerausstellung Jahr um Jahr erweitert.

Letzteres sei für das Smac derzeit keine Option, so Beutmann, weil es sich - im Gegensatz zu dem lange bestehenden Museum in Halle - hier um die Neueröffnung eines Museums handelte, das man nicht schrittweise präsentieren oder nach kurzer Zeit erweitern könne. Dennoch arbeite man an Ideen, Besucher ins Haus zu holen. So sollen bei der Sonderausstellung "Stadt" im Jahr 2020 die Sachsen aufgefordert werden, mitzuwirken und zu zeigen, wie sie ihre Städte erleben. Zudem bietet sich das Smac als Veranstaltungsort an, etwa für Vorträge, Lesungen und Clubnächte - derzeit, so Direktorin Wolfram, sei man bei über 100 Veranstaltungen im Jahr.

Archäologiemuseum Smac Chemnitz: Zum Jubiläum gibt es am Sonntag, 19. Mai, 10 bis 18 Uhr freien Eintritt und ein Jubiläumsprogramm.

www.smac.sachsen.de

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