Die Alben des Jahres - Platz 18

Tool: "Fear Inoculum"

Es ist ein Album in Spielfilmlänge. 86 Minuten und 38 Sekunden ist die digitale Fassung von "Fear Inoculum", dem neuesten Werk der amerikanischen Progressive-Metal-Band Tool, lang. Mal kurz reinhören, das lassen weder das Genre noch die Band selbst zu. Tool sind bekannt für ihre langen, komplexen Songs. Auf der neuen Platte ist das nicht anders. Gleich das erste Lied, das denselben Namen wie das Album selbst trägt, zeigt, dass die Band trotz langer Pause voll bei ihrer alten Stärke geblieben ist. Dabei war das alles andere als sicher. 13 Jahre lang hatten die Amerikaner kein Album mehr veröffentlicht, was die weltweit eingefleischte Fanschar fast in den Wahnsinn trieb: Bereits 2008 hatte Frontmann und Sänger Maynard James Keenan die Arbeit an einer neuen Platte angekündigt. Doch über die Jahre wurde die Produktion immer wieder ausgebremst. Gleich drei Mitglieder der Band wurden bei Verkehrsunfällen verletzt. Hinzu kamen Gerichtsverfahren und ein Frontmann, der mit anderen Projekten beschäftigt war. Lange Zeit war fraglich, ob Tool überhaupt noch ein Album auf den Markt bringen wird.

Zum Glück sind all diese Probleme der Platte nicht anzuhören. "Fear Inoculum" ist Tool durch und durch, voll mit kryptischen Texten, vielen Polyrhythmen und großartig pointierten Vocals von Keenan. Schwachpunkte der Platte, wenngleich nur in der digitalen Fassung, sind die kurzen Zwischenstücke, die die großen Kompositionen voneinander trennen. Diese ziehen das ohnehin lange Album unnötig in die Länge. Dem gegenüber steht mit "Descending" ein Highlight: In diesem Song spulen Tool alles ab, was sie zu bieten haben - ein 13-minütiger Trip durch die düstere Komplexität der Band. Mit der einzigen Singleauskopplung der Platte, dem titelgebenden Song "Fear Inoculum", schaffte Tool zudem einen Rekord: Es ist der längste Song, der es je in die US-Charts schaffte - damit löst die Band David Bowies "Blackstar" ab. Und das, obwohl das Rekord-Lied zu den kürzeren auf dem Album gehört. Tool ist eben nichts, um nur mal kurz reinzuhören.Lukas Fischer

Die Alben des Jahres sind von den Musikkritikern der "Freien Presse" ausgewählt.

freiepresse.de/alben2019

 

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