"Die Besetzung" im Schlosstheater Augustusburg: Im Zweikampf zwischen Logik und Fantasie

Das Schlosstheater Augustusburg macht in seiner neuesten Inszenierung die Bühne gleichermaßen zu deren Ort und Thema.

Augustusburg.

Hoch erhobenen Hauptes steht Julius Cäsar auf der Bühne. In einen Samtumhang gehüllt, mit Blütenkranz im Haar, deklamiert er voller Pathos, dass es dem Zuschauer kalt über den Rücken läuft. Ein alternder Schauspieler kämpft mit allen Mitteln der Kunst ums Überleben und scheint doch schon verloren zu haben.

"Die Besetzung" ist die neueste Inszenierung im Schlosstheater Augustusburg, die am Freitag Premiere vor ausverkauften Haus hatte. Ein eigentlich recht trockener Titel für ein brisantes Thema unserer Zeit, geschrieben vom Schweizer Drehbuchautor Charles Lewinsky, uraufgeführt 2016 bei Bern. Es geht um die Bretter, die die Welt bedeuten, und doch den allgegenwärtigen Sparmaßnahmen zum Opfer fallen sollen. Die Bühne ist quasi Ort und Thema des Stückes.

Die Stadt stecke in einer schwierigen Lage, auf Einzelschicksale könne keine Rücksicht genommen werden. Das versucht Paula Völlmer, Vertreterin einer Beratungsfirma, Schauspieler Joachim Albrecht klarzumachen. Als kleines Rad im Getriebe der Macht soll sie ihn von einer Kürzung des Etats überzeugen. Sie sieht das rational und logisch. Schließlich sei es nur eine Einsparung. Außerdem lasse sich nicht mit Zahlen diskutieren. Für Albrecht dagegen ist es der Todesstoß und das Ende des staatlich subventionierten Theaters. Denn von der Einsparung bis zur Schließung sei es nicht weit, versucht er der "Rechenmaschine auf zwei Beinen" zu erklären. Dem Vollblutschauspieler, der sein halbes Leben auf der Bühne gestanden hat. bliebe nichts, sollte das Theater wegrationalisiert werden. Der alte Mann nimmt den Zweikampf auf zwischen Logik und Fantasie.

Andreas Unglaub in der Rolle des Joachim Albrecht fasziniert das Publikum durch seine Wandlungsfähigkeit und überzeugende Spielweise. Mit skurrilen Methoden versucht er alles, um das Theater am Leben zu erhalten. Er singt, tanzt, steppt, rezitiert und schlüpft in ein lächerliches Maikäferkostüm. Selbst vor der Besetzung des Theaters mit Waffengewalt schreckt er nicht zurück. Hier erschließt sich dem Zuschauer die doppelte Bedeutung des Titels "Besetzung". Unglaub hat in dem Stück den ausdrucksstärkeren Part und lebt ihn mit allen Facetten. Vom eitlen Mimen über den berechnenden Geschäftsmann bis hin zum bemitleidenswerten Einzelkämpfer zeigt er überzeugend sein Repertoire. Die von Anna Silke Röder verkörperte Gegenspielerin beeindruckt er damit jedoch anfangs nicht. Modisch gestylt, gibt sie die kühle, "berechnende" Vertreterin der Macht. Ihre unnahbare Fassade beginnt erst zu bröckeln, als Albrecht selbst vor einer Sterbeszene nicht zurückschreckt. Von da an zeigt sie sich von einer verletzlichen, weichen Seite. Sie ist eine unglückliche Frau, gefangen in einem Korsett aus Regeln und Ansprüchen. Deshalb verblüfft es umso mehr, als sie verzweifelt mit ihren eigenen Mitteln kontert. Der Schluss ist überraschend und alles andere als absehbar.

Anna Silke Röder und Andreas Unglaub nehmen mit ihrem emotionalen Spiel das Publikum von Beginn an mit. Das Bühnenbild ist auf ein Minimum beschränkt, ebenso musikalische Untermalung und Lichteffekte. Dennoch können sich die Zuschauer hervorragend ins psychodramatische Duell der Akteure hineinversetzen. Dafür gab es nach der Premiere jede Menge Beifall.

Weitere Vorstellungen des Stücks "Die Besetzung" am 17., 23. und 24. März. Reservierungen per E-Mail oder bei der Tickethotline 03729169254.

www.schlosstheater-augustusburg.de

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