Die Erben des Rock 'n' Roll

Motörhead-Gitarrist Phil Campbell und seine Bastard Sons verwandeln die Alte Brauerei in eine Sauna und verneigen sich vor den Größen der Szene

Annaberg-Buchholz.

Natürlich haben sie alle Motörhead gesehen, "eine der größten Live-Bands überhaupt", sagt Bassist Tyla Campbell, einer der drei Söhne von Phil Campbell, der bei den Bastard Sons spielt. Und, nein, es sei überhaupt kein Problem, sozusagen "in Familie" in einer Band zu spielen, die auf eine Idee anlässlich eines Geburtstages von Todd Campbell, weiterer Sohn und Gitarrist, zurückgeht, bei dem der dritte Bruder, Dane, am Schlagzeug und Sänger Neil Starr Rolling-Stones-Songs zum Besten gaben.

Als Phil Campbell and The Bastard Sons wandeln sie aber eher auf den Spuren von Motörhead, deren Gitarrensound Phil drei Jahrzehnte lang prägte. Auch mit ihren eigenen Songs, jüngst auf der Platte "The Age Of Absurdity" veröffentlicht, die einen großen Teil des ausverkauften Konzerts am Freitagabend in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz ausmachten, orientieren sich die fünf an der teilweise düsteren Weltsicht des charismatischen Lemmy Kilmister. "Man sieht so viele irre Dinge Alltäglichkeit werden. Was mich dabei am meisten erschreckt ist, dass es einen immer mehr kalt lässt, weil man eigentlich nur noch negative Erwartungen hat", sagte Neil Starr dem Magazin Metal Hammer. Und davon handeln ihre Songs: "Freak Show", "Dark Days", "Welcome To Hell".

Hervorragend eingestimmt von der Olbernhauer Rockabilly- und Dunkel-Country-Band Shotgun Jones, verwandelt sich die brechend volle Alte Brauerei schnell in eine Sauna. Von Null auf Hundert in fünf Sekunden drehen Phil Campbell und die Bastard Sons auf. Es ist das nachgeholte Konzert für einen im November aus Krankheitsgründen ausgefallenen Gig. Sie haben den Rock 'n' Roll nicht neu erfunden, spielen etwas metal-angehauchten, spacigen Hard-Rock, wie er schon seit fast 50 Jahren zu hören ist, leicht modern eingefärbt und etwas dynamischer und differenzierter als das unausgesprochen mit auf der Bühne stehende Vorbild Motörhead. Led Zeppelin, Deep Purple, Ufo, die Ramones sind ihnen näher als moderner Elektronik- und Crossover-Rock, ihre Songs verweisen mitunter auch auf diese Bands.

Phil Campbells Fünferbande zu hören ist wie Zeitung statt E-Paper lesen, Fernsehen statt Youtube anklicken, Platten hören statt eine MP3 abspielen. Dazu gehört auch, dass sie in der Provinz spielen, obwohl sie schon Gäste großer Festivals waren.

Phil Campbell selbst stellt sich dabei uneingeschränkt in den Dienst der Band, wie er es schon bei Motörhead getan hatte. Keine Starallüren; stattdessen reicht er lächelnd den Kindern in der ersten Reihe sein Plektrum; nur für seine Soli steht er leicht erhöht auf einem Holzpodest. Und natürlich weiß er, wem er ein Stück seiner Popularität zu verdanken hat. "Silver Machine" von Hawkwind kündigt er an als Song für alle Mitglieder von Motörhead, "die uns traurigerweise schon verlassen haben": Lemmy Kilmister, Phil Taylor, Eddie Clarke, Michael Burston.

Und es hat etwas Rührendes, wenn die Band danach mit "Ace Of Spades" einen der größten Motörhead-Hits spielt, in dem es heißt: "Du weißt, ich bin geboren, um zu verlieren, und spielen ist für Narren. Aber so mag ich das nun mal, Baby. Ich will nicht für immer leben." Es gab viel Applaus und etliche Zugaben.

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