Die Erfindung von Laut und Leise

Mit dem Namen Gottfried Silbermann wird im Allgemeinen vor allem Orgelbau assoziiert. In der Silbermannstadt Freiberg weiß man es besser. Und in Dresden sowieso.

Freiberg/Dresden.

Es war eine bahnbrechende Entwicklung, die man in der jüngsten Vergangenheit vielleicht mit dem Einzug der Halbleitertechnologie in den Computerbau vergleichen könnte: Als Anfang des 18. Jahrhunderts die ersten besaiteten Tasteninstrumente entstanden, die nicht wie das Cembalo oder das Clavichord mit einem Zupfmechanismus zum Klingen gebracht wurden, sondern mit einer Hammermechanik den Saiten Töne entlockten, war das wie die Entdeckung der dritten Dimension in Malerei und Grafik: Nicht nur zwischen hoch oder tief, schnell oder langsam, sondern auch zwischen laut oder leise konnte der Interpret nun wählen - und nicht zuletzt auch der Komponist: "Gottfried Silbermann hat zur Weiterentwicklung dieser Technik maßgeblich beigetragen", sagt der Dresdner Musikwissenschaftler und Instrumentenkundler Frank Harald Greß. Am Samstag ist die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Freiberg mit ihrer seit mehreren Jahren bestehenden Konzertreihe "Clavier-Forum" in Dresden mit Jan Katzschke am Cembalo Gast des dortigen Formats "Tastenwelten". Es erklingt Musik vom Dresdner Hof. Greß leuchtet dort in einem Vortrag Hintergründe der Beziehungen Silbermanns zum Dresdner Hof und zu seinem Klavierbau aus. Der Begriff umfasste damals den Bau aller mit Tasten gespielten Saiteninstrumente. Und der, so Greß, war für Silbermann kein Nebengeschäft: "Vom Arbeitsvolumen und Ertrag hielten sich bei ihm Klavier- und Orgelbau die Waage", so der 83-Jährige. Eine Zeit galt Silbermann gar als Erfinder des Pianoforte, entwickelte aber lediglich die vom Italiener Bartolomeo Cristofori (1655 - 1731) erfundene Technik weiter, ebenso wie ein mit Hammermechanik gespieltes Hackbrett namens Pantaleon, für das er von einem Dresdner Virtuosen gleichen Namens die Lizenz erhielt, das aber ein lokales Phänomen blieb. So wie nur sehr wenige Originalklaviere und -cembali aus Silbermanns Werkstatt erhalten sind. Auch wenn, so Greß, Silbermann als Kunsthandwerker auf "solide, einfache und stabile Bauweise" bedacht war. Erhaltene Originale seien selten spielbar, taugen aber als Vorlagen für funktionsfähige Kopien. Für die Restaurierung eines Originals, das das Museum für Kunsthandwerk auf Schloss Pillnitz verwahrt, werden zurzeit Spenden gesammelt.

Das Konzert findet Samstag, 19.30 Uhr in der Hauskapelle des Taschenbergpalais Dresden statt. Die Silbermann-Gesellschaft organisiert eine gemeinsame Anreise ab Freiberg.

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