Die Schminke und der Rassismus: "Blackfacing" ist der Anglizismus des Jahres

Vor drei Wochen waren Sternsinger unterwegs - einige mit dunkler Schminke im Gesicht. Die wird in den Niederlanden auch für den Zwarten Piet bemüht, einen Nikolaus-Helfer. Oder von Schauspielern und Opernsängern, etwa als Othello auf der Bühne. "Blackfacing" nennt man das. Experten um den Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch haben dieses Wort gestern zum Anglizismus des Jahres erklärt.

Das ist kein neuerlicher Aufschrei über die Flut englischer Vokabeln. Vielmehr will die Initiative dieser Angst etwas Positives entgegensetzen. Am Wort "Blackfacing" überzeugte die Jury, dass es in Deutschland schon lange "geblackfacete" Weiße gebe, aber erst das Englische dem Deutschen ein Wort gegeben habe, diese Tradition zu benennen. Stefanowitsch dazu: "Das Blackfacing gilt als rassistisch, weil es die Identität und die Erfahrungen schwarzer Menschen als Kostüm behandelt, das weiße Menschen beliebig an- und ausziehen können. Mit dem Blackfacing maßen sich weiße Menschen an, für schwarze Menschen sprechen und handeln zu können, und nehmen ihnen damit den Raum, dies selbst zu tun." Deshalb wurde 2014 auch heftig debattiert, als sich deutsche Fans beim Fußball-WM-Spiel gegen Ghana schwarz schminkten und 2013 sich Dutzende bei einer "Wetten, dass ...?"-Saalwette wie die dunkelhäutige Kinderbuchfigur Jim Knopf zurechtgemacht hatten.

2013 war die Skandal-Nachsilbe "-gate" zum Anglizismus des Jahres gekürt worden.

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