Die Seele per Explosion beim Hörer abgeladen

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Das vierte Soloalbum der Musikerin Mine ist ein fast genialer Meilenstein

Berlin.

Mine, diese so vielseitige und charismatische Musikerin, würde man zu gern in einem alten, großen Theater, sagen wir dem Berliner Ensemble, Lieder von der Knef oder Brecht singt hören - mit voller Orchestrierung. Die gebürtige Remshaldenerin aus der Nähe von Stuttgart wirkt wie aus der Zeit gefallen und klingt doch zeitgemäßer als die meiste aktuelle deutsche Popmusik: Jasmin Stocker, so ihr bürgerlicher Name, hat nicht nur Jazzgesang studiert, sondern auch Produzieren und Komponieren an der Pop-Akademie Baden-Württemberg. Aber selbst das sind nur kleine Faktoren auf dem ihrem neuen Album "Hinüber": Die Platte verschmilzt mit großer Geste 80er-Tanzgrooves mit Epochalstreichern und lässt das Ergebnis mit neuestem Hip-Hop zusammenprallen. Darüber fliegt Mines Stimme, bei der ein Vergleich mit Lady Gaga nur so lange auf der Hand zu liegen scheint, bis die feine Zerbrechlichkeit in ihren Texten wieder an Edith Piaf erinnert.

Mit vielen Künstlern hat Mine bisher zusammengearbeitet, etwa Rapper Fatoni, Dissy oder der Band Grossstadtgeflüster. Das neue Album startet mit einer Kollaboration mit Sophie Hunger, und sofort wird klar: "Hinüber" ist reifer und majestätischer als der Vorgänger "Klebstoff". Etliche Songs sind musikalische Bomben, die im Kopf des Hörers platzen und Mines Seelenwelt auf der eigenen abladen. Da schaden auch Populär-Ausfüge mit Durchschnitts-Rappern wie Dexter oder Crack Ignaz nicht. "Hinüber" könnte zu einem der wichtigsten Meilensteine der deutschen Poplandschaft werden: Die Platte ist futuristisch, bodenständig, emotional sehr zugänglich und musikalisch dabei so abwechslungsreich wie homogen.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.