Die Wohnmaschinen

Die knappe Antwort auf die Frage, woran man ein Bauhaus-Haus erkennt, ist vielleicht enttäuschend: gar nicht! Die ausführliche Version da-gegen ist aber sehr spannend - gerade in Sachsen.

Streng genommen kann man ein Gebäude nur dann als "Bauhaus" bezeichnen, wenn es von einem Absolventen der gleichnamigen Schule entworfen wurde - und soetwas gibt es in Sachsen nur sehr selten. Aber: Bauhaus, das ist kein eigener Stil, sondern vor allem die Idee eines freien kreativen Ansatzes bei maximaler Berücksichtigung der Funktionalität. Die Schule von Walter Gropius bündelte vor allem die schon vorhandenen Ansätze ihrer Zeit - insbesondere die des sogenannten "Neuen Bauens". Diese Bewegung der Moderne entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung: In den explosionsartig wachsenden Städten musste plötzlich riesiger Bedarf an günstigem Wohnraum geschaffen werden. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, wie der Mensch, der neue Mensch in diesem Maschinenzeitalter leben und sich entfalten konnte. Viele Architekten und Künstler beschäftigten sich daher mit technischen wie ästhetischen und philosophischen Konzepten, um all das unter einen Hut zu bekommen. Das Schlagwort von der "Wohnmaschine" machte die Runde: Schnell gebaut, effizient und dank einer grundlegend neu gedachten, "industriekompatiblen" Ästhetik auch auf revolutionäre Weise schön. Das Bauhaus war dabei aber ein wirkmächtiger Hexenkessel, hatte das Prinzip aber nicht erfunden und steht auch nicht für eine hermetische Lösung: Auch andere Architekten bauten unabhängig von der Schule "neu". Entsprechende Bauwerke sind in der Region häufiger zu finden - und anhand ihrer klaren, oft strengen Formen und der kühlen Eleganz ganz gut zu erkennen.

Die vielleicht markantesten Bauhaus-Gene stecken allerdings in den Plattenbauten der DDR: Die industrielle Errichtung von Häusern aus vorgefertigten Teilen war eine Lieblingsidee von Walter Gropius, die jedoch zu Zeiten des real existierenden Bauhauses nie vollständig verwirklicht werden konnte. Doch der Architekt Carl Fieger, einer von Gropius' engsten Mitarbeitern, brachte das Konzept nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR, wo er 1953 in Berlin-Johannisthal den ersten Plattenbau errichtete. Ein Konzept, das in den vom Krieg stark zerstörten Städten samt ihrer einhergehenden Wohnungsnot anfangs bestens funktionierte: Die Plattenbau-Wohnungen, funktional mit Bädern, Küche und Fernheizung ausgestattet, waren praktischer und komfortabler als die allermeiste Altbausubstanz - und daher erst einmal sehr begehrt.

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