Diskussionsrunde zum Maler Axel Krause: Nicht zu fassen

Museumsmacher haben zusammen mit Sachsens Kunstministerin bei einer Diskussionsrunde versucht, den AfD-nahen Maler Axel Krause im Nachgang zum Ausstellungsskandal um ihn zu stellen. Das ging fast genauso schief wie die meisten Fernseh-Talkshows.

Leipzig.

Axel Krause versteht es, erregte Zuspitzungen mit abwägenden Gedanken zu brechen. Künstler und Kunstwerk getrennt betrachten? Muss man, sagen die einen. Geht gar nicht, die anderen - jeweils mit Verve. Krause macht eine kleine Kunstpause, spricht ruhig und leise: "Warum sollte man?" Um dann auszuführen, dass man doch je nach Sachlage debattieren müsse und ja auch könne, inwiefern der Zusammenhang zwischen Mensch und Werk überhaupt eine Rolle spielt.

Differenzierung? Gute Idee, da kann auch Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) nicht wiedersprechen. Sie sitzt neben dem Maler Krause auf dem Podium im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig, und es soll um "Freiheit, Grenzen und Tabus der Kunst" gehen. Eingeladen hat Hausherr Jürgen Reiche, mit dabei sind außerdem der Maler Rüdiger Giebler, Kunsthistoriker Christoph Tannert vom Kreuzberger Kunstraum Bethanien und Jörg-Uwe Neumann, Chef der Kunsthalle Rostock.

Das Thema ist heiß: Krause war im Mai von der 26. Leipziger Jahresausstellung ausgeladen worden - offenkundig, weil andere Künstler wegen AfD-naher Äußerungen des Malers Druck auf den veranstaltenden Verein ausgeübt hatten. Zuvor hatte eine unabhängige Jury Krause-Werke für die Schau ausgewählt. Der Vorgang hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - und eine Debatte über Kunstfreiheit ausgelöst.

Ist diese in Deutschland eingeschränkt? Auch in dieser Frage erleben die Zuhörer im bestens gefüllten Saal einen besonnenen Maler: "Die Kunstfreiheit in Deutschland ist nicht gefährdet, aber sie ist eingeschränkt. Und das ist ganz normal", fasst er zusammen. Zuvor waren die bekannten Parameter abgeklopft worden: Die Freiheit der Kunst wird prinzipiell immer angegriffen - und muss entsprechend immer verteidigt werden, so Tannert. In Deutschland kann jede Kunst frei gemacht werden, findet Neumann - es sei nur eine andere Sache, ob, wie und wo sie gezeigt werde: Einfluss auf die Kunst nehme vor allem der Markt, der bestimme am Ende auch die Relevanz - und beeinflusse damit auch Fördermittelvergabe. Mit dieser wolle man den Markteinfluss ja gerade ein Stück weit aushebeln, um Freiräume für Kunst zu schaffen, so Stange. Und zwar ohne inhaltliche Einmischung: Kunstfreiheit sei ja erst eingeschränkt, wenn die Politik dort eingriffe, was hierzulande aber nicht der Fall sei. Alle anderen Beschränkungen - etwa die Auswahl bei Ausstellungen, sei Teil der gesellschaftlichen Debatte um Kunst.

Die Ausladung Krauses, da war sich die Runde nebenbei schnell einig, sei ein Fehler gewesen. Zeigen, aushalten, debattieren - am besten, wie eben, miteinander statt übereinander. Immerhin sei es doch gerade die Aufgabe von Kunst, Grenzen auszuloten und Tabus zu brechen. Es gebe heute immer mehr moralische Extrempositionen, deren Einhaltung dann kompromisslos gefordert werde, so Tannert: Kunst werde da gefordert als wichtiger Baustein der Gesellschaft.

Doch dann zeigte sich, dass Axel Krause es auch versteht, scheinbar aus dem Nichts Zuspitzungen zu feilen - indem er Gegenpositionen eintrug, wie man sie auf rechtskonservativer Seite immer wieder hört. Das Motto "Weltoffenes Sachsen" bezeichnete er wie aus dem Nichts als "Quatsch", ohne damit Weltoffenheit generell kritisieren zu wollen, natürlich. Aber: "Wenn man abends nach Hause kommt, ist man ja auch froh, Türen auch mal zumachen zu können." Da regte sich die Runde, man warf sich Sprachbilder zum Nutzen und Nachteil offener Fenster zu, durch die frischer Wind wie auch Kälte in Räume gelange. Macht man da besser die Schotten dicht oder den Kamin an? "Weltoffen" sei ein politisch einseitig besetzter Begriff, den darüber hinaus jeder ja anders verstehe, fand Krause: Man müsse neu verhandeln, was damit gemeint sei. Noch so eine gute Idee: Begrifflichkeiten erst einmal klären. Müsste man mal - die Runde bog jedoch ab und biss sich fest in einen umstrittenen Facebook-Eintrag Krauses, der offiziell als Begründung dafür hergehalten hatte, ihn letztlich von der Jahresausstellung final auszuladen: Darin hatte der Maler die Vorgänge kommentiert und sich mit Verweis auf seine dezidiert unpolitischen, eher zart-romantischen Bilder als "entarteten Künstler" bezeichnet. Ein ironischer, vor allem witziger Text, befand er, der gegen keinerlei Gesetz verstoße: "Niemand muss das mögen, aber ich habe auch nichts Verbotenes getan." Worte, mit denen er es direkt schaffte, die Runde in eine Art Tribunal umzuwandeln. Das sei nicht witzig, befand Stange, sondern sprachlich problematisch. Einhellige Meinung der anderen Diskutanten: So etwas kann man nicht sagen. Krause: Doch, weil es nicht verboten ist. Und schon hatte wieder jeder auf seine Weise recht: Krause formaljuristisch, die Gegenseite moralisch.

Nun kann man darüber spekulieren, inwiefern sich der Maler da einfach nur dumm stellte: "Entartete Kunst" ist nun mal ein klarer historischer Begriff, der für die Verfemung unliebsamer Kunst durch die Nazis steht - doch war nicht kurz zuvor in der Runde gefordert worden, dass Künstler mitunter auch schmerzhaft provokant sein müssten? Das Problem der Runde war wohl eher der ständige Ebenenwechsel - mal ging es um Moral, mal um Gesetz, und meistens sprach man in Metaphern, die im Zweifel dann doch an den entscheidenden Stellen hinken. Es war wie im Fernsehen: Themen wurden angerissen, aber nicht durchgesprochen, der Vielklang von Äußerungen und Blickwinkeln schien als eigentlicher Übungszweck wichtiger als das gründliche Abklopfen von Argumenten. Eine Falle, in die ja auch die allermeisten Fernseh-Talkshows immer wieder tappen: Als Unterhaltungsformate produzieren sie Spannungen, aber keine echte Konfrontation. Da hilft dann auch ein insgesamt seidiger Tonfall nicht wirklich weiter. Hilfreich wäre da eine Moderation, die den Namen auch verdient: Im Sinn einer ergebnisorientierten Gesprächsführung. Denn an Redegelegenheiten mangelt es nicht - wohl aber an Verständigung.

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