Dixieland-Klarinettistin: "Manchmal peppen wir alte Titel auf"

Antonia Langenhahn von den Rivertown Dixies aus Flöha hat mit 15 Spaß am Improvisieren beim Dixieland in Dresden - und kann sich ein Nachwuchsfestival gut vorstellen

Dresden.

Es ist wieder Jazz-Zeit in Dresden. Beim 49. Internationalen Dixielandfestival stellen sich 230 Musiker aus 11 Nationen vor. Eine gute Tradition ist das Konzert "Lebenskünstler" für Menschen mit Handicap. Dort hat Gabriele Fleischer die Rivertown Dixies aus Flöha getroffen. Nach ihrem Auftritt erzählt die Jüngste, die 15-jährige Klarinettistin Antonia Langenhahn, warum sie Dixie liebt.

Freie Presse: Obwohl Ihr zweiter Einsatz an diesem Abend buchstäblich ins Wasser fiel, konnte der Dauerregen die Laune nicht verderben. Woran liegt es?

Antonia Langenhahn: Weil Dixieland einfach gute Laune macht. Dass die Band Sunshine Brass aus Thüringen spontan mit uns im Wohnheimsaal noch zwei Titel gespielt hat, war spitze. Da war es egal, dass wir ein ganzes Stück jünger sind als die Musiker. Und wenn mal ein Einsatz nicht hundert Prozent klappt, überspielen es die anderen. Nebenbei schauen wir uns auch noch etwas von der Bühnenerfahrung der Älteren ab. Irgendwann lässt dann die Nervosität nach.

Ist es dabei das Improvisieren, das Ihnen Spaß macht?

Ja, das ist es auch, was mich an der Musik begeistert. Bei klassischen Orchestern ist das kaum möglich. Aber dafür muss ich viel üben. Da reichen 90 Minuten wöchentliche Probenzeit mit der Band nicht. Da heißt es zu Hause Akkordfolgen pauken.

Techno, Pop, Rock - junge Leute haben Vorlieben. Wie kamen Sie ausgerechnet zum Dixieland?

Auf den Dixieland-Geschmack bin ich durch die Musikschule gekommen. Als ich dort in der dritten Klasse begann, Unterricht im Klarinettenspiel zu nehmen, gab es die Band schon. Ich war begeistert von ihrer Spielweise. Vor drei Jahren durfte ich das erste Mal mitswingen. Eine tolle Erfahrung. Die Musik ist abwechslungsreich und animiert zum Mitsingen und Mittanzen. Aber klar höre ich auch andere Musik.

Was genau spielt die Band?

Wir spielen eher Titel im Stomp-Stil mit viel Rhythmus. Das passt am besten auf unsere Besetzung mit Trompete, Waschbrett, Saxophon, Piano, Schlagzeug, Posaune, Banjo, Tuba, Klarinette und Gesang.

Wer wählt die Musik aus?

Unsere Bandchefin Kristin Leheis kramt dafür in alten CD- oder Plattenbeständen. Manchmal peppen wir die Titel auf, damit die Musik uns und dem Publikum Laune macht. So sind alle von Daniels Dschungelgeräuschen begeistert, die er bei "I wanna be like you" aus dem Disney-Klassiker anstimmt.

Gibt es eigene Titel?

Nein, bis jetzt nicht. Aber es finden sich ja genügend. Meist erarbeiten wir fünf bis sechs Titel pro Jahr. Dazu kommt ein Mix aus unseren Lieblingstiteln der letzten Jahre und den Titeln, die beim Publikum gut ankommen. In Dresden haben wir einen Teil unseres diesjährigen Programms erstmals öffentlich vorgestellt, so auch "I want a girl" oder "I lost my girl from Memphis".

Beim Dixieland-Festival in Dresden dabei zu sein, ist für Musiker, die sich dem Oldtimejazz verschrieben haben, etwas Besonderes. Für Sie auch?

Klar. Ich bin zum dritten Mal dabei, die Band das neunte Mal. Die Atmosphäre ist einmalig. Deshalb bin ich etwas traurig, dass wir diesmal nur diesen einen Auftritt hatten. Die Jazzmeile und der Umzug sind schon immer etwas Besonderes.

Viele verbinden Oldtimejazz mit alten Herren. Die Rivertowns widerlegen das. Fühlen Sie sich als Außenseiter?

Es stimmt, dass in vielen Bands ältere Musiker spielen. Aber gerade deshalb finde ich es cool, zu zeigen, dass auch junge Menschen mit Dixieland etwas anfangen können. Dass es funktioniert, hat ja die Session mit Sunshine Brass gezeigt. Als Außenseiter fühle ich mich nicht.

Wie lassen sich noch mehr junge Leute für Dixieland begeistern?

Das ist schwierig, weil es eben keine "Mainstream-Musik" ist, die im Radio gespielt wird. Viele wissen gar nicht, was Dixieland ist. Vielleicht sollten Jugendliche meines Alters einfach mal vorbeischauen.

Zum Beispiel auch bei einem Nachwuchs-Dixieland-Festival?

Eine gute Idee. Wir könnten miteinander musizieren, uns austauschen - und junge Leute anlocken.

Höhepunkte des Festivals:  Jazzmeile in der Altstadt am Samstag, 10 bis 22 Uhr; Premiere der Jazz-Show in der Ballsportarena am Samstag, 19.30 Uhr; Abschlussparade ab Carolabrücke am Sonntag, 16 Uhr.

www.dixielandfestival-dresden.com

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