Ein Esel und sein dicker Klumpen

Puppentheater Zwickau zeigt "Hans im Glück" nach Peter Ensikat

Zwickau.

Was braucht man zum Glücklichsein? Diese Frage steht im Zentrum der Märchenadaption "Hans im Glück" von Peter Ensikat, mit der das Zwickauer Puppentheater im Innenhof der Alten Posthalterei seine Freiluft-Saison bestreitet. Und man liegt damit richtig, wie nicht nur die begeistert aufgenommene Premiere am Sonntag zeigte: Die Aufführungen sind bereits großteils ausverkauft.

Die Regie übernahm die Puppentheaterdirektorin Monika Gerboc selbst. Mit der Ausstattung beauftragte sie Liudmila Skitovich, die bereits für die Bühne und die fantastischen Puppen bei "Hänsel und Gretel" verantwortlich zeichnete. Für die Freiluftinszenierung kreierte sie eine kleine, spartanisch eingerichtete Bühne, die den Raum für all die fantasievollen Puppen und Gegenstände gibt, mit denen die Puppenspieler Konrad Bruno Till als Hans I und Detlef Plath als Hans II meisterlich agieren. "Die Texte von Peter Ensikat sind richtig genial. Ich musste streichen, damit wir das Stück für Kinder ab fünf Jahren spielen können. Doch sonst sind wir sehr nah an der Vorlage. Nächstes Jahr bringen wir die Erwachsenen-Fassung", so die Regisseurin, die zu Beginn ihrer Inszenierung ganz ohne Worte auskommt und die Jahre des bekannten Märchens, in denen Hans I sein Gold in der Fremde verdiente, als pantomimisch-heiteren Durchlauf passieren lässt. Der Goldklumpen wird für ihn schnell zur Last - so kommt ihm Hans II gerade recht dahergeritten. Als er ihm den Goldklumpen für das Pferd bietet, kommt prompt die Frage: "Was ist faul an dem Gold?" Hans' Antwort darauf: "Ich bin's, der faul ist, zu faul, mich mit so einem Klotz am Bein nach Hause zu schleppen."

Hans II, zuerst misstrauisch, schlussfolgert daraus, mit einem Esel zutun zu haben. Doch als er plötzlich hört, wie Hans I das Pferd zum Reden bringt, fühlt er sich betrogen: "Hab ich ihm am Ende ein Zauberpferdchen verkauft für einen einfachen Goldbatzen, und ich bin der Esel?" Ab da lässt er nichts unversucht, um Hans I das Glücklichsein-Gefühl abspenstig zu machen. Obwohl er ihn für das Pferd zuerst die Kuh, dann das Schwein und die Gans und am Ende einen kaputten Schleifstein aufschwatzt, sagt Hans I zu ihm: "Ich erkenne in dir das Glück, das mich verfolgt." Denn sobald er einer Sache überdrüssig wird, befreie ihn Hans II als sein Ebenbild von ihr. Der kann's nicht fassen: "Er geht als Gewinner hervor, obwohl er alles verloren hat." Ensikat machte aus dem Schwank ein bemerkenswertes Märchen - in dem es kaum Märchenhaftes gibt.

Weitere Vorstellungen "Hans im Glück" ist bis 11. Juli fast täglich im Innenhof der Alten Posthalterei Zwickau zu sehen. Karten gibt es nur noch für die Vorstellungen am 30. Juni und 7. Juli, Telefon: 0375 27130.

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