Ein Hoch auf den Knaster!

E-Zigaretten vernebeln Konzerte und verpesten mit künstlichen Aromen die Luft. Dann lieber selbstdrehen: Ansichten eines Tabakrauchers.

Chemnitz/Leipzig.

Sie sind buchstäblich in vieler Munde. Elektro-Zigaretten gelten als der neue Schick: Rund zwei Millionen Deutsche rauchen schon auf Knopfdruck. Weil das Rauchverbot für sie nicht zu gelten scheint, trifft man überall auf sie. Die batteriegetriebnen Geräte verdampfen die Flüssigkeit (neudeutsch: Liquid) nur, statt Tabak zu verbrennen, weshalb sie als weniger schädlich im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten gelten. Manche Apologeten verteidigen sie sogar als gesund. Ein Schmarrn, der sich hält, weil es überhaupt noch keine Langzeitstudien über die Auswirkungen vom E-Dampf auf den menschlichen Körper gibt. Solange verpesten E-Ziggis optisch die Luft. Die wabernden Nebelschwaden lösen instinktiv den Impuls aus, die Feuerwehr zu rufen. Im Restaurant machen sie das Menü auch nicht appetitlicher, und auf Konzerten nimmt der dichte Dunst allen anderen Besuchern die Sicht. Besonders übel ist hier die Smartphone-E-Ziggi-Kombination. Mit der einen Hand überkopf filmen, die andere hält den Verdampfer auf Augenhöhe.

Zudem geben sich die Verdampfer als die besseren Raucher. Überall lassen sie ihren Dampf ab und zucken bei Beschwerde mit den Schultern: Es sei doch nur Wasser. Aber am schlimmsten: E-Zigaretten stinken nach allem möglichen aromatisiertem Quatsch. Weil man sich die Flüssigkeiten selbst mischen kann, ist wirklich alles Unverträgliche dabei: Lebkuchen-Salbei und Mojito, Kokosnuss-Vanille und Latte Macchiato, Haselnuss-Himbeere und Cola-Mango-Crumble. Es riecht wie auf dem Rummel. Wer sich so einen Murks mixt, hat keinen Geschmack.

Ebenso angesagt wie die E-Zigaretten sind Wasserpfeifen. Diese auch Shisha genannten karaffenartigen Geräte sind immerhin nicht so asozial wie die elektronischen Atmosphäreverpester. Man setzt sich als Gruppe im Kreis drumherum. Allerdings riechen sie auch nicht gerade appetitlich. Wie die Läden für E-Zigaretten schießen die Orte fürs Schlauchrauchen wie Boviste aus dem Boden. Dabei sind diese Geräte gar nicht so ungefährlich, wie die gemütlichen gepolsterten Sitzgruppen suggerieren. Immerhin arbeiten sie auf Verbrennungsbasis, werden die Aromastoffe durch Kohlenglut in die Luft abgegeben. Dabei entsteht giftiges Kohlenmonoxid. Es haben sich tatsächlich schon Leute mit der eigenen Shisha die Luft abgedreht. In ungelüfteten Räumen Wasserpfeife zu konsumieren ist also fast so dämlich, wie im Wohnzimmer zu grillen. Und keine Einzelfälle sind auch explodierende E-Zigaretten. Schon mehrfach haben Kurzschlüsse im Akku zu schweren Verbrennungen geführt. In Florida starb dieses Jahr sogar ein Mann beim Rauchen. Die Zigarette explodierte und schleuderte Schrapnelle in den Kopf des Mannes. Anschließend brannte das Zimmer aus.

Dann lieber ehrliches Tabakrauchen. Da weiß man um das Gesundheitsrisiko. Und man schmeckt noch etwas - ja, allen Gerüchten über Sucht und Übelkeit zum Trotz gibt es Raucher, denen Tabakrauch tatsächlich mundet. Außerdem hat das Angebot an unparfümiertem Knaster in den letzten Jahren zugenommen; als Selbstdreher kann man sogar noch die Stärke dosieren.

Eine Bitte noch, liebe Mitraucher: Werfen Sie ihre Kippen nicht achtlos weg. Die Filter sind mindestens so schädlich für die Weltmeere wie Mikroplastik. Umweltschützer fanden in 30 Prozent toter Schildkröten und 70 Prozent verendeter Seevögel Reste von Zigarettenstummeln. Also bitte die Kippe immer schön entsorgen. Die E-Ziggi gehört übrigens nicht in den Restmüll, sondern in den Elektroschrott.

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