Ein junger Dirigent empfiehlt sich

Kapellmeister Felix Bender nimmt nach fünf Jahren Abschied von Chemnitz

Chemnitz.

"Felix Bender hat das Chemnitzer Musikleben bereichert wie kein anderer." - Ja. das musste mal gesagt werden. Erst recht zum endgültigen Abschied, den der 1. Kapellmeister und zeitweise kommissarische Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz nach fünf Jahren am Pult mit den beiden Sinfoniekonzerten der Robert-Schumann-Philharmonie am Mittwoch und Donnerstag in der Stadthalle gegeben hat. Orchesterdirektor Raimund Kunze würdigte gemeinsam mit Intendant Christoph Dittrich den 32-Jährigen, der als ständiger Gastdirigent an die Oper Leipzig wechselt, mit dieser so absoluten wie korrekten und vom Publikum vehement beklatschten Feststellung am Ende zweier Stunden voller Musik, die einmal mehr den Beweis für das Gesagte geliefert hatten. Als hätte es dessen überhaupt noch bedurft.

Mit Johannes Brahms hatte das Konzert begonnen, seiner "Tragischen Ouvertüre", die Orchester und Dirigent indes so zupackend und beherzt angingen, dass wirkliche Tragik nicht recht aufkommen mochte. Ernst, melancholisch ist sie, zweifellos, erst recht im Vergleich mit ihrer Schwester, der Akademischen Festouvertüre. Ein Blick ins Programmheft zeigt: Ursprünglich wollte Brahms sie als "Dramatische" titulieren. So fassten die Musiker das Werk auch auf und gaben diesem speziellen Konzert das adäquate Gepräge.

Symbolisch für die Vielfalt und Frische, die Bender nach Chemnitz gebracht hat, durften Sergej Rachmaninows Variationen über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester stehen, die mit der russischen Solistin Jevgenija Rubinova danach zu Gehör kam. Ein hochvirtuoses Werk mit zahlreichen Stimmungs- und Klangfarbwechseln, auf das sich die Mitwirkenden immer wieder neu einstellen müssen. Das Werk ist strukturell kleinteiliger als ein normales Klavierkonzert und zwischen Orchester- und Solopart so eng verzahnt, dass es vom Timing her keine Halbheiten zulässt. Da gaben sich die Akteure keine Blöße, konnten es aber nicht verhindern, dass das Orchester am Mittwoch anfangs stellenweise zu laut und vom Part der Pianistin nicht überall im Saal zu trennen war. Jevgenija Rubinova gab die Visitenkarte einer für den Exilrussen hochkompetenten Pianistin ab - nicht zuletzt mit ihrer Zugabe: "Liebesleid" von Fritz Kreisler in Rachmaninows virtuos aufgeladener Klavier-Bearbeitung.

Russisch endete das Konzert auch - mit Tschaikowskis 5. Sinfonie, einem Werk, das in seiner Entwicklung von tiefer Melancholie zu trotzigem Optimismus der 5. von Beethoven nicht unähnlich ist und allen Instrumentalgruppen nebst vielen Solisten des Orchesters (traumhaft: Benedikt Eulers Hornsolo im zweiten Satz!) reichlich Gelegenheit bietet, sich von ihrer besten Seite zu zeigen - ebenso wie dem stets gewohnt sachdienlich, ohne Faxen dirigierenden Felix Bender. Denn dass der in Chemnitz zum Publikumsliebling avancieren konnte, lag auch an dem Orchester, das er vorgefunden hat.

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