Ein Liederabend, bei dem nicht nur der Gesang berührt

Thomas Quasthoff ist einer der hochkarätigen Gäste beim diesjährigen Musikfest Erzgebirge. Am Sonntagabend war er im Eduard-von-Winterstein-Theater zu erleben.

Annaberg-Buchholz.

Bekannt geworden ist er vor allem als klassischer Opernsänger. Fast vier Jahrzehnte lang hat Thomas Quasthoff auf internationalen Bühnen Maßstäbe gesetzt. Und mit seiner Stimme fasziniert er sein Publikum noch immer. Auch wenn er sich im Januar 2012 als Sänger aus dem großen Rampenlicht verabschiedet hat. Ein Verlust, der sich am Sonntagabend im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz nur erahnen ließ, als er mit seiner weichen Bariton-Stimme das Märchen von der schönen Magelone las - als Originaltext von Ludwig Tieck.

Der hatte sich 1797 an die romantische Bearbeitung des Stoffes gemacht, der bereits 1535 als "fast lustige vn kurtzweylige Histori vonn der schönen Magelona" erschienen war. Die Grundlage dafür wiederum hatte Veit Warbeck gelegt - ein im Französischen gut bewanderter Sekretär am Hof des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen. Er hatte den Stoff 1527 aus dem Französischen übersetzt. Sein Freund Georg Spalatin, zu seiner Zeit Bibliothekar am sächsischen Hof, erkennt das Potenzial der Geschichte, der es weder an Spannung noch an Emotionen fehlt, und beauftragt den Druck: Der edle Prinz verliebt sich in die schöne Königstochter, beide brennen im Schutz der Nacht durch. Eine Verkettung unglücklicher Umstände bringt den Geliebten in Gefangenschaft - und erst nach jahrelanger Irrfahrt darf er seine Liebste wieder in die Arme schließen. Der von Spalatin nach dem Tod Warbecks in Auftrag gegebene Druck der Übersetzung dann nach seinem Tod in Auftrag gegeben. Die Geschichte wird ein Riesenerfolg, mehrere Neuauflagen folgen.

Johannes Brahms hat die Verse in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit Musik untermalt. Und obwohl er zeitlebens nicht von der Idee zu begeistern war, alle Magelone-Lieder hintereinander aufzuführen, haben die Organisatoren des Musikfestes genau dieses Experiment gewagt. Und so wird Thomas Quasthoff an diesem Abend von Bariton Tobias Berndt und Pianist Alexander Fleischer begleitet - beide ebenfalls exzellente Meister ihres Fachs. Der ehemalige Kruzianer Tobias Berndt lässt mit seinem vielschichtigen Gesang das Publikum alle Emotionen dieser Geschichte miterleben - die schier überspruddelnde Glückseligkeit der großen Liebe ebenso wie den nahezu unerträglichen Schmerz der Verzweiflung. Nicht weniger gefühlvoll wird sein Gesang am Klavier begleitet von Alexander Fleischer - stets in wohltuender Zurückhaltung, um der Stimme den nötigen Raum zu lassen. Ein berührender Abend, der im ausverkauften Theater coronabedingt leider viel zu wenig Zuhörerinnen und Zuhörer hatte und dennoch in lang anhaltendem begeisterten Applaus endete, für den sich das Publikum von seinen Sitzen erhob. So wie Ben Uhle, Geschäftsführer des Musikfestes Erzgebirge, dankbar auch dafür, dass die Stimme des Thomas Quasthoff, immer noch zu hören ist.

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