Ein wirklich furioses Finale

Mit dem fünften Band "Preis der Macht" hat Sabine Ebert jetzt ihre erfolgreiche Schwert- und-Krone-Reihe abgeschlossen.

Lachend und doch fast ein wenig entschuldigend sagt Sabine Ebert: "Mit dem zwölften Jahrhundert bin ich jetzt durch. Das habe ich nun erschöpfend abgehandelt." Gerade ist "Preis der Macht" erschienen, der fünfte und letzte Band ihrer Schwert-und-Krone-Reihe.

Auch Chemnitz, Rochlitz, Altzella und Christiansdorf sind wieder unter den Schauplätzen. Deutlich sind ihr Stolz und Freude anzumerken, dieses Projekt so gut zu Ende gebracht zu haben. Zu Recht, denn wieder hat sie aus Überlieferungen auf Pergament und Papier fesselnden, unaufdringlich lehrreichen und unterhaltsamen Lesestoff gemacht. Großes Finale also nach fünf Jahren intensivster Arbeit und Schlusspunkt hinter insgesamt rund 3000 Seiten Roman.

Natürlich hätte dieses Finale anders aussehen sollen. Mit stimmungsvoller Buchpremiere auf der Meißner Albrechtsburg und mit einer Lesereise. Sie hätte es sich gewünscht als schönen Abschluss für sich und noch mehr natürlich für ihre Leser. Aber Sabine Ebert ist dankbar, dass Bücher immerhin erscheinen und gelesen werden können.

Ist ein neues Buch von ihr gedruckt, erzählt die Autorin, braucht sie immer ein paar Tage, bevor sie es erneut aufschlägt. Vor allem wegen der Bedenken, dann Sachen zu finden, die man besser hätte machen können. Das ist nach über einem Dutzend nicht anders als beim ersten.

In diesem Punkt ist sie allerding kompromisslos: "Wenn ich einen historischen Roman schreibe, müssen die Fakten stimmen, sonst würde es ja Fantasy." Also sucht und prüft sie akribisch, um die - nach dem Studium tausender Seiten Quellen und viel Austausch mit Fachleuten - immerhin wahrscheinlichste Version des Geschehens zu extrahieren.

Das ist ihre große Stärke und die, daraus dann kein Sachbuch, sondern einen lebensvollen und vor allem auch spannenden Roman zu machen. Nötigenfalls mit ein wenig Fiktion, damit aus Buchstaben und Zahlen nachvollziehbare Handlung in Fluss kommt. Und mit viel Fantasie, damit vor den Augen der Leser so nachfühlbar wie möglich Erlebnisse, Einflüsse, Entscheidungen der historisch verbürgten Figuren erstehen. Nur muss alles logisch und stimmig in der Zeit bleiben.

"Preis der Macht" setzt zu der Zeit ein, wo der vierte Band endete: Mit dem verheerenden Ausgang des 1167er-Italienfeldzuges Friedrich Barbarossas, als er tausende Ritter und Gefolgsleute an eine binnen Stunden tötende Seuche verliert, als er sich und seine Familie nur mit großer Mühe vor der Krankheit bewahren und vor den Angriffen der Lombarden schützen kann.

Die lange erbitterten Machtkämpfe zwischen Heinrich dem Löwen und seinen zahlreichen Feinden flammen von Neuem auf. Bitter für Friedrich Barbarossa, der sich hier nach so unzähligen wie fruchtlosen Schlichtungsversuchen neu entscheiden muss. Aber auch an Heinrich erlebt der Leser - nach Jahren mit Mathilde und seiner Pilgerfahrt - neue Seiten. Mitten unter den Gegnern Heinrichs: Markgraf Otto von Meißen, in dessen Christiansdorf 1168 Silber gefunden wird und dem sich damit neue Perspektiven bieten.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Romans spürt der Leser, wie wichtig es der Autorin war, möglichst alle Schicksale und Handlungsstränge auch wirklich zu Ende zu erzählen. Ihre Leser sollen nicht zurückbleiben mit ungeklärten Fragen zu den über 70 Protagonisten des hochmittelalterlichen Westeuropa. Denn aus zahlreichen Gesprächen mit ihnen weiß sie, dass sie auch das von ihr erwarten und sich freuen an den vielen liebevoll platzierten Details: Dass Wichmanns Schuhe beispielsweise tatsächlich mit in Gold gefassten Saphiren und Türkisen besetzt waren - denn die sind im Magdeburger Dom erhalten.

Erstaunlich ist, wie scheinbar mühelos sie das Geschehen in diesem Band mit den Hebammen-Bänden verflicht. Wer mag, kann ab dem vierten Band dort praktisch nahtlos weiterlesen.

Wie seit dem ersten Buch ist Sabine Ebert, wenn ein neuer Roman erscheint, schon in den Stoff des nächsten vertieft. Hat einen Zeitstrahl auf das Flipchart skizziert, Personen und Ereignisse daran gruppiert, unzählige Bücher um sich aufgeschlagen, um die Details noch einmal nachzulesen und überlegt, wie man was am besten in Szene setzen könnte. 12. Jahrhundert wird es beim nächsten Mal also nicht. Bei ihrem neuen Projekt, so viel könne sie schon verraten, werde sie in der Zeit weiter voranschreiten und es wird zu großen Teilen in Freiberg spielen, zum Teil auch in Dresden und Leipzig.

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