"Ein wortgewaltiger Schelm"

Nichts und niemand war vor ihm und seinem Sprachwitz sicher. Und der war nicht immer nur einfach lustig. Bitter und böse konnte es klingen, manchmal mit einem Schuss Häme, wenn sich der Satiriker Droste etwas oder jemanden mit seiner Formulierungskunst zur Brust nahm. Jetzt ist der gebürtige Westfale im Alter von 57 Jahren gestorben.

Pottenstein.

Der Satiriker Wiglaf Droste ist tot. Er starb nach kurzer und schwerer Krankheit am Mittwoch im oberfränkischen Pottenstein. Das hat die Chefredaktion der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Junge Welt" am Donnerstag mitgeteilt und sich dabei auf seinen engsten Familienkreis berufen. Droste wurde 57 Jahre alt.

Für die "Junge Welt" schrieb Droste regelmäßig seit 1994. Seit Januar 2011 hatte er dort eine tägliche Kolumne. Zuvor war er unter anderem für die "Tageszeitung" (Taz) wie auch für das Satiremagazin "Titanic" tätig. "Er war ein wortgewaltiger Schelm", wie ihn der Feuilleton-Chef der "Jungen Welt", Alexander Reich, beschrieb.

Der gebürtige Westfale Droste ging in den 80er-Jahren nach Berlin. Journalistisch in Erscheinung trat er dort dann vor allem bei der damals noch jungen "Taz", bei der er bis Mitte 1988 als Redakteur der Medienseite arbeitete, ab den 90er-Jahren bis 2006 dann als freier Mitarbeiter für die tägliche "Taz"-Satire-Seite "Die Wahrheit". Die Hauptstadt blieb lange Zeit sein frei gewähltes Zuhause, bis er 2006 nach Leipzig zog und vor nicht allzu langer Zeit aus rein privaten Gründen - der Liebe wegen, wie es heißt - ins oberfränkische Pottenstein, südlich von Bayreuth.

An Berlin, der Stadt, in der er die entscheidende Zeit seines Lebens verbrachte, rieb er sich auch, nicht zuletzt wegen des dortigen Sozialklimas, das ihm aufstieß. Speziell mit Blick auf den Stadtteil Kreuzberg, wo er lange lebte, sprach er von "Arschgeigentum, das nichts mit Freiheit, aber viel mit Rücksichtslosigkeit zu tun hat".

So wortgewaltig Droste war, so vielseitig war er auch. Dabei zeichnete ihn eine gewisse Unstetigkeit aus. Neben der Produktion für Zeitungen und Zeitschriften arbeitete er auch als Buchautor und für den Rundfunk. Für WDR und Deutschlandfunk lieferte er ebenfalls Beiträge, bis 1991 schrieb er als Redakteur für das Satiremagazin "Titanic", wo er seine Sprachbesessenheit wiederum in ironisch gebrochener Form ausleben konnte. Seit 2015 hatte er auch mehrfach Beiträge zu aktuellen kulturpolitischen Themen für die "Freie Presse" verfasst.

Mit seiner Textkunst zog es Droste seit den 90er-Jahren auch persönlich auf zahlreichen Lesereisen zu seinem Publikum. Viele Termine führten ihn dabei immer wieder nach Sachsen, wo er auch kleinere Bühnen mit seinen Lesungen bespielte. Nicht genug damit: Auch die Musik blieb nicht verschont. So ließ er sich gelegentlich von der Punkrock-Band Geile Götter begleiten, ab dem Jahr 2000 trat Droste sogar in Begleitung des Spardosen-Terzetts mit Chansons selbst als Sänger in Erscheinung.

Kaum eine Facette sprachlichen Ausdrucks war ihm unvertraut, zahllos die Themen und Gegenstände, die er ironisch-satirisch bearbeitete. Da war es kein Wunder, dass der Genussmensch Droste sich früher oder später auch dem Thema Essen und Trinken zuwandte. Zusammen mit dem Stuttgarter Sterne-Koch Vincent Klink gab Droste von 1999 bis 2013 die Zeitschrift "Häuptling Eigener Herd" heraus. In der vierteljährlichen "kulinarischen Kampfschrift", wie sich die Publikation auch nannte, nahm Droste, wortgewaltig wie immer, unter anderem die Nahrungsmittelindustrie aufs Korn.

Berühmt wie berüchtigt war seine Fähigkeit, verbal auszuteilen. Dass er damit zuweilen aneckte, war eher untertrieben. Sein Engagement im Medienbetrieb begleiteten daher konsequent zahllose Brüche und Zerwürfnisse. Privat fand er seinen Frieden schließlich in der oberfränkischen Provinz, wo er auch starb. Eine Trauerfeier soll es nicht geben. Der Wortkünstler, heißt es, will keine Worte über sich hören. (dpa/tk)

Die Beiträge die Wiglaf Droste für die "Freie Presse" geschrieben hat, können Sie lesen, wenn Sie den QR-Code scannen. www.freiepresse.de/droste

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
3Kommentare
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  • 3
    5
    Freigeist14
    17.05.2019

    DrHDL@ Ihr unverschämter Kommentar zeigt nur , das Wiglaf Droste es richtig gemacht hat .

  • 3
    5
    Blackadder
    17.05.2019

    @DrHDL: Störten Sie solche Zitate? "„Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine.“

    Dann hat er alles richtig gemacht.

    Widerlich ist es, bei einem Toten nochmal nachzutreten.

  • 4
    5
    DrHDL
    17.05.2019

    Im Beitrag von U. Kaufmann finde ich keine kritische Äußerung bezüglich Drostes politischer Grundhaltung, die viele seiner Auftritte prägte. Vielmehr erinnerten diese regelmäßig an den Schwarzen Kanal des K.-E. v. Schnitzler, an dessen Hassreden seinerzeit nicht nur das Blut unglücklicher DDR-Flüchtlinge klebte. Kein Wort also bei Kaufmann zum Thema Demokratie- und Kapitalismus-Feind Droste.

    Und überhaupt, was ist das für eine "Kunst", wenn einer die Fähigkeit auslebt, `verbal auszuteilen`? Diese angebliche Kunst-Kategorie, die sich auf Kosten anderer über Wasser hält, ist in Drostes Niveau eher als Schmarotzer-Kult zu bezeichnen. Der in gewissen Kreisen hoch dekorierte (!) J. Böhmermann gehört übrigens ebenfalls dazu. Er zieht vielleicht nicht gerade wie Droste zum Beispiel die Leistung der Montagsdemonstranten in den Schmutz, dafür stimuliert er aber ganze Nationen mit böser Energie zu Deutschland-Feinden.
    Muss man solche Menschen wirklich auch noch kritiklos feiern?



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