Eisbrecher in Klaffenbach: "Handys runter, Hände hoch!"

Die Band Eisbrecher bringt Brachiales und Hintersinn nach Klaffenbach

Klaffenbach.

Im Wasserschloss Klaffenbach kann man die Seele baumeln lassen. Malerisch ruht das Renaissancekleinod südlich von Chemnitz. Doch ab und zu stören Schwergewichte der schwarzen Szene das Idyll zwischen weiß getünchten Mauern. Wie Eisbrecher am Freitagabend. Das Quintett um Sänger "Alexx" Wesselsky war zuletzt 2012 da und gehört längst zur Speerspitze der Neuen Deutschen Härte, weit hinter Rammstein freilich.

Musikalische Innovation ist eher nicht das Markenzeichen des Genres. Auch bei Eisbrecher betten sich oft plakative Paarreime brachialer Lyrik mit überschaubarer Aussage auf harte Gitarrenriffs, martialisch treibende Grooves und Synthie-Untermalung, düstere Strophen gipfeln in hymnische Mitklatsch-Refrains. Doch das Rezept geht auf, beschert Eisbrecher europaweit Erfolg und am Freitag begeistertes, bunt gemischtes Publikum, von in Familie angereisten Nachwuchsfans mit Schallschutzkopfhörern bis zum ergrauten Rocker im gut, wenn auch nicht restlos gefüllten Schlosshof.

Unbestreitbar liegen die Live-Qualitäten der Band zwischen optischer Show und verbalem Entertainment. Letzteres liegt vor allem am Humor von Frontmann Wesselsky, dessen hintersinnige Quatschtiraden nach beinahe jedem Lied die musikalische Theatralik aufbrechen. So verschenkt er vorm Konzert schelmisch Obst im Publikum und klärt auf: Obst wächst auf Bäumen, und schon deshalb lohnt es, für deren Erhalt zu demonstrieren.

Nach dem kurzen Hallo schlägt Support Faelder in eine ähnliche Kerbe wie der Gastgeber, aber weniger brachial. Sogar eine Art Gothic-Shanty haben sie mitgebracht, ihr Schlusssong schlagert enorm.

Dann das alte Superstar-Spiel: Großer Bühnenvorhang mit Bandlogo für den Umbau zu, auf dass er sich nach kurzem, bejubelten Intro effektvoll öffne. Einmal aus dem "Schiffsrumpf" des Bühnenbildes getreten, starten Eisbrecher mit der musikalischen Aussage "zum Glück bin ich verrückt", der man ob des längst nicht rein subkulturellen Publikums und des kalkulierten Erfolgs der Band nur augenzwinkernden zustimmen kann. Die optischen Akzente aus Licht, Eisen, Kostümen und Nebel sitzen souverän. Zahlreiche Hits aus sieben Alben erklingen, zur Zugabe ist jede Frau im Publikum liebend gern ein "Miststück", zum Hit "Eiszeit" fällt Kunstschnee vom Bühnenhimmel.

Wesselsky heizt derweil das Publikum Mal um Mal zum Mitsingen, Springen und Klatschen an: "Handys runter, Hände hoch!". Der Bayer freut sich, im Osten zu sein und begrüßt die internationalen Teile des Publikums. Er tut das bewusst, mit Anliegen hinter all dem Quatsch: Hat schon Vorband Faelder einen weltoffenen Wink zur Wahl gegeben, werden Eisbrecher noch deutlicher: Sollte der Osten da mehrheitlich "Scheiße bauen", müsse man "wohl den antifaschistischen Schutzwall wieder aufbauen". Nur dieses Mal eben anders herum.

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