Euro-Scene Leipzig: Tränen und Stürme der Begeisterung beim Festival

Die Euro-Scene Leipzig blickt auf erfolgreichen Jahrgang zurück

Leipzig.

"Ausgrabungen" lautete das Motto der jüngsten Euro-Scene in Leipzig. Das Festival zeitgenössischen europäischen Theaters und Tanzes, das am Sonntag zu Ende ging, findet seit 1991 jedes Jahr im November statt. Innerhalb der neuen Bundesländer ist es das einzige Festival seiner Art. Stets wird an den sechs Festivaltagen der Fokus auf aktuelle Entwicklungen im Bereich Tanz und Theater gelegt. Mit diesem Anspruch kann sich das Festival heute zu den wichtigsten in Europa rechnen. Eines der zwei persönlichen Highlights von Ann-Elisabeth Wolff, die das Festival seit 1994 leitet, war diesmal das "Triadische Ballett" von Oskar Schlemmer. Es sei einmalig und eine Besonderheit, dass man ein so legendäres Stück rekonstruiert zeigen konnte.

Als weiteren Höhepunkt benannte sie Milo Raus Inszenierung von "Five Easy Pieces". Ein für das Sprechtheater sehr ungewöhnliches Stück, in dem es um die Verbrechen des belgischen Kindermörders Marc Dutroux geht. Es passiere nur alle drei Jahre, dass man solche Offerten im Programm habe, urteilte Wolff. Die vielen Tränen nach dem Stück zeigten ihr, dass die Favoriten des Publikums mit ihren eigenen übereingingen. Auch von einem Newcomer im Kellergewölbe des Beyerhaus waren die Zuschauer sehr angetan: "Dinge, die man leicht vergisst", von Xaxier Bobés. Die einzige nicht ausverkaufte Vorstellung war "Evangelium" von Pippo del Bono.

Insgesamt aber lag die Auslastung des Festivals bei 99,2 Prozent. Sie war so hoch wie noch nie, freute sich Wolff. Mehr als sechstausend Besucher wurden bis zum vorletzten Tag des Festivals gezählt. Es gab Tränen, Begeisterungsstürme und sehr viel Zuspruch von Seiten des Publikums für die Programmgestaltung. "Ein bisschen sind wir das fast gewohnt" - aber das bedeute auch, dass man jedes Jahr erneut vor der Mammutaufgabe stehe, wieder einen gänzlich neuen Schwerpunkt zu setzen, damit die Zuschauer neugierig blieben. Und zu denken, nach dem Festival sei Ruhe, sei ein Irrtum. Die Arbeit fürs kommende Festival beginnt umgehend. Schon eineinhalb Jahre vor der nächsten Euro-Scene müsse das neue Konzept stehen, eine Idee, ein Datum. Auch für 2018 habe man wieder zwei große Höhepunkte geplant, "etwas völlig anderes als dieses Jahr". Genaueres wurde noch nicht verraten.

Das Organisationsteam besteht aus nur drei Leuten, Wolff ist die einzige feste Kraft, dann gibt es noch den technischen Leiter, die Pressebeauftragte, den Grafiker und die 15 Praktikanten. Trotz des geringen Etats von 589.000 Euro schafft dieses winzige Team jedes Jahr Großartiges. Der Etat entspricht einem Viertel von dem anderer Festivals dieser Größenordnung. "Wir versuchen sparsam zu sein, aber zwei Highlights müssen sein." Das "Triadische Ballett" sei wegen der Urheberrechte Oskar Schlemmers nicht billig gewesen, ebenso wenig Milo Rau.

Die Stadt Leipzig stehe treu zum Festival und unterstütze es, indem es jährlich die Hälfte des Etats stelle. "Es geht, aber weniger Geld darf es nicht werden", so die Festivaldirektorin. Trotzdem ist es dem Team erneut gelungen, einen erfolgreichen Festivaljahrgang zu präsentieren.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...