Federleichte Völkerfreundschaft

Die französische Sängerin Zaz zeigt in Dresden, wie mit frohen Songs und fabelhafter Laune alles gut werden kann.

Dresden.

Booonsoooir! Die Dame des Abends kommt so unbekümmert auf die Bühne gehüpft, als hätten die letzten zehn Jahre als französisches Export-Wunderkind gar nicht stattgefunden: Da ist diese Stimme, die mühelos zwischen den Notenzeilen tänzelt, als sänge sie Kinderlieder. Da ist dieser naive Tanz, als würde niemand zusehen - dabei ist die Junge Garde, die mondäne Dresdner Freiluftbühne mit knapp 5000 Plätzen, an diesem Donnerstag bei schönstem Sommerwetter bis zum Rand ausverkauft. Und dann ist da noch dieses vor Ausdruck strotzende Gesicht, das seine 39 Jahre zwar zeigt, aber schlicht drauf pfeift - wer sagt denn, dass man irgendwann mal ruhiger werden muss?

Denn wenn man sich eines bei Zaz abschauen kann, ist es die Kunst, sich in der Routine nicht abzunutzen. Einige Erfahrung als Straßenmusikerin sorgt dafür, dass sie sich immer wieder neu erfindet. Vier gefeierte Alben und unzählige Shows später sind ihre Songs längst die Blaupause des Nouvelle Chansons, des modernen französischen Liedguts. Und das mit ihrer Herkunft nimmt die Grande Dame übrigens ganz genau: Wer Zaz will, der kriegt gleich die ganze Karaffe französischen Rotweins eingeschenkt. Dass ihr "A" im Namenslogo als Eiffelturm knapp an der Grenze zum Nationalkitsch vorbeischrammt - geschenkt. Denn alle Lieder und Moderationen tönen selbstredend in perlend schöner Landessprache. Für das frankophile Publikum zwischen gutbürgerlicher Familie, Hippie-Bourgeoisie und auffallend vielen Gay-Pärchen geht das völlig in Ordnung: Je ne parle pas français, aber bitte sing weiter! Zumal sich Isabelle Geffroy, wie Zaz heißt, auch für ein paar deutsche Brocken nicht zu schade ist: "Vergesst bütte nischt die Fontasie! Das ist wischtisch!"

Es folgt der gutgelaunte Reggae "Qué vendrá" - was wird geschehen? Die Leute reißt es selbstredend von den Sitzen - und wer die früheren Zaz-Shows mit klarer Akustik-Kante kennt, wird im Jahr 2019 mit vielen frischen Facetten vom letzten Album "Effet Miroir" überrascht. "Pourqui tu joues faux" etwa trumpft mit herrlich urlaubigen Tropical-Sounds. Die E-Gitarre darf immer wieder ihre rockigen Soli anbringen, bis sogar Stadion-Rock-Atmosphäre aufkommt. Und der Bassist Ilan Abou, der bereits mit Zaz den Mont Blanc bestieg und dort ein kurzes Unplugged-Set mit ihr spielte, greift auch mal gerne für seine Dubstep-Bässe in die Synthie-Tasten. Doch selbstredend setzt es auch die guten alten Kellerclub-Chansons wie "Comme çi, comme ça", damit die Chansonette ihre virtuose Rauch-Stimme aufsetzen kann. Für den großen Hit "Je veux" bläst die Frontfrau für den typischen Gute-Laune-Sound höchstpersönlich auf der Kazoo-Tröte - doch beim Mitsing-Teil fehlen dem sächsischen Publikum schlicht die französischen Worte. Kein Problem, Zaz hilft aus der Patsche und geht einfach ins "La, la, la" über. Völkerverständigung geglückt! Das tut gut - denn mitten in einer Zeit der europäischen Zerwürfnisse feiert Zaz konsequent und federleicht den internationalen Zusammenhalt. Der Dresdner Verein "Europa direkt" darf sogar auf der Bühne sein Austauschprogramm vorstellen, die Vorprogramm-Sängerin Ina Regen wiederum ist aus Österreich importiert.

So bunt ist sie, die fabelhafte Welt der Isabelle Geffroy: Doch kaum hat man gedanklich den Paris-Urlaub gebucht und das Baguette unter den Arm geklemmt, ist die Show nach nur einer Zugabe auch schon vorbei. Bloß nicht abnutzen: Zaz, heute hast du alles richtig gemacht!

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