Fester Wille trifft gute Laune

Joey Kelly und Christian "Flake" Lorenz stellen ihre Lebensrezepte vor

Chemnitz.

"Keine Angst, ich singe heute nicht", witzelt Joey Kelly am Dienstagabend und erzählt in der Stadthalle Chemnitz vom Leben in der legendären Straßenmusikersippe, die vor ihrem großen Durchbruch einst in Fußgängerzonen spielte. Sein strenger Vater habe ein hartes Regiment über die zwölfköpfige Familie geführt, er habe ihm aber auch beigebracht ,"mehr zu geben als zu nehmen und vor allem frei und ohne Angst zu leben". Diese Erfolgsgeheimnis liege auch seinen Extremsportabenteuern zu Grunde, mit denen Joey Kelly in den letzten Jahren Aufsehen erregte. Gepflegt und im Sakko erzeugt er im rasanten Stakkato-Stil seines Vortrags die Aura eines Motivationstrainers. Zwar wolle er niemanden "belehren oder den Weg weisen". Und doch kann er nicht umhin, seine Zuhörer zu kleinen Grenzüberschreitungen zu animieren - "und wenn es anfangs nur ein Halbmarathon ist".

Ganz anders Christian "Flake" Lorenz. Eigentlich redet der Rammstein-Pianist, der sich bei Auftritten der feueraffinen Hardrock-Truppe im Schlauchboot auf den Händen seiner Fans tragen lässt, nicht gern mit dem Publikum. In seiner bescheidenen Normalo-Pullover-Jeans-Kleidung, mit seiner dicken Brille und den dünnen Haaren könnte Flake auch als Theologiestudent durchgehen. Tatsächlich hatte Flake in seiner Jugend zeitweise in einer Kirchenband gespielt, bevor er später zusammen mit der staatlich anerkannten Punk-Band Feeling B durch die DDR tourte. "Andere Bands hassten uns, sahen uns als Nichtskönner - womit sie Recht hatten." Dennoch bezeichnet er diese Phase seines Lebens als "unbeschwert und glücklich".

Seine Haltung, ohne Druck und Verpflichtung zu arbeiten, habe er auch nach dem musikalischen Durchbruch mit Rammstein konsequent beibehalten. Während Kelly Kampf und Disziplin als seine treibende Kräfte nennt, klingt es bei Christian Flake Lorenz so, als müsse man sich einfach nur auf den Weg des befreienden Unsinns begeben, um Erfolg zu haben. Das liegt aber auch daran, dass beide ganz unterschiedliche Konzepte eines gelungenen Lebens verfolgen.

Kelly werde lebendig, wenn "Wille, Leidenschaft und Ausdauer" ins Spiel kommen. Lorenz sei vor allem wichtig "gute Laune zu haben". Bis heute sei es für ihn das größte Glücksgefühl, wenn sich nach wochenlangem Geklimper im Proberaum eine brauchbare Song-Idee herauskristallisiere. "Ich habe den Sinn meines Lebens in der Musik gefunden. Deswegen bin ich ein glücklicher Mensch", resümierte er am Ende seines Vortrags.

Was die Freundschaft zwischen Kelly und Flake angeht, so erfährt man an diesem Abend leider nicht viel, auch wenn sich Kelly als Flakes "größter Fan" bezeichnet. Schade, dass zwischen den beiden so unterschiedlichen und unterhaltsamen Rednern kein Gespräch stattfand.

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