Flammen im Dunkel

Ein einzigartiges Theaterprojekt lockte am Wochenende rund 1500 Besucher auf die Schönfelser Burg: Das "Gruselspektakel" schlug eine Brücke zwischen Burghistorie und Theaterkunst.

Schönfels.

Burggeschichte einmal auf eine neue, lebendige Art zu zeigen - das war einer der Ansätze, mit denen Monika Gerboc, Direktorin der Zwickauer Puppenbühne, am Wochenende ein für die Region einzigartiges Theaterprojekt auf den Weg brachte. Schauplatz war Burg Schönfels bei Zwickau: Ein "Gruselspektakel" entführte die Besucher ins 17. Jahrhundert, und zwar ohne Bühne und Zuschauerraum - die auf der mittelalterlichen Wehranlage vorhandenen Gemächer selbst waren Ort des Geschehens. Das stellte zwar die Akteure vor eine enorme Herausforderung, machte aber zugleich auch den Reiz der Inszenierung aus. Denn nur in Gruppen von etwa 30 Personen und in viertelstündigem Abstand konnte das Publikum durch die mitunter recht furchteinflößende Szenerie des Stückes geführt werden.

Erzählt wurde die Legende der Anna Maria von Römer. Sie gebar ihrem Gatten 17 Kinder, von denen allerdings viele noch im Kindesalter starben. Während ihr Mann unterwegs war, wurde sie zu der schweren Entscheidung gedrängt, auf Druck der Kirche Hexenprozesse zu erlauben. In diesen historischen Rahmen band Regisseurin Gerboc die Handlung ein. Hierbei nutzte sie eine breite Palette gelungener Gruseleffekte, immer wieder gebrochen mit Witz und Ironie. Trotzdem war das gut einstündige Theatererlebnis nichts für schwachen Nerven oder Klaustrophobiker: In mehreren Szenen sah sich das Publikum in engen, dunklen Räumen regelrecht gefangen. Dabei sparsam eingesetzte Lichteffekte verliehen den Auftritten von Schauspielern und Puppenspielern einen gespenstischen Anstrich, der dramaturgisch gut gelang. Nach der Folter- und Gerichtsszene eines Hexenprozesses etwa standen die Zuschauer kurz in völliger Dunkelheit - um sie herum nur die Schreie der Verurteilten auf dem knisternden Scheiterhaufen. In ergreifenden Theaterbildern wurden auch die Gemütsregungen und Emotionen der Mutter beim Tod ihrer Kinder illustriert. Dem Sensenmann verlieh Gerboc dabei ein schönes Gesicht: Statt als Gerippe kam der Tod in Gestalt einfühlsam wirkender Frauen.

Auf der anderen Seite stand der raue Alltag des 17. Jahrhunderts, der mit Hintersinn und Witz gemildert wurde: Unter anderem erlebten die Besucher, wie ein Medikus seine Patienten durch das ziellose Ziehen von Zähnen zu heilen versuchte.

So sehenswert und publikumswirksam das Ganze auch war: Eine Aufführung des "Gruselspektakels" an einem anderen Ort schloss Gerboc aus. "Die Handlung basiert auf einer Legende, die ganz konkret hier auf der Schönfelser Burg angesiedelt ist. Auch die Abläufe des Stückes sind für die vorhandenen Räume konzipiert. So etwas kann man nicht einfach auf eine andere Örtlichkeit übertragen", stellt sie klar.

Weitere Aufführungen

Das "Gruselspektakel" soll nach Plänen der Puppentheater-Trägergesellschaft Kultour Z auf Burg Schönfels erneut aufgeführt werden - Termine stehen aber noch nicht fest.

www.puppentheater-zwickau.de

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