Freibergs Premiere in Freiberg

Die Mittelsächsische Philharmonie eröffnet die diesjährigen Jazztage mit einem ganz besonderen Konzert und besonderen Gästen.

Freiberg.

Eigentlich haben die Freiberger Jazztage schon begonnen - mit einer Fotoausstellung von Hans-Joachim Maquet, der die Konzerte in Freiberg seit langem mit der Kamera begleitet und ihre Stimmung in fantastischen Musikerporträts festgehalten hat. Musikalisch beginnen die 45. Freiberger Jazztage erst am Mittwochmit einem Konzert des South American Jazz Project von Daniel Freiberg. Es ist nicht die einzige Premiere des Pianisten und Komponisten aus New York in der Bergstadt.

Daniel Freiberg ist aber nicht wegen dieser Namensgleichheit ins Erzgebirge gekommen. Er hat für Anja Bachmann, die Saxofonistin, die inzwischen 25 Jahre bei der Mittelsächsischen Philharmonie spielt, nach Absprache mit Raoul Grüneis, dem Freiberger Generalmusikdirektor, ein Konzert für Saxofon und Orchester geschrieben, und für die Proben dazu ist er extra einige Tage früher nach Freiberg gekommen. "Es ist sehr wichtig für mich, bei den Proben dabei zu sein", sagt Freiberg entspannt bei einer Tasse Kaffee. Der Komposition, die Elemente des Jazz, Tango, Lateinamerikanisches enthält, ist ein langer Austausch vorausgegangen, der damit zusammenhängt, dass die umtriebige Anja Bachmann immer wieder auch Jazz spielt - unter anderem mit dem Klarinettisten und Komponisten Andy Miles, mit dem wiederum Daniel Freiberg beim WDR zusammenarbeitete. Davon erfuhr Anja Bachmann, und weil sie anlässlich des Jubiläums der Philharmonie sozusagen einen Wunsch frei hatte, wünschte sie sich ein Saxofonkonzert, das sie mit "ihrem" Orchester spielen kann - und bekam noch ein Klarinettenkonzert von Andy Miles zusätzlich ins Repertoire. Anja Bachmann freut sich sehr darauf, zumal das Konzert auch vom MDR-Rundfunk aufgenommen wird. Am Donnerstag werden beide Werke in Freiberg uraufgeführt, danach erklingen sie im Theater Döbeln und an der Hochschule in Mittweida.

Daniel Freiberg schwärmt von der vielseitigen Saxofonistin: "Ich mag, wie sie spielt, die Atmosphäre zwischen uns hat sofort gestimmt." Und Anja Bachmann schwärmt von den Kompositionen: "Die Konzerte sind sensationell, ich liebe sie beide." Lacht und freut sich auf die Premiere.

Für Daniel Freiberg sind die Konzerte in Mittelsachsen eine natürliche Fortsetzung seiner musikalischen Intentionen. Er wuchs in Buenos Aires auf, wo er klassischen Klavierunterricht erhielt, sich aber auch mit südamerikanischer Folklore, Tango und Rockmusik beschäftigte. Eine Dave-Brubeck-Platte, die er in seiner High-School-Zeit geschenkt bekam, veränderte sein Leben, erinnert er sich. Fortan interessierte er sich besonders für Latin-Jazz in den verschiedensten Spielarten. Er zog nach New York, um seine musikalischen Studien fortzusetzen. Einige Jahre lang tourte er mit dem kubanischen Saxofonisten Paquito D'Rivera durch die USA und Europa. Daneben arrangierte und komponierte er für Stephane Grapelli, die Dizzie Gillespie All Stars Big Band, Wynton Marsalis und Jose Feliciano. Ein Höhepunkt seiner Arbeit war das 2015 vom WDR-Radio-Orchester zusammen mit dem Klarinettisten Andy Miles uraufgeführte "Lateinamerikanische Chroniken: Konzert für Klarinette und Sinfonieorchester". Es vereint klassische, Jazz- und südamerikanische Volksmusik, wie es für Daniel Freibergs Arbeit typisch ist. "Es ist wichtig und glaubwürdiger für mich, Musik zu komponieren, die mit meinen Wurzeln zu tun hat, die mich auch unterscheidbar macht in New York, wo es drei Millionen Jazzmusiker gibt, die manches besser spielen können als ich", sagt Daniel Freiberg. In der Komposition für Freiberg ging es ihm wie bei jeder Komposition um Gefühle. "Ich hoffe immer, wenn ich bei der Musik etwas fühle, wird sich das auf das Publikum übertragen. Und wenn das Stück zu Ende ist, sollen die Leute sagen: Ich möchte mehr davon hören." Er schwärmt von den Arbeitsbedingungen in Deutschland, wo die Kultur einen hohen Stellenwert genießt. "Das ist nicht überall so, speziell in den USA. Da wird gerade viel an Geldern gekürzt. Sie wollen die Menschen dumm machen, um sie besser kontrollieren zu können."

Die Freiberger Jazztage halten weitere Höhepunkte bereit. Am Freitag sorgen das Trio mit Susan Weinert, Julia Hülsmann und Martin Weinert aus Deutschland und die Schweizer Band Vein extended für Poesie und reizvolle Schnittmengen zwischen Klassik und Jazz. Ebenfalls zwischen den Stilen wandelt Clemens Pötzsch beim Piano-Sonderkonzert, bevor am Samstagabend die exzentrische Kapelle Ruf der Heimat und die außergewöhnliche Monika-Roscher-Big-Band an den Grundfesten des Städtischen Theaters rütteln wird.

"Jazz meets Klassik" mit der Solistin Anja Bachmann und der Mittelsächsischen Philharmonie wird am Donnerstag, 19.30 Uhr, in der Nikolaikirche Freiberg, am Freitag, 20 Uhr, im Theater Döbeln und am Samstag, 19 Uhr, im Fernsehstudio der Hochschule Mittweida aufgeführt. Das ganze Programm steht unter  www.freiberger-jazztage.de

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