Funke an - Funke aus!

Der neue Kinofilm der "Star-Wars"-Reihe soll der erfolgreichste Streifen des Jahres 2017 werden und der Branche die Bilanzen retten. Doch leider ist "The Last Jedi" so ärgerlich zusammengeklempnert, dass Serien-Fans die Kinokarten nicht wegen, sondern trotz des Filminhalts kaufen werden.

Hollywood.

Wenn man, wie fanatische Anhänger, in "Star Wars" gern tiefe philosophische Inhalte hineindeutet, die Parallelwelt der erfolgreichen Science-Fiction-Reihe mit allen Details zum Sehnsuchtsort ausbaut und jede Kleinigkeit über, um und aus dem Jedi-Kosmos zur großen Sache stilisiert, wird man sicher auch mit "Die letzten Jedi", der mittlerweile achten Episode der 1977 von George Lucas gestarteten Erfolgsreihe, superglücklich: Drei Stunden lang gibt es tausende neue Kleinigkeiten, variierte Uniformen oder Wortspiele und neue Aliens von der putzigen Schildkröten-Nonne bis zum Riesen-Reithasen. Man darf sich über eine Rebellen-Vize-Admiralin mit lila Frisur und der Anmutung einer grünen Bildungsministerin erst aufregen und sie dann - Achtung, Twist! - als Heldin feiern. Immerhin ist die gute Frau an der einzig sehenswerten Kampfaktion beteiligt, indem sie das letzte nennenswerte Rebellen-Schiff via Lichtsprung-Kamikaze durch ein gigantisches schwarzes Superbösewichter-Megaraumschiff im Nazi-Nurflügler-Look schießt und es so zerteilt.

Ups - das war ja jetzt ein Spoiler! Also ein Detail aus dem Film, das, vorab kundgetan, die Spannung nimmt und damit echten Fans angeblich den Kinobesuch versaut. Dumm nur: Es gibt in "Die letzten Jedi" keine Spannung. Die torpediert der Film gründlich selbst. Und zwar, in dem er so penetrant spannend und bedeutungsvoll tut, dass man es nach bereits einer halben Stunde einfach nur satt hat. Parallel bemüht sich Regisseur und Drehbuchscherge Rian Johnson, ja nichts Originelles zu erzählen - das könnte ja eventuell irgendeinem der Millionen Fans gegen das Schienbein der Erwartungshaltung treten. "Die letzten Jedi" folgt lieber hündisch einer groben Blaupause von "Das Imperium schlägt zurück" - fast alle auftretenden Figuren wecken Assoziationen zu jenem Teil 2 der Ur-Trilogie. Kaschiert wird das gelegentlich durch "unerwartete" Wendungen: Ist der Böse vielleicht doch ein Guter oder am Ende nur so fies, dass er das vortäuscht oder aber steckt gerade im Superbösen nicht doch wirklich der Keim des Lichts? Ständig wird ein viel zitierter "Funke der Hoffnung" - kann die oder der letzte Jedi die Rebellion retten? - an und ausgeknipst. An, aus, an, aus, irgendwann ist es nur noch egal. An. Also Aus!

Beim 2015 gezeigten Vorgänger "Das Erwachen der Macht" hatte J. J. Abrams die Methode des Kult-Recyclings noch recht geschickt angewendet, sodass Episode 7 einen zwar nicht sonderlich inspirierten, aber in seinem liebevollen Anspielungsreichtum sehenswerten Kinospaß ergab. Die Fortsetzung dagegen ist nur noch ärgerliche Industriemeterware, gerade wenn man Weltraumkämpfe und galaktische Superverschwörungen liebt. Damit derlei funktioniert, braucht es nämlich die geschickte Choreografie der Action, die richtige Dosis Humor, das gut abgestimmte Pathos. Nichts davon ist bei den "Letzten Jedi" in Balance. Das geht mit drögen Kampfszenen los und hört mit den durchweg sehr lächerlichen Bösewichtern nicht auf: Abziehbild-Darth-Vader Keylo Ren kommt nie über den Status eines bockigen Kindes hinaus, der "finstere" wie kurzlebige Supreme-Leader Snoke wirkt wie ein zerknautschter ET aus dem Überraschungsei of Evil, und dann ist da noch ein albern verchromter "Super-Trooper", der so lustlos auf gemein gedengelt wurde, dass ich jetzt nicht einmal Lust habe, den Filmnamen dieser Gestalt zu googeln. Bezeichnenderweise spielt Benicio del Toro beim Kurzauftritt als windiger Lando-Calrissian-Widergänger DJ den Rest des Cast allein dadurch komplett an die Wand, dass er auf einer Pritsche chillt und sich zwischen den Zähnen pult.

Hoffnung gibt es nur in der Mitte, als Mark Hamills überzeugend tief gesunkener Luke Skywalker über das wahre Wesen der sprichwörtlichen "Macht" sinniert: "Es geht nicht ums Steinehochheben". Dabei flackert kurz die Idee auf, diese magische Kraft sei lediglich eine Art universelles Gleichgewicht, bei dem es gar kein "Gut" oder "Böse" gebe - die Jedi müssten sie daher wohl besser in Ruhe lassen. Die Grundanlage des ganzen Weltraumgeballers wäre damit ja ad absurdum geführt - also hebt Neu-Jedi Rey doch paar Steine hoch, damit es (Variation, gähn!) am Ende zur so effektüberladenen wie schlaffen Attrappe des legendären AT-AT-Angriffs auf die weiße Rebellenstellung komme. Ernsthaft: in Salzwüstenhitze statt Eismondkälte. Dem Kino geht es schlecht? Angesichts so billig durchgekauter Geschichtenreste in Unmengen Glitzergeschenkpapier kein Wunder!

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