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"Garten Eden": Skuppin und die Zunge von Hubert Kah

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Der Chemnitzer Musiker Steven Skuppin ist eine frische, kühle und leicht düstere Pop-Hoffnung aus Sachsen

Wavepop.

Okay, gelegentlich kann sich Steven Skuppin die verlockenden Dave-Gahan-Gedächtnismoves an den Stimmbändern nicht verkneifen. Das passt halt auch einfach zu gut zum kühlen Wave-Synthpop, den der Chemnitzer unterm Projektnamen Skuppin auf seiner aktuellen EP "Garten Eden" fabriziert. Und wenn statt englisch dann deutsch gesungen wird, blitzt gelegentlich Hubert Kah aus der genialen Edelpop-Phase um das Album "Goldene Zeiten" von 1984 auf. Abseits solcher Kleinigkeiten ist Skuppin aber ein großartiges Beispiel dafür, was zur Zeit alles richtig läuft beim aktuellen Wave-Revival: Aus den Sounds, Anmutungen und Versatzstücken der neondüsteren 80er schaffen viele Künstler wieder eigene, spannende und letztlich alles andere als retrospektive Musik.

Während etwa in den 90ern und Nullern das Gros der verfügbaren Synthpop-Bands (von den außerordentlichen And One mal abgesehen) recht unverhohlen das Gesamtschaffen von Depeche Mode unter Auslassung eigener Impulse abpausten, ist die Genre-Historie bei Skuppin nur eine Grundschattierung, aus der dann neue, frische Kreativität sprießt. Das liegt unter anderem daran, dass er sich wie viele neue Wave-Entdeckungen nicht zu arg um die alten Szenecodes schert, wenn er die alten Klangmaschine sägezahnen, klirren und zwitschern lässt. Wer etwas mit Molchat Doma, Edwin Rosen oder Rue Oberkampf anfangen kann, der dürfte bei Skuppin-Songs wie "Sonne" oder "Tausend Tage" sofort schwarze Herzchen in den Pupillen haben, obwohl der Chemnitzer deren vorrangig kühle Strenge durch eine bemerkenswert mondäne Pop-Eleganz mit gewissem Indie-Charme substituiert, sodass auch der eine oder andere Ex-Freund von Bands wie Virginia Jetzt! nach ersten Fluchtimpulsen die Ohren auf Habacht drehen kann.

Skuppin steht noch am Anfang seiner Karriere, an einigen Stücken sind daher entsprechende Holperkanten mitunter noch dran. Aber das Fundament ist doch schon so fulminant, dass man den Mann auf die "Hören!"-Liste packen kann.

Im Konzert Skuppin tritt am 3. Dezember im Lokomov in Chemnitz auf.

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