Gegen die Wand mit dem ganzen Hip-Hop

Eminem überrascht mit seinem neuen Album "Kamikaze"

Detroit.

Eminem ist mal wieder bestens gelaunt. Heißt: Eminem hat eine enorme Wut im Bauch - und genau diese treibt ihn an und lässt ihn zu Höchstleistungen auflaufen. Überraschend in der Nacht zum Samstag hat der amerikanische Rapper ein neues Album veröffentlicht. "Kamikaze" heißt das Werk, wurde komplett von Produzenten-Legende Dr. Dre zusammengeschraubt - und zeigt wieder einmal, dass Marshall Mathers (M. & M., im englischen Slang "Eminem" gesprochen) den Titel "Rap-Gott" nach wie vor zu Recht trägt.

Die Platte zeigt künstlerische Genialität, sie balanciert zwischen einem Rapstil, der seinesgleichen sucht, und einer persönlichen, extrem verletzbaren Offenheit, die viele seiner Fans auf den letzten Alben vermisst haben. Ab der ersten Zeile kann man sich dieser Energie nicht entziehen. Die ersten drei Songs beinhalten dann auch eine Abrechnung mit all seinen Kritikern - jenen, die das letztes Album "Revival" als unwürdigen Abschluss der Eminem-Ära abtaten. Alles kommt mit einer so großen textlichen Finesse und einem so düsteren Humor daher, dass man zwangsläufig nostalgisch wird und an Eminems Performance im Film "8 Mile" von 2002 zurückdenkt.

Es folgen dann feine lyrische Sticheleien gegen die neue Rap-Generation: "Do you have any idea how much I hate this choppy flow/ Everyone copies though?", rappt er auf "The Ringer" - und das Geniale ist, dass Eminem gerade für diese zwei Zeilen genau das ausstellt, was er angeblich so verachtet, nämlich den "choppy flow", den abgehakten Duktus der Trap-Triolen. Der Star erkennt Muster und Techniken, entschärft deren Wirkung, indem er sich ihrer annimmt.

Eminem fliegt die gesamte Hip-Hop-Szene auf diese Weise mit ausgestrecktem Mittelfinger und absoluter Technikkontrolle souverän und locker gegen die Wand - wie passend ist da der Düsenjäger auf dem Cover von "Kamikaze", das nebenbei eine Anspielung auf das Plattencover von "Licensed to Ill" von den Beastie Boys abgibt, die Eminem verehrt.

Das inzwischen zehnte Studioalbum ist aber mehr als nur stumpfe und dennoch technisch hochwertige Pöbelei gegen die Medien, andere Rapper und seinen neuen Lieblingsfeind Donald Trump. Es ist das Produkt eines zutiefst verletzten Narzissten, der mit seinem letzten Album nicht die Anerkennung bekommen hat, die er verdient hatte. Raptechnisch war er darauf immerhin besser als viele seiner derzeitigen Kollegen. Ein Höhepunkt ist da "Stepping Stone" - eine Art Verbeugung vor seinen Freunden und langjährigen Weggefährten der Band D12, die sich 2006 nach dem Tod ihres Rappers Proof auflöste.

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