Große Show um Kunst und Brot

"Funny Girl" geht in Chemnitz erstklassig als opulente Show über die Bühne. Das Musical bietet Frauenpower, Gefühl, Glanz, Glamour und allerfeinste Musik.

Chemnitz.

Ein rauschender Abend mit starkem Personal- und Materialeinsatz wurde hier vom Publikum gefeiert. Drei Stunden benötigt "Funny Girl", um die Geschichte vom Aufstieg einer jungen Künstlerin zu erzählen, der Aussehen und Herkunft den Weg zum Broadway zum Beginn des 20. Jahrhunderts eher versperrten denn ebneten.

Die Chemnitzer Premiere am Sonnabend - eine Ko-Produktion mit dem Theater Dortmund, wo 2012 Premiere war, und dem Staatstheater Nürnberg (Premiere 2013) - in der Regie von Stefan Huber bietet alles für die große Show, die einst der jungen Barbra Streisand an der Seite von Omar Sharif zu Ruhm verhalf.

Die Robert-Schumann-Philharmonie unter der Leitung von Tom Bitterlich spielt den satten Groove, den mondänen, an Jazz und Swing angelehnten opulenten Stil von Jule Styne, der von der kleinen, feinen Liednummer über intime Balladen, große Soli bis zum aufrauschenden Show-Act für großes Ensemble reicht.

Das Ganze hat einen bestechend opulenten Schauwert: Wohl an die 150 Kostüme vom schlichten Straßenanzug bis zum üppigen Revue-Outfit kommen zum Einsatz, kreiert von Kostümbildnerin Susanne Hubrich. Allein Fanny trägt 18 teils Aufsehen erregende, mondäne Glitzerroben über den gezeigten Zeitraum von 17 Jahren, über die das Musical berichtet. Die Materialschlacht ist angesiedelt zwischen ärmlicher Henry-Street von Brooklyn mit lebenshungrigen Typen wie aus Brecht/Weills "Dreigroschenoper" und dem Samt und Purpur der legendären Kunsttempel. Das tiefe Eintauchen in die Milieus hat sich gelohnt, ermöglichen sie doch einen differenzierten Blick auf soziale Zustände, in denen die Protagonisten um Kunst und Brot ringen. Auch das Bühnenbild von Harald B. Thor erweist sich als fantastisch wandelbar. Die vielen Szenenwechsel gehen mit acht schmalen Kulissenwänden flüssig vonstatten. Eben noch sah man Fanny und Nick verliebt im rotgold lockenden Separee herumalbern, Sekunden später zeigt die Szene eine kühle Bahnhofsatmosphäre. Und beides ist stimmig.

Regisseur Stefan Huber hat die durchaus sensible Geschichte um die leicht verrückt-überdrehte "funny" Fanny Brice in Szene gesetzt: Tempostark folgt Gag auf Gag, und auch für leise, lebensechte Töne der Fanny und ihrer, dem Familien- und Freundesclan fernab laufenden Hollywood-Romanze ist hier Raum. Die Personnage ist riesig, besetzt mit Chemnitzer Künstlern und vielen Gästen. Zehn Tänzer singen, tanzen und spielen exklusiv die sogenannte Ziegfeld-Show.

Strahlender Mittelpunkt der professionell agierenden Truppe ist Frederike Haas in der Titelrolle. Sie bezaubert den Saal mit einer unbeschreiblichen Energie. Schauspielerisch berührt sie durch intensive kräftige Farben und theatralische Komik. Der lange Abend hält die Spannung, weil ihre Texte kein Geplapper sind, sondern glitzernde Juwelen mit Tiefgang. Vom gehauchten Liedchen über den verrauchten Vamp bis zum großen Showauftritt zeigt das hinreißende Stimmwunder eine tolle Performance. Dem steht das Ensemble in nichts nach. Marc Seitz als Eddie, Matthias Otte als Nick und Gabriele Ramm als Fannys Mutter sind Akteure mit vollem Körpereinsatz.

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