"Heißer Sommer" löst immer noch Begeisterungsstürme aus

Das Eduard-von-Winterstein-Theater hat sich in seiner Jubiläumsspielzeit an einen echten Kultfilm gewagt und damit voll ins Schwarze getroffen. Und als Sahnehäubchen gab es zur Premiere den Schneeschuhfahrermarsch.

Ehrenfriedersdorf.

Sie wird in vielerlei Hinsicht als eine der außergewöhnlichsten Inszenierungen in die Analen des mittlerweile 125 Jahre alten Eduard-von-Winterstein-Theaters eingehen: das Musical "Heißer Sommer". Am Sonntag hatte das Stück, das nach dem gleichnamigen Filmklassiker der Deutschen Film AG - kurz Defa genannt - entstanden ist, Premiere auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen. Und die riesige Publikumsresonanz - die zur Verfügung stehenden Sitzbänke reichten bei weitem nicht aus - hat gezeigt, dass der Stoff nichts an Popularität eingebüßt hat.

Locker-leichte Sommerunterhaltung - die seinerzeit schon gänzlich ohne staatstragenden Pathos auskam. Und wohl auch deshalb solch durchschlagenden Erfolg beim Publikum hatte, vermutet Axel Poike. Er hat 2003 das Musical zum Film geschrieben, das zwei Jahre später Premiere hatte. Zweimal seither aufgeführt, hat er bei der Inszenierung im Erzgebirge erstmals auch selbst Regie geführt. An seiner Seite: Thomas Bürkholz, langjähriger Freund und Vertrauter des 2015 verstorbenen Komponisten Gerd Natschinski, der zusammen mit seinem ältesten Sohn Thomas die Musik für den Film "Heißer Sommer" komponiert hatte. Daher hat Thomas Bürkholz auch an allen bisherigen Inszenierungen mitgewirkt. Bewusst haben sich beide bei den Inszenierungen dagegen entschieden, Inhalt und Musik des Stückes ins Heute zu adaptieren. "Das würde bei der Musik nicht funktionieren", sagt Axel Poike. Und die Premiere gab ihm recht: Titel wie "Männer, die noch keine sind" oder "Was erleben" kennt das Publikum auch heute noch und geht schon bei den ersten Tönen begeistert mit. Und das Ensemble auf der Bühne - vielfach deutlich jünger als der Kultfilm - lässt sich von dieser Begeisterung anstecken.

Und begeisterte damit wiederum Chris Doerk. Die Schauspielerin und Sängerin, die im Film an der Seite von Frank Schöbel die weibliche Hauptrolle der Stupsi gespielt hatte, war am Sonntag als Ehrengast bei der Premiere dabei und zollte dem gesamten Ensemble Respekt - insbesondere der jungen Hauptdarstellerin Friederike Kury als Stupsi: "Ich fand es klasse", kommentierte sie nach der Vorstellung auf der Bühne im Gespräch mit Theaterintendant Ingolf Huhn.

Eine Schauspielerin aber hat auch sie an diesem Nachmittag ganz besonders beeindruckt: Isa Etienne Flaccus als Thalia. Sie drückt als exzentrische junge Diva, die unbedingt zum Theater will, dieser Inszenierung den Stempel auf. "Die Thalia war der Hammer", erkannte Chris Doerk an. Um wenig später selbst noch einen wohl unvergesslichen Eindruck beim Publikum zu hinterlassen. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie einen besonderen Bezug zum Erzgebirge hat. Denn das erste Lied, das sie jemals auf einer Bühne gesungen habe, sei der Schneeschuhfahrermarsch von Anton Günther gewesen. Da war sie wohl so etwa 15 Jahrealt, erzählte Chris Doerk. Dass sie noch heute jede einzelne Zeile beherrscht, bewies sie in ihrer unnachahmlichen Art und ohne großes Zögern mit einem glasklaren A-cappella-Ständchen. Da hielt es dann auchden letztenBesucher in den Zuschauerreihen nicht mehr auf seinem Sitz.

Das Stück

"Heißer Sommer" erzählt von Ferien an der Ostsee.Kay und seine Freunde treffen auf Stupsi und ihre Freundinnen. Erst gibt es Plänkeleien zwischen den Geschlechtern. Doch bald kommen andere Gefühle ins Spiel und es finden sich immer mehr Pärchen. Nur für Brit wird es kompliziert, da sie gleich zwei Jungs, darunter Kay, den Kopf verdreht. Was Stupsi stört, die in Kay verliebt ist.

Nächste Aufführungen: 26. Juli, 17 Uhr; 29. Juli, 15 Uhr; 1. und 14. August, 17 Uhr; 19. August, 15 Uhr, auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen. www.winterstein-theater.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...