Helene Fischer erhebt Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit

Die Schlagerkönigin stößt zur #Wirsindmehr-Fraktion: Eigentlich sagt sie eher nichts, wenn es um Politisches geht. In Berlin hat Helene Fischer nun ihre Fans zu einem Zeichen gegen Fremdenhass aufgerufen.

Helene Fischer hat Stellung bezogen.

Gregor Tholl, dpa

Berlin (dpa) - Es scheint der von vielen geforderte Ausbruch aus der heilen Schlagerwelt in die Realität einer gespaltenen Gesellschaft zu sein: Die Schlagersängerin Helene Fischer hat bei einem Konzert in Berlin an ihre Fans appelliert, ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt zu setzen.

«Erhebt gemeinsam mit mir die Stimmen: gegen Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit», sagte sie am Dienstagabend auf der Bühne der Mercedes-Benz-Arena, wie in einem Video zu sehen ist.

Zuvor hatte Fischer die Regel erwähnt, der sie sonst folgt: «Ich äußere mich nicht oft zu politischen Dingen, gebe nie politische Statements, denn meine Sprache ist die Musik.» Doch an diesem Abend wolle sie «auch ein Zeichen» setzen.

In sozialen Netzwerken gab es danach viele Reaktionen, darunter war auch der Grünen-Politiker Jürgen Tritttin, der twitterte: «Sind wir nicht alle ein bisschen #HeleneFischer?» Andere twitterten «Feine Sahne Helene Fischer Filet» in Anspielung auf die linke Punk-Band Feine Sahne Fischfilet.

Bei dem Konzert handelte es sich um das erste von mehreren Nachholkonzerten. Im Februar hatte Fischer («Atemlos») wegen einer Infektion mehrere Shows in der Hauptstadt abgesagt.

Wenige Stunden vor dem Auftritt hatte die 34-Jährige sich auf Instagram und Facebook noch eher vorsichtig zu den ausländerfeindlichen Übergriffen in Chemnitz positioniert. «Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist - das sollte uns stolz machen.»

Ihren Post reicherte Fischer, die 1984 im sibirischen Krasnojarsk geboren wurde und als Kleinkind mit ihren Eltern nach Rheinland-Pfalz zog, mit dem durch das Chemnitzer Konzert gegen Rechts bekanntgewordenen Hashtag #wirsindmehr an. Außerdem setzte sie Hashtags wie #wirbrechendasschweigen und #schreiteslaut.

In Chemnitz wurde Ende August ein Deutscher erstochen. Nach der Tat gab es Demonstrationen von Rechtsgerichteten, Neonazis und Gegnern der Flüchtlingspolitik, dabei kam es zu Übergriffen auf Polizisten, Journalisten und Ausländer. Unter dem Motto «#wirsindmehr» gaben Künstler wie Feine Sahne Fischfilet, Die Toten Hosen, Kraftklub, Marteria und K.I.Z. am Montag ein Gratiskonzert gegen Rechts in Chemnitz. Rund 65.000 Menschen kamen zu der Veranstaltung.

Der Songwriter Bosse hatte in diesem Zusammenhang gefordert, dass sich mehr erfolgreiche Musiker zu Wort melden sollten.

Die Aussage «Wir brechen das Schweigen» (so heißt auch ein Lied von ihr) scheint deshalb gerade bei Helene Fischer eine emotionalisierende Brisanz zu haben. Immer wieder in den letzten Jahren wurde die Musikerin direkt aufgefordert, sich politisch zu äußern. Udo Lindenberg sagte schon vor zwei Jahren in der «Rheinischen Post», er fände es gut, wenn nicht nur von den üblichen Verdächtigen wie BAP, den Toten Hosen, Jan Delay und Clueso ein Zeichen komme, sondern «wenn von Helene Fischer auch mal ein Statement käme gegen Rechtspopulismus».

Gerade in der als konservativ geltenden Schlagerszene halten sich traditionell viele Stars zurück, wenn es um Politik und eindeutige Positionierung geht. Als Ausnahme von der Regel dürfte der bekennende Sozialdemokrat Roland Kaiser gelten.

TV-Entertainer Klaas Heufer-Umlauf legte Fischer vor einem Jahr in einem «Spiegel»-Interview sogar Formulierungen nahe, wie sie sich in der Flüchtlingsfrage äußern könnte: «Helene Fischer müsste doch nur einmal sagen: 'Hierher kommen Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Lasst uns denen helfen. Meine Empfehlung, Ihre Helene Fischer.' Sie muss keine ewig langen Facebook-Posts schreiben. Ein Satz vor einem Konzert würde reichen. Die Leute würden ihr zuhören.»

Auch in der Antisemitismus-Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang nach der Echo-Verleihung wurden Fischer Vorwürfe gemacht, sie positioniere sich nicht. Nach einigen Tagen aber äußerte sich Fischer und schrieb, sie habe es «unangemessen und beschämend» gefunden, die beiden Rapper bei der Preisverleihung in dieser Art «performen» zu sehen. Der Musikpreis sei jahrelang ein Publikumspreis gewesen, auf den man stolz sein konnte. Sie habe sich über jeden einzelnen sehr gefreut. «Trotzdem finde ich, hätte man vorher überlegen sollen, ob man Gewalt, Hass und Wut eine solch große Präsenz im Fernsehen geben muss. Ich nehme an, dass ihr mir zustimmt, wenn ich hier sage: Nein.»

10Kommentare
👍2👎0 Nixnuzz 10.09.2018 Vielleicht war dies eine Folge des Politikwechsel 1988 in der Sowjetunion. Deportiert nach Sibirien bestand unter Gorbatschow jetzt die Rückkehr an die Wolga, was aber nicht mehr realistisch war. Und der Siegeszug des russ. Wohlstands dort war noch nicht sichtbar. Blieb also nur ein anderes deutsch-sprechendes Land übrig.
👍2👎2 Blackadder 10.09.2018 @kartracer: Das müssen Sie sie schon selbst fragen und nicht mich. Ich habe nur den Fakt dargelegt.
👍3👎0 Freigeist14 09.09.2018 Also Blackadder@lassen Sie mal die Kirche im Dorf. Die Eltern von Helene F.sind Spätaussiedler , und keine Flüchtlinge. So tun Sie echten Flüchtlingen vor Krieg und Vertreibung keinen Gefallen. Die Sängerin hat sich geäußert . Gut . Aber man soll das jetzt als "Mutig" nicht überbewerten.
👍4👎0 Zeitungss 09.09.2018 @kartracer: Vor der bitteren Armut, könnte das hinkommen???? Kriegerische Auseinandersetzungen gab es da gerade einmal KEINE.
👍1👎5 kartracer 09.09.2018 @Blackadder, vor was oder wem, ist sie denn GEFLÜCHTET??
👍3👎0 Nixnuzz 09.09.2018 Immer diese Migranten:
Migrationshintergrund (Definition):
"Eine Person hat dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist."
Die Definition umfasst im Einzelnen folgende Personen:
1. zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer;
2. zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte;
3. (Spät-)Aussiedler;
4. mit deutscher Staatsangehörigkeit geborene Nachkommen der drei zuvor genannten Gruppen.

Also von Migrant , Klasse 4, an andere Betroffene: Sollen wir jetzt in unsere Elternländer zurückgehen? Und : Wie klar sind die Historien mancher Kommentatoren oder der fp-Redaktionskonferenz??...
👍2👎2 Blackadder 09.09.2018 Ich. Da Frau Fischer ja selbst russischer Flüchtling ist, kann sie sich in die derzeitige Debatte sicher einfühlen.
👍2👎3 Zeitungss 08.09.2018 Und wer von den ROTEN sieht es nun anders ??????
👍4👎4 Zeitungss 06.09.2018 Es interessiert diese Frau genau so wie die Bockwurst, welche in China gerade vom Tisch fällt. Der eigene Kontostand dürfte schon eher die Meinung bilden, wer es anders sieht, soll sich hier bemerkbar machen.
👍3👎9 Hinterfragt 06.09.2018 Wenn ich ein Fan von dieser Dame und beim Konzert gewesen wäre, hätte ich mein Geld zurückverlangt. Denn ich hätte für ein Schlagerkonzert und nicht für eine POLITDEMO bezahlt.

Ich denke da mit Genugtuung nur an:
https://www.sport1.de/fussball/dfb-pokal/2017/05/dfb-pokal-finale-helene-fischer-bei-halbzeit-show-ausgepfiffen
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