Ibug muss Fördergeld aufwändig umorganisieren

2020, im sächsischen Jahr der Industriekultur, will die auf entsprechende Brachen spezialisierte Kunstschau Ibug extra punkten. Was unter anderem fehlt: ein Gelände.

Reichenbach/Leipzig.

Nein, der Streit hinter den Kulissen der Ibug, der die soeben beendete Ausstellung im vogtländischen Reichenbach kurz vor der Eröffnung fast zum Scheitern gebracht hätte, konnte letztlich doch nicht ausgeräumt werden: Das beschert der Kunstausstellung aktuell einigen bürokratischen Aufwand und auch ein gewisses Restrisiko. Laut Thomas Dietze, Vorstand des ausrichtenden Ibug-Vereins, hat das aber keine Auswirkungen auf die Kunstausstellung im kommenden Jahr - im Gegenteil. Das beliebte Konzept, moderne Kunst mit urbanem Bezug in leer stehenden, architektonisch interessanten Fabrikgebäuden in Symbiose anzufertigen und auszustellen, passt als Juwel ins Sächsische Jahr der Industriekultur, zumal es sich großer Beliebtheit erfreut: Rund 100 Künstler aus 13 Nationen lockten über 10.000 Besucher zur Reichenbach-Edition. Das gefällt auch den Fördermittelgebern: Die Schau ist für Sub- wie Hochkultur interessant - das soll eine besondere Auflage werden!

"Wir wollen 2020 im Kulturraum Zwickau/Vogtland bleiben, weil wir dann die für die Ibug 2019 genutzten Kontakte und Ressourcen noch mal nutzen können", sagt Dietze. "Allerdings haben wir noch kein geeignetes Gelände gefunden. Es gab zwar bereits einige Angebote, unter anderem von der Stadt Auerbach, das war aber alles zu klein." Die Macher sind dennoch zuversichtlich, in nächster Zeit fündig zu werden. Die Gegend ist ergiebig: "Wir bekommen viele Tipps, von Privatleuten oder aus der Urban-Explorer-Szene. Und natürlich fahren wir auch selbst rum und schauen uns um."

Da scheinen auch die noch vorhanden strukturellen Hürden überwindbar, die aus eingangs genanntem Streit resultieren. Der entstand aus einer Übergangssituation: Der bisherige Veranstalter, das Kulturtragwerk (KTW) Sachsen, hat die Ibug-Reihe mit Ausgabe 2019 an den Ibug-Verein übergeben. Die im Vorfeld gestellten Fördermittelanträge liefen jedoch über das KTW. Weil es zu kompliziert schien, im laufenden Verfahren den Träger zu ändern, schloss man einen Vertrag: Der Ibug-Verein veranstaltet, der KTW-Verein reicht die Fördermittel durch und ist Träger. "Dabei wurden aber immer wieder Vertragsvereinbarungen verletzt", sagt Daniel Schneider, Vorstandsvorsitzender des KTW: So sei die Rolle seines Vereins, der die Ibug seit 2015 organisiert hatte, stetig unterschlagen worden. "Das mag für Außenstehende nicht so wichtig klingen, aber für uns ist das Werbung und Referenz, die wir dringend brauchen. Das sollte die vereinbarte Gegenleistung dafür sein, dass wir die ganze Förderung auf die Beine gestellt haben, mit all der Bürokratie. Unser Verein, der ja noch andere Projekte macht, hat jahrelang sehr viel Kraft in die Ibug gesteckt."

Ein Hintergrund ist, dass die jetzigen Macher des Ibug-Vereins aus dem KTW stammen, man sich aber über einige organisatorische Grundlagen nicht mehr einig war. Aufgrund der Vertragsverletzungen kündigte das KTW den Vertrag kurz vor Eröffnung der diesjährigen Ibug, ließ sich aber überreden, diesen Schritt noch mal zu überdenken: Die Schau konnte stattfinden. Nun ist man aber entschlossen, die Kündigung aufrecht zu halten. Bedeutet: Das KTW gibt alle Fördermittel, die man für die diesjährige Ausgabe bekam, zurück - 20.000 Euro an die Kulturstiftung Sachsen, 17.000 an den Kulturraum Vogtland und 12.000 Euro an die Stadt Reichenbach. Der Ibug-Verein muss sie dann quasi rückwirkend neu beantragen. Eventuell nur eine Formalie - sehr aufwändig ist es mindestens.

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