"Ich hatte gar keine Wahl"

Auch im neuen Kinofilm "Star Wars: Die letzten Jedi" ist Mark Hamill als Luke Skywalker zu sehen - Ein Gespräch über die Rolle seines Lebens und wie sein Sohn das sieht

Der Name des US-amerikanischen Schauspielers Mark Hamill ist untrennbar mit der Rolle des Luke Skywalker verbunden, der Zentralfigur der klassischen "Star Wars"-Filme "Krieg der Sterne", "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". An letzteren Film knüpfte 2015 die erfolgreiche Fortsetzung "Das Erwachen der Macht" an, für die der 66-Jährige zu seiner Rolle zurückkehrte. Nun ist Mark Hamill auch im neuen Kinofilm "Star Wars: Die letzten Jedi" zu erleben. Der Film startete gestern in den deutschen Kinos. André Wesche hat sich mit Mark Hamill über den einst unerwarteten Erfolg des "Star-Wars"-Films, über eigentlich absurdes Fantum und seine kürzlich verstorbene Schauspielerkollegin Carrie Fisher unterhalten.

Freie Presse: Im Dezember 1980 sind Sie zur Premiere von "Das Imperium schlägt zurück" nach Berlin gekommen.

Mark Hamill: Das stimmt. Damals stand die Mauer noch. Jetzt bereiten wir den Bau unserer eigenen Mauer vor. Aaach ... Sind wir wirklich nicht dazu in der Lage, etwas hinzuzulernen? Wie peinlich! Ich muss mich bei dieser Gelegenheit bei Ihnen entschuldigen. Meine Stimme hat er jedenfalls nicht gekriegt.

Die Figur des Luke Skywalker hatte einen großen Einfluss auf Ihr Leben. Können Sie beschreiben, was Sie darin sehen?

Zunächst einmal hätte ich nie erwartet, dass sich diese Sache so lange hält, wie sie es tut. "Star Wars" ist überaus populär. Damit geht aber auch etwas anderes einher. Ich nahm an, diese Filme würden für mich mit schönen Erinnerungen verbunden bleiben. Aber es hat sich herausgestellt, dass sie niemals von der Bildfläche verschwunden sind. Es ist natürlich schön, mit einer Sache assoziiert zu werden, an der die ganze Familie Spaß haben kann. Das ist eigentlich die größte Befriedigung. Wer "Star Wars" damals als Kind gesehen hat, geht nun mit seinen eigenen Kindern ins Kino.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Lektüre des "Star Wars"-Drehbuchs?

Ja. Es war ein netter, optimistischer, positiver Film. Ich habe darin immer eher ein Märchen gesehen als echte Science Fiction. Als ich das Buch zum ersten Mal las, erinnerte es mich viel stärker an den "Zauberer von Oz" als an "Forbidden Planet". Besonders markant war für mich der Humor. Die meisten Science-Fiction-Werke geben sich sehr ernst und trocken. "2001" ist ein Klassiker, aber der Film ist nicht gerade sehr heiter. Ich las dieses "Star Wars"-Buch und fand es großartig. Roboter stritten sich darüber, wer die Schuld trägt! Sie beklagten sich, wie sehr sie Ausflüge in den Weltraum hassen! Das war von einer sehr aufrichtigen Einfalt. Natürlich gab es auch ernste Aspekte. Aber ich fand das Buch einfach nur saukomisch. Und dieser Humor ist es, den ich an den Filmen besonders schätze.

Haben Sie für die neuen Filme sofort zugesagt?

Als man mich fragte, ob ich wiederkomme, sagte ein Teil von mir: Ja, schließlich hat es großen Spaß gemacht! Der andere Teil war in Schockstarre. Diese Geschichte hatte einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Wie können wir die Fans noch einmal zufriedenstellen? Wiedervereinigungen enden regelmäßig mit einer Enttäuschung. Oh, meine Lieblingssitcom feiert nach 20 Jahren eine Reunion! Dann sitzt man da und es ist öde. Aber wenn ich es nicht noch einmal machen würde, wäre ich der meistgehasste Mann der ganzen Star-Wars-Gemeinde. Zornige Fans würden sich mit Lichtschwertern vor meinem Haus versammeln wie die Bauern in "Frankenstein" mit ihren Fackeln und Forken. Ich war gefangen und hatte gar keine Wahl.

Luke Skywalker hat vor 40 Jahren Ihr Leben verändert. Glauben Sie, dass es jetzt noch einmal eine Wendung erfahren könnte?

Nein. Ich glaube, ich verstehe das Ganze inzwischen. Auch wenn es eine Zeit gedauert hat, es herauszufinden. Ich sage Ihnen ehrlich, dass wir keine Ahnung hatten, was auf uns zukommt. Ich dachte, wir machen diesen spaßigen Film. Ich hätte mir nicht vorstellen können, zu welcher Supernova sich diese Geschichte entwickelt. Es ist um uns herum passiert, als hätten wir uns im Auge des Hurrikans befunden. Meine Kollegen Carrie Fisher, Harrison Ford und ich haben den Film in Kanada beworben. In der Zwischenzeit lief er in den US-amerikanischen Kinos an. Als wir nach Chicago zurückkehrten, gab es diese große Menschentraube am Flughafen. Ich sagte zu den anderen: Hey Leute, da muss jemand sehr berühmtes im Flugzeug gewesen sein! Wir erwarteten Mick Jagger oder so jemanden. Dann sagte ich zu Carrie: Schau mal, das Mädchen ist genauso gekleidet wie du im Film. Plötzlich sah ich auch Luke-Skywalker-Kostüme. Was passierte da? Es ist schon ein Unterschied, ob man einen Film mag und gut gelaunt nach Hause geht oder ob man sich wie die Filmcharaktere kleidet. So etwas hätten wir niemals erwartet. Die neuen Schauspieler wie Daisy Ridley oder Oscar Isaac wussten, worauf sie sich einlassen und was passieren kann. Ihr Leben kann sich für immer verändern.

Haben Sie ihnen Ratschläge gegeben, wie man mit dem Druck fertig wird?

Ich war für jede Frage offen. Aber diese jungen Schauspieler sind sehr gefestigt. Oscar hat schon viel erreicht. Manchmal habe ich gedacht, ich müsste sie um einen Rat bitten. Sie waren einfach bereit.

Was für ein Gefühl ist es, dass Ihre Filmrolle auch als Actionfigur verkauft wird?

Mein Sohn Nathan wurde geboren, als wir "Das Imperium schlägt zurück" gedreht haben. Bei "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" war er ein Kleinkind. Ich habe George Lucas (Produzent, Drehbuchautor und Regisseur, Anm. d. Red.) gefragt, ob ich auf die Liste derjenigen gesetzt werden kann, die kostenlos mit Star-Wars-Artikeln versorgt werden. Ich dachte an ein T-Shirt oder ein Soundtrack-Album. Ich hatte nicht damit gerechnet, auf elektrischen Zahnbürsten, Unterhosen oder Schlafsäcken abgebildet zu sein. Aber ich liebe all diesen Kram. Ich erinnere mich noch daran, als ich meinem Sohn sagte: Schau mal, mein Gesicht ist auf einer C-3PO-Cerealien-Verpackung! Und er so: Wie auch immer... Es hat ihn einfach nicht interessiert. Aber ich fand es cool.

Waren Sie auch einmal Fan?

Für mich als Elfjährigen waren die "Beatles" das Adäquat zu "Star Wars". Ich konnte es gar nicht fassen! Ich liebte die Musik so sehr und sie waren so lustig drauf. Sie waren auch ziemlich exotisch, ich konnte ihren Akzent nicht einordnen. Ich kann die obsessive Natur des Fantums gut nachvollziehen. Man will alles über seine Idole wissen. Ich würde sie nicht stalken oder vor ihren Häusern herumlungern. Aber meine Faszination ging weit über ihre Musik hinaus.

Sind Sie ein Sammler?

Ich selbst sammle keine "Star Wars"-Artikel. Nathan heute schon. Er trug noch Windeln, als diese großen Kisten von der Firma "Kenner" ankamen. Sein erstes Wort war "Mama". Und ich schwöre, sein drittes Wort war "Kenner". Er hat es sofort erkannt, wenn eine solche Sendung ankam. Natürlich haben wir sie ausgepackt. Ich weiß, dass ich sie als Sammler unversehrt auf den Dachboden hätte bringen müssen. In zehn oder 15 Jahren würden sie ihren Wert enorm steigern. Aber was für ein Vater wäre ich gewesen, wenn ich gesagt hätte: Nein, lass' uns die Sachen für Deinen College-Fond zurücklegen.

Und heute?

Heute schaut Nathan natürlich in die Sammlerkataloge und fragt mich, warum ich ihn die "12 Inch-Prinzessin Leia" habe auspacken lassen. Originalverpackt ist sie heute 1400 Dollar wert. Er fragt: Warum hast du zugelassen, dass ich ihr eine Sinead O'Connor-Frisur verpasse? Ich konnte nur antworten: Weil du es so wolltest.

Apropos Leia. Lucasfilm hat versprochen, die verstorbene Carrie Fisher - die Leia gespielt hat - nicht via Computer wiederauferstehen zu lassen. Glauben Sie daran? Schließlich haben Sie einmal gesagt, dass Lucas es lieben würde, Filme ohne Schauspieler zu drehen.

(lacht) George gehört zu der Generation von Regisseuren, die wirklich eine Filmhochschule besucht haben. Die Postproduktion macht ihm mehr Freude als die Dreharbeiten. Was Carrie anbelangt, muss ich die Produktion tatsächlich beim Wort nehmen. In "Rogue One" hat man Peter Cushing wiederbelebt. Das wirft ethische Fragen auf. Man muss die Genehmigung der Hinterbliebenen einholen. Vielleicht gibt es eines Tages eine perfekte Technologie. Heute kriegen sie meines Erachtens den menschlichen Blick noch nicht richtig hin. Aber wer weiß? Vielleicht wird man eines Tages doch wieder John-Wayne- oder Bob-Hope-Filme drehen. Heute schon verkaufen Gene Kelly oder Marilyn Monroe als Werbeträger Produkte. Ich finde die Entscheidung richtig, Carrie nicht im Computer zu animieren.

Wie schwer ist es für Sie, auf Carrie Fisher verzichten zu müssen?

Wie man es auch dreht, man kann dieser Tatsache nichts Tröstliches abgewinnen. Zunächst war ich sehr zornig. Normalerweise war ihr Timing doch immer hervorragend! Sie sollte im neunten Teil ihren ganz großen Auftritt bekommen. Die Nachricht von ihrem Tod war einfach niederschmetternd. Sie ist unersetzlich. Ich kenne Carrie genau. Wenn sie jetzt hier wäre, würde sie mit mir Unfug treiben. Sie hat mich immer zum Lachen gebracht. Als ich mit ihr nach so vielen Jahren wieder zusammentraf, geschah das auf einer sehr vertrauten, komfortablen Basis. Carries Tod verleiht dem Film eine gewisse Melancholie, die er nicht verdient. Hoffentlich werden die Zuschauer trotzdem mitgerissen. Darum geht es doch in "Star Wars": Triumpf und Tragödie, Leben, Tod und Wiedergeburt.

Vom "Krieg der Sterne" zum Theater am Broadway

Mark Richard Hamill wurde am 25. September 1951 im kalifornischen Oakland geboren. Sein Vater war Captain der US-Navy, weshalb die Familie mit sieben Kindern häufig umziehen musste. Hamill machte seinen Schulabschluss in Japan, um sich anschließend am Los Angeles City College im Fach Schauspiel einzuschreiben.

Seit 1970 steht der Darsteller vor den Kameras, zunächst in einzelnen Episoden beliebter Serien wie "General Hospital" oder "Die Straßen von San Francisco".

Regisseur George Lucas engagiert Hamill nach einem groß angelegten Casting für sein Science-Fiction-Abenteuer "Krieg der Sterne". Es ist der Durchbruch für Hamill - der Film erlangt 1977 Kultstatus, die Hauptrolle des Luke Skywalker macht den jungen Schauspieler über Nacht weltberühmt. Es folgen die Fortsetzungen "Das Imperium schlägt zurück" (1980) und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983).

Doch dem Schauspieler widerfährtein Schicksal, das er mit vielen Kollegen teilt, die man mit ikonischen Rollen identifiziert: Filmemacher schrecken vor seiner Besetzung in anderen Produktionen zurück, weil sie befürchten, das Publikum würde ihn immer nur als Luke Skywalker wahrnehmen. Hamill startet in eine erfolgreiche Theaterkarriere am Broadway, wo er unter anderem in "Amadeus" brilliert. Außerdem wird er als Synchronsprecher aktiv. Sein diabolisches Lachen als Joker in der legendären "Batman"-Zeichentrickserie definiert die Figur bis heute.

Mit der Dentalhygienikerin Marilou York ist Mark Hamill liiert und hat drei erwachsene Kinder.

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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