"In aller Freundschaft" wird 20: Ärzte, die nur ganz selten scheitern

"In aller Freundschaft" gehört seit 20 Jahren zu den erfolgreichsten Produktionen der ARD. Dabei ist die Machart alles andere als modern.

Chemnitz.

600 Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren am letzten Samstag beim Fantreffen in Leipzig dabei. "Es hätten 60.000 sein können", weiß Steffi Theuring von Saxonia Media, die "In aller Freundschaft" seit 20 Jahren produziert. "I.A.F." - so das Fan-Kürzel für die Serie - startete am 26. Oktober 1998 und ist gleich nach dem "Tatort" eine der erfolgreichsten fiktionalen Sendungen im Ersten.

5 bis 6 Millionen Zuschauer sehen jede Woche auf dem Dienstagsprogrammplatz in die Gänge, Krankenzimmer und Operationsräume der Sachsenklinik. Eine Familie (Ehepaar mit Tochter) aus Arnsberg im Sauerland schaut jede Woche gemeinsam zu. Beim Fantreffen sagt der Arnsberger Vater: "Wir freuen uns jeden Dienstag auf die Serie und genießen die Geschichten." Die Tochter - noch keine 20 Jahre alt- stimmt begeistert zu. Selbst bei den 14- bis 49-Jährigen lässt "I.A.F." einen Großteil der Konkurrenz hinter sich. Gerade in dieser Zielgruppe hat die ARD sonst Probleme.

Und das mag dann doch verwundern. Denn "In aller Freundschaft" ist eine eher konventionell gestrickte Produktion. So wurde schon vor 30 Jahren Fernsehen gemacht, als hätte es "Chicago Hope", "Emergency Room" oder "Dr. House" nie gegeben. Immerhin - die drei amerikanischen Serien sind längst eingestellt. Die Sachsenklinik gibt es immer noch - und ihr TV-Universum hat sich sogar vergrößert. In Erfurt werden seit Anfang 2015 "Die jungen Ärzte" des Johannes-Thal-Klinikums auf die Patienten losgelassen und ab 1. November kümmern sich "Die Krankenschwestern" im Hallenser Volkmann-Klinikum um die Sorgen und Nöte ihrer Klientel. Man darf annehmen, dass sie das quotentechnisch ebenfalls mit Erfolg tun werden.

Für den federführenden MDR ist "I.A.F" ein großer Erfolg, und der Zuschauer hatte es selbst als Nichtfan in den vergangenen Tagen schwer, dem Hype um das Jubiläum zu entgehen. Im Radio wurde Schauspieler Thomas Rühmann einen ganzen Vormittag in der MDR-Sachsen-Sendung "Sonntagsbrunch" befragt. Das Magazin "Hauptsache gesund" berichtete hinter den Kulissen und fragte allen Ernstes, was Fernsehärzte von echten Ärzten unterscheidet. In der TV-Sendung "MDR um 4" waren und sind "I.A.F."-Schauspieler Gäste, genau wie in der MDR-Talkshow "Riverboat" letzten Freitag. Vom Fantreffen in Leipzig wurde live berichtet, am Dienstag werden die Fans gleich mit zwei neuen Folgen, es sind die 829. und 830., beglückt. Das große Finale folgt schließlich am Freitag mit einem Special in Spielfilmlänge, das im Trailer wie eine Mischung aus "Traumschiff" und "I.A.F." anmutet. Dr. Roland Heilmann (Thomas Rühmann) wird zu einem internationalen Ärztekongress nach Thailand eingeladen. Verwaltungsdirektorin Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt) ist begeistert, hofft sie doch auf neue Kontakte, Gelder und Synergien.

Und auch am 20. November können die Zuschauerzähler noch einmal mit sehr überdurchschnittlichen Einschaltquoten rechnen. Denn dann wird der ehemalige Klinikdirektor Gernot Simoni die Serie für immer verlassen. Dieter Bellmann, der ihn seit 1998 verkörperte, verstarb im November 2017. Auch Hendrikje Fitz und Fred Delmare wurden nach ihrem tatsächlichen Tod mit einem Serientod noch einmal gewürdigt. "Wir kennen uns so lange, wir arbeiten so lange zusammen, da entstehen auch echte Freundschaften", so Alexa Maria Surholt.

Das Wohlgefühl scheint sich auch auf den Zuschauer zu übertragen: So könnte, nein so sollte Medizin weit weg von reinen Kosten-Nutzen-Analysen aussehen - mit in der Regel mindestens empathischen Ärzten und Schwestern, die ihr Handwerk verstehen und nur ganz selten scheitern. Die großen Konflikte dieser Welt bleiben in der Sachsenklinik, in der nur wenig Sächsisch gesprochen wird, meistens außen vor. Selbst die spannende Stadt Leipzig ist nur ein eher unbedeutendes Universum am Rande des Krankenhauses.

"Wir erzählen die Geschichten mit viel Liebe zu den Figuren. Dabei gehen wir auf ihre kleinen wie großen Sorgen ein", erklärt MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt den Erfolg der "I.A.F"-Serie, die bis mindestens 2020 im Programm bleibt. "Wir lassen die Zuschauerinnen und Zuschauer dramatische und spannende, aber auch romantische und humorvolle Momente erleben", so Brandt, die seit 19 Jahren die Erfolgsserie verantwortet. Genau das wünscht sich offenbar die deutsche Fernsehfamilie am Dienstagabend, an dem das Wochenende noch wie ein Heilsversprechen in ferner Zukunft erscheint.

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