Kabarettist Alfons: Ich versuche immer, Vermittler zu sein

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Der Kabarettist über seine DDR-Jacke und sein aktuelles Programm

Als Emmanuel Peterfalvi ist er eher unbekannt, als "Alfons" kennen ihn dagegen viele. Mit Puschelmikrofon und Trainingsjacke hat er sich in die Herzen seiner Fans gespielt. Am Freitag ist er in Bad Elster zu erleben. Maurice Querner hat mit Alfons gesprochen.

Freie Presse: Wie ist es für Sie nach der langen Corona-Zeit, nun wieder vor Publikum zu stehen.

Emmanuel Peterfalvi: Das ist toll, wir haben es lange vermisst. Wir haben alle irgendwie andere Wege gefunden, die Zeit zu vertreiben und die Gehirne zu motivieren. Aber jeder, der seit dieser blöden Zeit wieder im Theater gewesen ist, weiß, dass Theater durch nichts zu ersetzen ist.

Freie Presse: Man kennt Sie durch ihre Trainingsjacke und ihr großes Puschelmikrofon. Werden Sie auch ohne erkannt?

Emmanuel Peterfalvi: Also ohne meine DDR-Jacke und Puschelmikrofon passiert es selten, dass mich jemand erkennt. Und das ist eigentlich ziemlich angenehm. Eine Superdosis: Einmal am Tag sagt mir einer "Oh Du bist toll!". Das ist perfekt für mein Ego und gleichzeitig angenehm für mein Privatleben.

Freie Presse: Ist es wirklich eine DDR-Jacke, die sie da tragen?

Emmanuel Peterfalvi: Das ist wirklich eine DDR-Jacke und ich suche seit zwanzig Jahren wie verrückt eine zweite. Ich war in vielen Second-Hand-Läden, habe die Jacke im MDR-Fernsehen gezeigt und habe mit so vielen Leuten im Osten gesprochen. Es gibt noch ganz viele DDR-Jacken, auch schräge, nur diese eine finde ich einfach kein zweites Mal.

Freie Presse: Wie ist Ihr Alfons entstanden?

Emmanuel Peterfalvi: Dies hing mit der Jacke zusammen, ich habe sie gefunden, angezogen und dann ist etwas Magisches passiert: Alfons wurde geboren. Das ist wirklich wahr. Ab da hatte ich ein Puschelmikrofon und stand vor einer Kamera und habe Leute befragt. Mittlerweile habe ich kein Puschelmikrofon mehr und werde die Leute in meinen Shows nicht befragen, auch nicht in der ersten Reihe. Aber das Fragende, das Suchende, das vielleicht etwas Naive und das Menschliche hat sich Alfons erhalten.

Freie Presse: Ihr aktuelles Programm heißt "Jetzt noch deutscherer!". Empfinden Sie als Franzose bei Ihren Tourneen noch Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschen?

Emmanuel Peterfalvi: Ja, man merkt, dass es einen Unterschied gibt. Auch wenn man sich das Gegenteil wünschen würde. Ich bin ziemlich viel auch im Osten aufgetreten und habe die Ressentiments und Missverständnisse auf beiden Seiten bemerkt.

Freie Presse: Sind Sie da so ein bisschen ein deutsch-deutscher Vermittler?

Emmanuel Peterfalvi: Ich versuche immer ein Vermittler zwischen den Menschen zu sein. Das liegt mir und wenn ich es schaffe, macht mich das glücklich.

Freie Presse: Sie haben als Franzose und Comedian das Bundesverdienstkreuz erhalten. Wegen Ihrer aktuellen Show?

Emmanuel Peterfalvi: Nein, "Jetzt noch deutscherer!" kam davor. Aber man weiß nie so ganz genau, warum man diese Auszeichnung bekommt. Es gibt zwar eine Begründung, und wenn man diese liest, dann korrespondiert sie doch sehr mit dem aktuellen Programm. Denn es ist tatsächlich eine Umarmung, ein Versöhnungsprogramm sozusagen. In der Begründung stand: "Alfons ist ein Botschafter für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung". Es ist eine große Ehre, das über sich selbst zu lesen.

Freie Presse: Sie sind bekannt geworden in der Rolle des freundlichen Fragestellers. Doch die Antworten waren ja nicht immer angenehm, wie haben Sie das als Kunstfigur empfunden?

Emmanuel Peterfalvi: Immer mit Interesse. Und da brauche ich nicht in der Kunstfigur zu sein, sondern es interessiert mich wirklich, wie wir Menschen denken und wie wir Menschen funktionieren. Wenn ich eine erwartbare Antwort bekomme, wird es schnell langweilig. Andere Antworten können tatsächlich schockieren oder zum Nachdenken bringen. Dann wird es interessant.

Freie Presse: Sie sind auch Träger des Deutsch-Französischen Freundschaftspreises. Wie selbstverständlich ist heute diese Freundschaft?

Emmanuel Peterfalvi: Ich glaube, dass sie heute ziemlich selbstverständlich ist. Aber man darf nie vergessen, warum die Europäische Union überhaupt gegründet wurde, weil zwischen Deutschen und Franzosen ständig Kriege geführt wurden.

Freie Presse: Wie lustig finden Sie eigentlich die Deutschen?

Emmanuel Peterfalvi: Ich weiß nicht, ob lustig das richtige Wort ist. Ich amüsiere mich wirklich sehr und viel in Deutschland, weil die Deutschen immer das Gefühl haben, keinen Humor zu haben und streng zu sein. Und das stimmt nicht. Aber ich darf das nicht laut sagen, sonst habe ich keinen Beruf mehr.

Freie Presse: Was ist über die Jahre bei Ihnen selbst deutscher geworden, was ist französisch geblieben?

Emmanuel Peterfalvi: Deutsch an mir ist eine gewisse Pünktlichkeit, die ich auch von anderen erwarte. Und wenn man das in Frankreich macht, ist man komplett verloren. Dort erwartet keiner Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Und wenn man so lange wie ich in Deutschland lebt, vergisst man einfach, dass man in Frankreich komplett anders tickt. Was in mir französisch geblieben ist, sind so ein paar Dinge, die ich selbst für komplett absurd halte. Zum Beispiel Überpünktlichkeit. Mich nervt es total, anderthalb Stunden beim Arzt zu warten. Und wenn ein Arzt dann doch einen Patienten pünktlich empfängt, wird das für unnormal gehalten.

Freie Presse: In Deutschland sang einst Marlene Dietrich "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin". Haben Sie noch einen in Paris?

Emmanuel Peterfalvi: Ich habe eine Truhe irgendwo zwischen Paris und Hamburg. Da waren alle meine Sachen drin. Doch diese Truhe ist verloren gegangen.

Freie Presse: Sie haben das Projekt "Le Freundeskreis" kreiert, was hat es damit auf sich?

Emmanuel Peterfalvi: Das war ein Internetprojekt, das wir in der Coronazeit gemacht haben. Ich wollte es nun eigentlich einstellen, doch Freunde haben gesagt, ich wäre wahnsinnig, wenn ich dies tun würde. "Le Freundeskreis" ist ein Kreis von Freunden, die Alfons mögen, denen es zudem nicht ausreicht, ihn nur von Zeit zu Zeit in den Shows auf Tour zu sehen. Man meldet sich an und dann gibt es jeden Montag etwas von mir. Das kann mal eine Geschichte sein, die ich noch niemanden erzählt habe. Das können auch Dinge sein, die mir privat passieren und die nur bei "Le Freundeskreis" exklusiv veröffentlicht werden. Wir haben zudem ein Riesenarchiv mit vielen Clips, die nie gesendet wurden. Die Idee ist, dass jeder ein bisschen Geld für die Produktion dieser Beiträge gibt. Ich verdiene daran nichts. Aber um sehr mehr Leute sich anmelden und Geld geben, desto besser können wir produzieren.

Freie Presse: Warum kommen Sie immer am Montag mit neuen Beiträgen?

Emmanuel Peterfalvi: Nun wir wissen doch, dass Montag ein schwieriger Tag ist. Ich wollte den Leuten am Montagmorgen unbedingt ein Lächeln geben. Natürlich gibt es auch Menschen, die das ausgerechnet am Montag nicht ertragen können. Aber fast alle schauen es sich am Montag an und sagen, dass ihr Montag komplett anders ist.MQU

www.le-freundeskreis.de

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