Kino-Dilemma in Sachsen: Öffnung möglich, Filme Mangelware

Nach wochenlanger Zwangspause dürfen Kinos in Sachsen wieder öffnen. Doch Betreiber halten die Lichtspielhäuser weiter geschlossen. Auch weil es kaum Filme gibt.

Leipzig/Chemnitz (dpa/sn) - Schwarze Leinwände, leere Sessel - seit fast zwei Monaten sind Kinos in Sachsen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Ab diesem Freitag (15. Mai) dürfen die Lichtspielhäuser im Freistaat nun wieder öffnen. Theoretisch. Denn Kinobetreibern fehlen Filme, die sie zeigen könnten. Viele Kinos in Sachsen bleiben daher noch länger geschlossen. Darunter sind die Kinos der Cinestar-Kette in Chemnitz, Crimmitschau und Leipzig.

Die Geschäftsführerin der Passage Kinos in Leipzig, Petra Klemann, will erst am 2. Juli starten. Der Verband AG Kino wolle den Termin auf Initiative zahlreicher Programmkinos bundesweit vorschlagen, sagt Klemann. Dadurch könnten sich sowohl Kinos als auch Verleiher auf den Start vorbereiten. Klemann wurde nach eigenen Angaben von den Lockerungen überrascht: «Wir haben uns am Ende der Öffnungskette gewähnt.»

Auch im Programmkino Ost in Dresden sollen erst etwa Anfang Juli wieder Filme laufen, wie Geschäftsführer Sven Weser sagt. Eigentlich hatte er geplant, ab 11. Juni Christian Petzolds Film «Undine» zu zeigen. Doch der Verleiher habe den Liefertermin nach hinten verschoben. Auch «Berlin Alexanderplatz» von Regisseur Burhan Qurbani ist theoretisch bereit für die Leinwand - die Literaturverfilmung soll nach einer Verschiebung laut derzeitiger Planung nun am 25. Juni anlaufen.

Ohne Filme kein großes Kino. «Man kommt sich vor, wie ein Freibad-Betreiber, der wieder öffnen darf, aber kein Wasser einfüllen darf», beschreibt Weser das Dilemma. Das Zeigen von Filmen, die bereits vor der Corona-Pause liefen wie «Die Känguru-Chroniken», sei im Programmkino Ost auf Dauer keine Option. «Kino lebt von Neuheiten», sagt Weser.

Für Verleiher lohnt ein Kinostart jedoch oft nur, wenn bundesweit Häuser offen sind. Zudem fehlen die internationalen Märkte. Geschäftsführer Michael Kölmel vom Leipziger Filmverleih Weltkino sagt: «Wir hätten uns selbstverständlich einen einheitlichen Termin für die Wiedereröffnung gewünscht, da Kinofilme deutschlandweit an den Start gehen und die Promotion schwierig ist, wenn alle Kinos zu unterschiedlichen Zeiten öffnen.»

Allerdings gestalten sich die Wiedereröffnungen je nach Region derzeit sehr unterschiedlich: In den meisten Bundesländern bleiben die Säle noch geschlossen. In Hessen dürfen Kinos bereits seit einigen Tagen aufmachen, in Nordrhein-Westfalen sollen sie Ende Mai öffnen dürfen, in Schleswig-Holstein kommende Woche. Und in Sachsen eben am Freitag.

Zu dem Termin wollen jedoch auch die Kinos der Kette Cinestar in Chemnitz, Leipzig und Crimmitschau nicht öffnen. «Insgesamt rechnen wir derzeit mit einem realistischen Eröffnungstermin in drei Wochen», so Geschäftsführer Oliver Fock. Es müsse sichergestellt werden, dass Filme da seien, außerdem müssten Mitarbeiter geregelt aus der Kurzarbeit geholt werden. «Ob eine Eröffnung wirtschaftlich sinnvoll ist, ist ebenfalls abhängig von der jeweiligen Entscheidung des Bundeslandes und wird von der Anzahl der Personenbeschränkung bestimmt», so Fock.

Sachsens Kinos, so steht es in der Schutzverordnung, benötigen für die Wiedereröffnung ein Hygienekonzept. Die Vorkehrungen leuchteten ihm ein, sagt Geschäftsführer Weser vom Programmkino Ost. Wenn er aber, um 1,50 Meter Abstand zwischen den Besuchern zu halten, jede zweite Reihe und zwischen den Besuchern zwei Plätze freilässt, dann passen nach seinen Angaben etwa elf einzelne Besucher in einen Kinosaal mit 100 Plätzen. «Wirtschaftlich ist das nicht.» Grundsätzlich freut sich Weser aber, dass er irgendwann wieder loslegen darf.

Der Filmverleih Weltkino plant die Starts des Liebesdramas «Wir beide» und des Dokumentarfilms «Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien» für August. Kinos, die vorher öffnen, biete der Verleih Vor-Corona-Filme zu Sonderkonditionen an, sagt Kölmel. «Darüber hinaus werden wir den Kinos die Möglichkeit geben, unsere kommenden Neuerscheinungen als Previews zu zeigen.» Der Filmverleih will flexibel bleiben in dieser Zeit, in der häufig nur die nächste Woche planbar ist. Auch ein Vorziehen von Titeln schließt Kölmel bei entsprechender Nachfrage nicht aus.

 

 

Dresden (dpa/sn) - «Insgesamt rechnen wir derzeit mit einem realistischen Eröffnungstermin in drei Wochen», teilte Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock mit.

«Es ist eine unschöne Situation, die vermeidbar gewesen wäre, wenn man auf unsere Branche besser eingegangen wäre», sagte der Geschäftsführer vom Programmkino Ost in Dresden, Sven Weser. Er plant mit einem Neustart etwa Anfang Juli. Viele Häuser konnten sich laut Weser nicht auf die kurzfristige Öffnung vorbereiten. Filmverleiher böten kaum Streifen an.

Denn für Verleiher lohnt ein Kinostart oft nur, wenn bundesweit Häuser offen sind. Geschäftsführer Michael Kölmel vom Leipziger Filmverleih Weltkino sagte: «Wir hätten uns selbstverständlich einen einheitlichen Termin für die Wiedereröffnung gewünscht, da Kinofilme deutschlandweit an den Start gehen.»

Auch Restaurants, Kneipen, Biergärten, Hotels, Freibäder und Theater dürfen am Freitag in Sachsen wieder aufmachen. Hallenbäder, Saunen, Clubs und Volksfeste bleiben weiterhin tabu.

3Kommentare

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    Gegs
    14.05.2020

    Erinnert mich an Willy Schwabes Rumpelkammer - und ja ich wäre dabei.

    Nur fürchte ich, dass es auch auch bei den Klassikern schwer wird, die Filme kurzfristig zu besorgen.

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    1
    Freigeist14
    14.05.2020

    Filme mit Theo Lingen oder Paul Hörbiger wären auch mal wieder sehenswert .

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    4
    FromtheWastelands
    14.05.2020

    Keine neuen Filme da, wo ist das Problem? Zeigt Klassiker, zeigt Filme die sonst nicht im Kino laufen, zeigt Retrospektiven bekannter Filmemacher!
    Ich würde gerne die klassischen Filme von Akira Kurosawa, Fritz Lang oder Werner Herzog im Kino sehen, man könnte Filmreihen wie Herr der Ringe wieder zeigen oder Themenwochen zu Filmsparten wie Anime oder Horror.
    Ich bin garantiert nicht der Einzige der da die Kinos stürmen würde.