Konzertreihe Artmontan: Die Magie der Steine

Hinter Artmontan verbirgt sich seit über 20 Jahren eine kleine, aber feine Konzertreihe im Erzgebirge. Jetzt liegt das Jahresprogramm 2019 vor. Binnen zwei Wochen sind 80 Prozent der Karten bereits weg. Was macht den Erfolg aus?

Aue/Schwarzenberg.

Dem Begriff Artmontan wohnt ein Zauber inne. Anders lässt sich der enorme Zuspruch, den die Konzertreihe nun schon seit zwei Jahrzehnten erhält, kaum erklären. Dabei geht es schlichtweg um Kunst im Berg.

Wer nun an Volksmusik und Heile-Welt-Klischees denkt, der irrt. Artmontan - dahinter verbirgt sich eine Konzertreihe in Regie des Kulturbetriebes im Erzgebirgskreis. Konzerte mit Musikern, die Namen tragen, die keineswegs stets im bunten Promi-Blätterwald oder im Fernsehen auftauchen, ihre Kunst aber dennoch perfekt beherrschen. Sie sind zu erleben vor oder in den Kulissen ungewöhnlicher Spielstätten, wie alten, unterirdischen Bergwerken, steinernen Höhlen oder in modernen Fabrikhallen, in denen späterhin das Metall verarbeitet wird. Das alles wird oft in Kombination mit Licht oder Tanz beeindruckend in Szene gesetzt. Diese Erfolgsmischung funktioniert seit mehr als 20 Jahren und erfreut sich noch immer wachsender Beliebtheit.

Bernd und Cornelia Engelhardt aus Plauen sind Stammgäste der Konzertreihe von der ersten Auflage an: "Wir kommen regelmäßig. Denn Artmontan überrascht uns mit jedem Konzert. Nichts gleicht sich, es ist immer anders, aber immer verblüffend", schwärmt der 72-jährige Plauener. Faszinierend findet er die Auswahl und die Güte der Musiker, Ensembles oder Gruppen, die auftreten. "Das sind Leute, Könner ihres Faches, die es meines Erachtens oftmals viel eher verdient hätten, in den Medien gezeigt zu werden, als mancher B-Promi, den man uns wieder und wieder präsentiert", meint Engelhardt.

Und tatsächlich bestätigt Uwe Schreier, der Leiter des Kulturbetriebes im Erzgebirgskreis, dass eine Prämisse für die Auswahl der Akteure für die Konzertreihe lautet: "Wir holen uns bewusst Künstler, die hierzulande nicht so oft zu erleben sind. Eben auch hierzulande Unbekannte. Wenngleich die Bands dennoch in ihrem Genre ein hohes Renommeé besitzen und über musikalisches Können verfügen." Als Beispiele nennt er Les Haricots Rouges (Die roten Bohnen) aus Frankreich. In ihrer Heimat ein absoluter Geheimtipp. Eine Band, die mit Witz, Charme und unglaublicher Musikalität die Zuhörer mitreißt. Aber sie treten nicht irgendwo auf, sondern ihre Bühne ist dann eben die Ladefläche eines alten Eisenbahnwaggons, der umringt von alten Dampfloks inmitten des Eisenbahnmuseums in Schwarzenberg steht. Die Gäste? Sie sitzen an Festzeltgarnituren förmlich zwischen den Gleisen. "Das stört keinen. Genau das ist ja das Besondere", schwärmt auch Bernd Engelhardt, der die Karten für 2019 schon sicher hat.

Allein der gut 800 Meter lange Weg durch die riesige Betonröhre zur unterirdischen Kaverne im Pumpspeicherkraftwerk Markersbach ist ein Entree-Erlebnis für die Konzertbesucher. Dass die Gäste diesen Zugang in das unterirdische Steinmassiv mit Schutzhelm zurücklegen müssen, stört keinen. "Im Gegenteil. Das erhöht den Reiz. Davon sind viele fasziniert", sagt Uwe Schreier. Zu diesen Konzerten kommt der Gast auch nicht im feinen Zwirn oder gar Abendkleid. Festes Schuhwerk und eine Jacke sind stets angeraten. Wenngleich die Kaverne für die Konzerte angenehm geheizt wird. Der besondere Reiz dieses Raumes ist das Wissen um die Tatsache, dass sich über den Köpfen der Gäste und hinter den dicken steinernen Wänden Turbinen und etwa 300 Meter oberhalb gut sechs Millionen Kubikmeter Wasser des Oberbeckens befinden. Eine Vorstellung, die bei manchem Besucher womöglich neben den Gänsehautmomenten der Musik zusätzliches Bauchgrummeln verursacht.

Die Konzertreihe entstand 1998 und ist an die vier Bergquartale angelehnt. "Im Erzgebirge rührt eben vieles vom Bergbau her, das wollten wir mit den vier Konzert-Wochenenden pro Jahr widerspiegeln", erklärt Schreier. Mittlerweile aber hat zusätzlich ein fünfter Termin seinen festen Platz im Programmheft erobert: der musikalische Jahresauftakt mit Dixieland in der Kaverne. Anfangs wollte man Dixieland im Rahmen von Artmontan eben auch nur mal probieren. Durch die enorme Resonanz ist daraus inzwischen eine Bonusveranstaltung geworden, die stets zu Jahresbeginn drei, manchmal auch vier eigene Konzerttage erhält, an denen bis zu sechs Veranstaltungen laufen - alle restlos ausverkauft. "Dass Dixieland so gut angenommen wird, hätte anfangs keiner von uns gedacht. Aber da werden wir jedes Jahr förmlich überrannt", sagt Schreier, der mit The Busquitos aus den Niederlanden und der Greentown Jazzband aus Slowenien wieder zwei Trümpfe im Ärmel hat.

Jedes Artmontanjahr steht unter einem speziellen Thema, das sich durchzieht. In diesem Jahr heißt es "Auch der Weg ist Ziel". Auf diesem steht als nächstes unter dem Stichwort "Losspurten" am 22. September noch die angekündigte "wildeste Weltmusikfusion des Jahres" ins Haus. Dann vereinen sich für einen Gig die Bands Apparatschik und Schnaftl Ufftschik zu Apparufftschik. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Das wissen die Veranstalter übrigens oftmals selber nicht, wie Schreier gesteht. Aber genau das ist es, was die Konzertreihe auch für treue Stammgäste wie die Engelhardts aus Plauen so besonders reizvoll macht.

2019 lautet das Jahresmotto "So bunt wie die Farben des Jahres", und die musikalische Mischung reicht erneut von Jazz bis Klassik mit Künstlern aus ganz Europa. Vor zwei Wochen wurde das Programm fürs kommende Jahr vorgelegt. Und schon heute sind 80 Prozent der Karten reserviert. "Das Publikum vertraut uns, dass wir etwas Besonderes bringen", sagt Schreier. Und nicht selten werden bei großer Nachfrage aus einem Konzerttermin dann zwei oder gar drei.

Karten für Konzerte der Artmontan-Kulturtage im Erzgebirge sind ausschließlich über den Kulturbetrieb erhältlich. Termine und Preise unter www.artmontan.de

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