Kosmos Chemnitz: Songs für Felix

Nach dem starken Grönemeyer bot "Kosmos Chemnitz" noch eine fiebrige Allstar-Klubshow voller Überraschungen.

Chemnitz.

Was man sich vielleicht vor Augen halten muss: Festivals werden heutzutage mindestens ein Jahr im Voraus geplant. Vor allem, was die zugkräftigeren Künstler und speziell die Headliner angeht - die sind in einer Zeit, in der fast jedes Wochenende in Deutschland mehrere große Festivals stattfinden, rar. Bedeutet: Wer im Februar, März was für den Sommer sucht, hat schlechte Karten, gute Beziehungen her oder hin. Insofern kann man das gebotene Abendprogramm beim "Kosmos Chemnitz" nur als spektakulär bezeichnen, was dann auch auf den routinierten, blitzsauberen Auftritt von Herbert Grönemeyer durchfärbte. Auch wenn mancher sich den Deutschrock-König vielleicht einen Tick spritziger und vor allem etwas lauter gewünscht hätte (hinter dem zweiten Wellenbrecher war nur noch wenig zu hören) - der 63-jährige "Gröni" bot einen guten Mix seiner langen Karriere mit vielen "neutralen" Hits wie "Vollmond", "Männer", "Alkohol" und einer durchaus gültigen Version von "Flugzeuge im Bauch". Dazwischen gab es gut platzierte "Nachdenk-Nummern" wie "Bleibt alles anders" und natürlich "Mensch" mit ein paar klaren, aber nicht aufgesetzt agitatorischen Ansagen. Eine bodenständige, unterm Strich sehr lohnende Darbietung als passender offizieller Abschluss eines großartigen Tages.

Mehr oder weniger "unter der Hand" ging es aber noch bis etwa zwei Uhr weiter: Kraftklub-Sänger Felix Kummer hatte den Tag über in den sozialen Medien durchsickern lassen, dass es sich lohnen könnte, anlässlich einer Nachfeier seines Geburtstages ins Weltecho zu pilgern. Ergo war der Laden 22 Uhr zugestopft, und zwei Stunden später, in denen das Publikum das Kommende schon halbwegs vollständig A-cappella in die sauerstoffarme Saunaluft gebrüllt hatte, konnte man etliche der fiebrigeren Künstler des "Kosmos" nochmal im kleinen Kreis erleben. Plus einige Überraschungen: Die erste war Rapper Casper, der mit Felix in "Ganz schön okay" einstieg, was den Tag ziemlich perfekt zusammenfasste. Danach gab es zusammen mit Karl Schumann die Seven-Inch-Version von "Songs für Liam". Dann kam zusätzlich Rapper Felly auf die Minibühne - gemeinsam riss man dessen "Ibrahimovic" ab, gefolgt von Kummers Carsten-Chemnitz-Feature "Keiner mag dich". Rapperin Nura gab dann "Scheine" zum Besten - und ging ansatzlos in "36 Grad" über, zusammen mit Carsten "Kummer" Chemnitz und dem Duo Zugezogen Maskulin, bei dessen starken "Kopp"-Auftritt der Song vor Grönemeyer bereits ein Höhepunkt gewesen war. In Sachen Eskalation war da im "Weltecho" längst der Anschlag erreicht.

Nach "Endlich wieder Krieg" gab es dann eine Premiere: Felix Kummer führte seinen neuen Solo-Song "9010" erstmals live auf, was prächtig funktioniert. Dazu holte er den Produzent Blvth auf die Bühne, der noch ein eigenes Stück bringen durfte. Rapper Tarik vertrat dann im Alleingang seine Band K.I.Z., die am Samstag das Kosmonaut-Festival headlinen wird, mit "Ehrenlos" und "Ein Affe und ein Pferd". Wer hat nochmal behauptet, 110 Prozent könnten nicht aus einem Publikum gequetscht werden? Danach setzte Alligatoah einen smarten Kontrapunkt, bevor Felix herzerwärmend nett in die Vergangenheit eintauchte und seinen ersten Partner auf die Bühne holte: Linus der Profi wurde von einem sichtlich motivierten Felly unterstützt, bevor er zusammen mit Felix in Bernd-Bass-Pose das erste Lebenszeichen "Supermarkt" aufführte. Den krönenden Abschluss bildeten schließlich Blond - und ein gemeinsames "500K".

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...