Kunstprojekt Gegenwarten in Chemnitz: Die wunden Punkte

Selten hat ein Kunstprojekt so viele Diskussionen ausgelöst wie die "Gegenwarten" in Chemnitz - von begeisterter Zustimmung bis zur totalen Ablehnung. Eine Zwischenbilanz.

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1111 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    j35r99
    28.09.2020

    Um mal bei den "Gegenwarten" zu bleiben.
    Es ist schon eine Kunst, wie man die Annaberger Str. mit "vier" Bauarbeitern(zwei je
    Abschnitt Zöblitzer Str. bis Olbernhauer Str. und zwei Alte Harth bis Klaffenbacher Str.) wochenlang im Stau hält!
    Das sind eigentliche Probleme und nicht das Auto im Schloßteich.
    Haben wir den verlernt, wie Baustellen organisiert, betrieben und befahrbar gehalten werden?
    Ich bedaure die Kraftfahrer, die diesen Irrsinn jeden Tag ertragen müssen.

  • 2
    2
    mops0106
    28.09.2020

    Klapa, ich gestehe, dass ich abstrakte Kunst mag, mehr als Gegenständliches; zumindest im farbigen Bereich.
    Solange sich Käufer finden. Die Uhr finde ich übrigens gut vom Design.

  • 4
    3
    klapa
    28.09.2020

    Ein weiteres Beispiel für sinnfreie bzw. sinnlose 'Kunst' wir hier seviert.

    - https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tierische-gemaelde-ein-schwein-namens-pigcasso-erobert-die-kunstwelt.07f5675e-3f44-4f35-b67e-b8f78cfc8923.html

    ' Das Schwein Pigcasso aus Franschoek in Südafrika suhlt sich nicht nur gerne im Schlamm, es malt auch abstrakte Bilder. Die Schweinedame scheint eine talentierte Malerin zu sein. Denn die Besitzerin verkauft die Werke des Tiers zum Teil für mehrere Tausend Euro.'

    Das ist auch die dekadente Welt, in der wir leben.

  • 2
    1
    Maschinenbauer
    28.09.2020

    @DS91: Man kann belehren, agitieren und persönlich werden. Man kann aber auch bei den Fakten bleiben. Die Zahlen / Budgets / Verantwortungsstrukturen der Stadt Chemnitz sprechen eine eindeutige Sprache und beweisen, dass Kunst und Kultur stärker gefördert werden, als Bildung, Freizeitangebote, Sport und Maßnahmen zur aktiven Ansiedlung von Unternehmen. Und es geht nicht darum, Kunst und Kultur abzuschaffen, im Gegenteil. Aber das darf nicht der Hauptfokus sein. Und das ist leider in dieser Stadt so. Es muss eine gute Balance zwischen Investitionen in Zuzug und den Ausgaben geben, die die Lebensqualität der Einwohner erhöhen. Es gibt z.B. innerhalb der Stadtverwaltung keinen Verantwortlichen für Wirtschaft oder Verkehr(sanbindung). Das spricht doch schon mal Bände. Die CWE, deren eigentliche Funktion es wäre, Unternehmen für Chemnitz zu akquirieren, ist außerhalb der Stadtverwaltung angesiedelt und hat begrenzte Befugnisse und Budgets. Für CWE sind 2020 1,9 Mio eingeplant (im Gegensatz zu 3 Mio für die Kunstsammlung) und der größte Anteil geht in Richtung Kultur(hauptstadt). Für Wirtschaftsansiedlungen braucht es ein tragfähiges Konzept über verfügbare Gewerbeflächen in und um Chemnitz mit einem ganzheitlichen Vermarktungsansatz, definierte Zielbranchen, Helfer für Behördengänge und Durchsetzung anderer Standortfaktoren und die Bereitschaft der Verantwortlichen der Stadt, sich hier in entsprechenden Netzwerken mit den Entscheidungsträgern der Wirtschaft und den Verbänden zu engagieren. Das hat bisher nicht stattgefunden. Chemnitz ist eine Quelle von klugen, kreativen Menschen, die seit jeher in Wissenschaft, Produktion und Innovation stark waren. Das ist der Markenkern dieser Stadt und den sollte man nicht verbiegen, sondern stärken. Daraus lässt sich richtig was machen. Der Wunsch nach Kunst und Kultur kommt dann automatisch und mit mehr Unternehmen ist auch die Bereitschaft für deren Sponsoring höher. Und sicher ist auch, dass Zuzug mit mehr Ansiedlung von Unternehmen eine deutlich stärkere Wirkung auf Hotels, Gastronomie, Veranstaltungstechnik hat, als die paar auswärtigen Besucher der Kunstsammlung.

  • 6
    6
    DS91
    28.09.2020

    @Maschinenbauer

    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Die Kultur ist mit der größte Arbeitgeber in Chemnitz, Hotels, Gastronomie, Veranstaltungstechinik all diese Branchen hängen direkt mit dran. Hinzu kommen die sogenannten weichen Standortfaktoren. Und genau diese sind schon heute für Unternehmensansiedlungen entscheidend!

    Wenn Sie als Firma einen neuen Standort entwickeln möchten, stellen Sie sich eine entsprechende Frage. Wo und wie leben meine Mitarbeiter, wo finde ich noch diese Fachkräfte und womit kann ich spezialisten aus anderen Regionen für mein Standort begeistern.

    Geld - und das haben alle Städte gelernt spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

    Genau da setzt eine Stadt mit ein reichhaltigen Kulturangebot an. Dabei beginnt Kultur schon durch Straßenfeste, Festivals oder einer Bar-kultur schon auf der Straße. Weiter geht es mit kulturellen Bildungseinrichtungen, Museen und diversen Freizeitaktivitäten, welche übrigens auch für den Handel im Zentrum eine große Rolle spielen.

    Es gab wohl schon öfter das Unternehmen die sich in Chemnitz ansiedeln wollten, aber Angst hatten keine Fachkräfte nach Chemnitz locken zu können. Für außenstehende erscheint die Stadt leider nicht attraktiv genug.

    Gewerbeflächen, Netzwerke, ausgebaute Straßen und Autobahnen haben wir genug. Auch Wohnungen gibt es reichlich. Aber was fehlt?

    Was oder wie stellen Sie sich konkret Wirtschaftsförderung für Chemnitz vor?

  • 2
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    DS91
    28.09.2020

    @NeuErzgebirger

    Ich respektiere Ihre Meinung! Finde es auch total ok, wenn Sie sagen diese art von Kunst ist nix für mich.

    Das schöne, es gibt eine große Vielfalt an Kunst und sie muss nicht jeden gefallen! Aber und das müssen wir alle eingestehen, diese Art von Kunst funktioniert! Sie hat Debatten ausgelöst, Orte anders belebt als sonst... also- Ziel erreicht!

    Ps: die Bazillenröhre oder der neu gestaltete Platz vor der alten Post sind doch sehr gute Verschönerungen in unserer Stadt!

    Interessant ist auch, die Künstlergruppe "Brücke" wurde damals mit den selben Argumenten kritisiert, wie einige Kommentatoren es heute auch tun.

  • 7
    7
    Maschinenbauer
    28.09.2020

    @DS91: Vielleicht wäre es angemessener, anstatt mir "Kurzsichtigkeit" und "einen einseitigen und oberflächlichen Blick" vorzuwerfen, die Fakten anzuschauen. Und es auszuhalten, wenn man mal den Finger in die Wunde legt. Die Kunstsammlung wird mit einem Etat von 3 Mio € bei 60.000 Besuchern reichlich subventioniert. Bedeutet dass jeder Besuch mit 50€ gestützt wird. Unternehmen kommen deshalb nach Chemnitz? Das ist aus meiner Sicht eine sehr unrealistische Betrachtungsweise. Für Wirtschaftsansiedlung wird ein Bruchteil durch die Stadt investiert. Es kommt nicht selten vor, dass Ausgaben und Investitionen in dieser Stadt nicht genug unterschieden werden. Investitionen in Zuzug bringt Geld in die Stadt und dann gibt es auch mehr Mittel für Freizeit wie Sport und Kultur. Wenn Kunst vor Wachstumsprogrammen, Sporthallen und Schwimmbädern geht, dann ist es eine Fehlentwicklung die benannt werden muss.

  • 6
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    NeuErzgebirger
    28.09.2020

    @DS91 Im Gegensatz zu Ihnen möchte ich @Maschinenbauer absolut recht geben. Das, was heute als „Kunst“ angeboten wird, ist oftmals mehr als grenzwertig. Ich selbst bin Baujahr 1960. Für mich kann und soll Kunst etwas Schönes oder auch Nachdenkenswertes sein. Sie kann auch abstrakt und minimalistisch sein. Aber um die sinnfreie Kunst von heute zu verstehen, fehlt mir wohl ein Gen. Autowrack im Teich und der Darm von Marx, um nur zwei Beispiele zu nennen. Übrigens sieht es mein gesamter großer Bekanntenkreis ebenso. Die einheitliche Reaktion ist die berühmte Hand vor den Kopf schlagen. Verbunden mit der Ahnung, was da noch kommen könnte. Und das Geld, welches dafür verschwendet wird, muss ja jemand erarbeitet haben. In das gleiche Raster fällt übrigens die zukünftige Berliner Einheitswippe. Einige Wenige wollen/müssen sich auf Kosten Anderer verwirklichen.

  • 9
    3
    mj07
    28.09.2020

    Ich sehe nicht, dass die Verantworlichen sich nur noch um alberne Kunstaktionen kümmern. Das ist doch Unsinn. Sie erlauben nur, dass Kunst im öffentlichen Raum stattfinden darf.
    Ich finde z.B. den Darm auch nicht schön, eigentlich sogar ganz schön hässlich. Aber viele klettern da drauf, viele stehen davor und gucken. Ist doch lustig. Ist mal was los. Ich finde, das tut chemnitz gut. Es darf natürlich keine Unsummen kosten.
    Ich habe noch keinen Stadtpolitiker erlebt, der Probleme negiert und nur noch über die Ausstellungen redet.

  • 19
    15
    DS91
    28.09.2020

    @Maschinenbauer

    Sie haben ein sehr einseitigen und oberflächlichen Blick was Kunst und Kultur angeht. Sie versuchen hier den "armen Steuerzahler" gegen die "unsinnige Kultur" auszuspielen. Was Ihnen nicht gelingt. Denn es sind auch Steuerzahler die diese Kultur mittragen.

    Ich freue mich über die Kunst in der Stadt, auch wenn ich nicht unbedingt jedes Kunstwerk gut finde oder dessen Sinn verstehe. Kunst und Kultur wirft genau die Fragen auf die Sie selbst gerne beantwortet haben möchten.

    Auch sie müssten wissen, alles beginnt mit einer gesellschaftlichen Debatte. Diese Debatte haben einige Künstler durch ihren Werke hervorragend in die Stadtgesellschaft gebracht. Auch wenn einige nur unsachlich argumentieren "diese Werke sind blöd" spiegelt das nur deren mangelndes auseinandersetzen mit den Hintergründen wieder.

    Was Sie zu den finanziellen Ressourcen für die Kultur in Chemnitz sagen ist ebenfalls absolut fragwürdig.

    Die Stadt Chemnitz kann ihr Geld gar nicht besser einsetzen als in Kultur. Auch Sie mit Ihren berechtigten Wunsch nach mehr Ansiedlungen von Unternehmen und Zuzug nach Chemnitz müssen bereits erkannt haben das sich die Anforderungen die Unternehmer an Standorte haben ganz andere sind.

    Kultur und die damit geförderte Kreativität spielen in der Wirtschaft eine große Rolle.
    Es ist kein Zufall das sich Unternehmen trotz hoher Kosten in Berlin oder Leipzig ansiedeln und eben nicht anderswo. Die räumliche Lage spielt dabei eine untergeordnete Rolle, eher wichtiger ist - für hochwertige Arbeitsplätze - bekomme ich genügend kreative Köpfe für mein Unternehmen. Und genau solche Unternehmen haben wir auch mehr und mehr in Chemnitz!

    Was sie hier als alberne Kunstaktionen betiteln und wie Sie Kultur gegen Wirtschaft ausspielen, zeigt eine gewisse Kurzsichtigkeit.

    Sie sind wahrscheinlich Maschinenbauer, eine Industrie mit der Chemnitz groß geworden ist, diese Industrie wird den Preiskampf nur durch Innovationen gewinnen - wie viele andere Branchen auch - also kommt es auf die kreativen Menschen an die diese Innovationen denken!

  • 19
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    Maschinenbauer
    28.09.2020

    So wird sich die Kluft zwischen den Menschen, die Geld durch ihre Arbeit über Steuern ins Gemeinwohl einbringen und denen, die es unverantwortlich ausgeben, größer. Gemeint ist nicht allein dieses Kunstprojekt, sondern die Summe von Maßnahmen für Kunst und Kultur in dieser Stadt. Der Fokus und die Mittel (s. Stadthaushalt) sind zu sehr und zu einseitig darauf ausgelegt. Mein Eindruck, dass sich hier Verantwortliche mit einer mittlerweile weltfremden Haltung in irgendwelche Sphären von Hochkultur flüchten, um sich vor den wahren Problemen abzuducken. Die eigentlichen Herausforderungen sind doch, Chemnitz eine wirtschaftliche Perspektive für die nächsten 25 Jahre zu geben. Dazu braucht es Zuzug, Unternehmensansiedlungen, moderne Schul-, Sport- und Freizeitmöglichkeiten für junge Menschen und ein Konzept für die Transformation der Automobilzulieferindustrie, die in den nächsten Jahren existentielle Probleme bekommen wird. Hier hängen eine Menge Arbeitsplätze dran. Um alle diese Themen sollten sich die Verantwortlichen der Stadt kümmern, anstatt so viele Ressourcen und Mittel in solche Kunstobjekte zu stecken. Es gibt wichtigere Aufgaben und Herausforderungen zu lösen und die lassen sich nicht mit albernen Kunstaktionen kaschieren.