Leichenteile im Magen eins Wolfs

Mit "Wolfssommer" legt der schwedische Autor Hans Rosenfeldt erstmals ohne seinen Partner Michael Hjorth einen eigenen Thriller vor.

Dem Team Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt haben wir die beliebte Serie um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman zu verdanken. Nun schreibt der Schwede Hans Rosenfeldt seinen ersten Krimi allein, ohne seinen Partner, und man spürt, auf jeder Seite, dass der versierte Drehbuchautor sein Metier zweifellos auch solo beherrscht.

Haparanda ist eine verschlafene Kleinstadt im Osten Schwedens nahe der finnischen Grenze. Das beste an der Stadt ist das Ikea-Einrichtungshaus. Normalerweise passiert hier nicht viel. Als im Sommer jedoch eine Wölfin mit ihrem Jungen tot aufgefunden wird, ändert sich alles, denn im Magen der beiden Wölfe finden sich menschliche Überreste. Wo ist die Leiche? Um wen handelt es sich? Wenige Tage später wird Wadim Tarasow bei einem Autounfall getötet. In seinem Auto befinden sich eine Menge Drogen und Bargeld. Und die scheinbar glücklichen Finder, ein Paar, dem das Leben bisher nicht besonders wohl gesonnen war, die beiden ergreifen ihre Chance, verstecken die Leiche und entsorgen das Auto.

Tarasow hat jedoch für die russische Mafia gearbeitet, und da diese ihr Geld und die Drogen unbedingt wieder zurück haben möchte, wird Katja aus Sankt Petersburg nach Haparanda geschickt. Eine gewiefte Auftragskillerin, die ihr Handwerk versteht, und nur mit einem Messer bewaffnet mühelos fünf Männer tötet. Sie ist Profi, durch und durch. Und ihr Auftrag scheint ganz leicht: "Fahr nach Schweden, finde die Taschen, töte denjenigen, der sie genommen hat, und komme wieder zurück". Ganz so leicht entwickelt sich dann alles natürlich nicht. Auch nicht für eine Profikillerin.

Ihre Gegenspielerin bei der schwedischen Polizei ist Hannah. Sie hat ein Verhältnis mit ihrem Chef, da die Ehe mit ihrem Mann Thomas im letzten Jahr etwas in Schieflage geraten ist. Immer häufiger ist Thomas unterwegs, meist zieht er sich in sein Ferienhaus zurück. Womit genau er sich dort beschäftigt, ist Hannah unbekannt. Ihre beiden Kinder sind längst erwachsen und nur selten denkt sie an Elin, ihr erstes Mädchen, das ihr im Alter von zwei Jahren aus dem Auto gestohlen wurde. Bis heute haben Thomas und Hannah diesen Verlust nicht verwinden können. Sie hatten nie mehr ein Lebenszeichen von ihrer Tochter erhalten.

Hans Rosenfeldt gibt den Bewohnern der Kleinstadt ein eigenes Leben, erzählt über ihre Träume und Niederlagen, selbst die Stadt Haparanda kommt zu Wort. Bis der Fall geklärt ist, gibt es eine Menge Toter, die mit erheblicher Brutalität zu Schaden kommen und ganz am Ende, da ist es wie in allen anderen Hjorth-Rosenfeldt-Krimis: es ist nicht alles aufgeklärt, da sind noch Fragen offen und der Leser weiß, "Wolfssommer" ist der Beginn einer super spannenden Serie.

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